Sehschwäche-Screening im Alter: USPSTF-Leitlinie
📋Auf einen Blick
- •Die USPSTF stuft die Evidenz für ein routinemäßiges Screening auf Sehschwäche bei asymptomatischen Personen ab 65 Jahren als unzureichend ein (I-Statement).
- •Es kann derzeit nicht beurteilt werden, ob der Nutzen oder die Risiken eines Screenings überwiegen.
- •Sehschwäche im Alter ist mit verminderter Lebensqualität, Einschränkungen im Alltag und einem erhöhten Sturzrisiko assoziiert.
Hintergrund
Eine eingeschränkte Sehschärfe stellt bei älteren Erwachsenen ein ernsthaftes Problem für die öffentliche Gesundheit dar. Im Jahr 2015 waren schätzungsweise 2,91 Millionen Personen ab 60 Jahren von einer Sehschwäche betroffen, weitere 760.000 galten als blind.
Eine verminderte Sehschärfe ist bei älteren Menschen konsistent mit einer reduzierten Lebensqualität assoziiert. Dies umfasst:
- Eingeschränkte Fähigkeit zur Bewältigung von Alltagsaktivitäten (ADL)
- Einschränkungen bei der Arbeit und der Fahrsicherheit
- Erhöhtes Risiko für Stürze und andere unbeabsichtigte Verletzungen
Definitionen der Sehschärfe
Die USPSTF verwendet folgende Definitionen basierend auf der bestkorrigierten Sehschärfe:
| Kategorie | Definition (Visus) |
|---|---|
| Eingeschränkte Sehschärfe | Schlechter als 20/40, aber besser als 20/200 |
| Blindheit | 20/200 oder schlechter |
Zielgruppe für das Screening
Die Leitlinie bezieht sich auf folgende Patientengruppe:
- Asymptomatische Erwachsene ab 65 Jahren
- Vorstellung in der hausärztlichen Primärversorgung
- Keine bekannte eingeschränkte Sehschärfe
- Suchen keinen Arzt wegen spezifischer Sehprobleme auf
Empfehlung der USPSTF
Zur Aktualisierung der Empfehlung von 2016 hat die USPSTF einen systematischen Review in Auftrag gegeben, um Nutzen und Schaden eines Screenings zu bewerten.
Die USPSTF kommt zu dem Schluss, dass die aktuelle Evidenz unzureichend ist, um die Vor- und Nachteile eines Screenings auf Sehschwäche bei älteren Erwachsenen abzuwägen (I-Statement).
Da die Evidenz fehlt, kann das Verhältnis von Nutzen und Schaden nicht bestimmt werden. Es ist weitere Forschung auf diesem Gebiet erforderlich.
💡Praxis-Tipp
Da ein routinemäßiges Screening asymptomatischer Patienten ab 65 Jahren mangels Evidenz nicht generell empfohlen wird, sollten Hausärzte gezielt auf indirekte Hinweise einer Sehschwäche (z.B. gehäufte Stürze oder Unsicherheiten im Alltag) achten.