Screening auf häusliche Gewalt: USPSTF-Leitlinie (2018)
📋Auf einen Blick
- •Ein Screening auf häusliche Gewalt (IPV) wird für Frauen im gebärfähigen Alter empfohlen (Empfehlungsgrad B).
- •Bei einem positiven Screening müssen betroffene Frauen an kontinuierliche Unterstützungsangebote angebunden werden.
- •Kurze Interventionen oder die reine Weitergabe von Informationsmaterial sind ohne kontinuierliche Betreuung nicht effektiv.
- •Für das Screening auf Missbrauch bei älteren oder vulnerablen Erwachsenen reicht die Evidenz derzeit nicht aus (I-Statement).
Hintergrund
Häusliche Gewalt (Intimate Partner Violence, IPV) sowie der Missbrauch von älteren oder vulnerablen Erwachsenen kommen häufig vor, bleiben jedoch oft unentdeckt. Die gesundheitlichen Folgen für die Betroffenen sind gravierend und oft langfristig.
| Betroffenengruppe | Mögliche gesundheitliche Folgen |
|---|---|
| Opfer von IPV | Verletzungen, Tod, Depressionen, Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS), Angststörungen, Substanzmissbrauch, suizidales Verhalten, sexuell übertragbare Infektionen, ungewollte Schwangerschaften, chronische Schmerzen |
| Ältere Erwachsene | Tod, erhöhtes Risiko für eine Pflegeheimeinweisung, negative psychologische Folgen |
Screening-Empfehlungen
Die US Preventive Services Task Force (USPSTF) spricht basierend auf der aktuellen Evidenzlage folgende Empfehlungen aus:
| Zielgruppe | Empfehlung | Empfehlungsgrad |
|---|---|---|
| Frauen im gebärfähigen Alter | Screening auf IPV durchführen. Bei positivem Befund zwingend an kontinuierliche Unterstützungsangebote anbinden. | B |
| Ältere und vulnerable Erwachsene | Die aktuelle Evidenz ist unzureichend, um Nutzen und Schaden eines routinemäßigen Screenings abzuwägen. | I (Insufficient) |
Interventionen bei positivem IPV-Screening
Die Evidenz zeigt deutlich, dass das reine Erkennen von häuslicher Gewalt durch Screening-Instrumente nicht ausreicht. Folgende Punkte sind bei der anschließenden Intervention zu beachten:
- Effektiv: Die Anbindung an oder Bereitstellung von kontinuierlichen Unterstützungsangeboten (ongoing support services). Der Nutzen dieser Maßnahmen ist vor allem durch Studien an schwangeren oder postpartalen Frauen belegt.
- Nicht effektiv: Kurze Interventionen (Brief interventions) oder die reine Weitergabe von Informationen zu Überweisungsmöglichkeiten zeigen ohne eine kontinuierliche Betreuung keine Wirksamkeit.
💡Praxis-Tipp
Ein positives Screening auf häusliche Gewalt erfordert zwingend die Anbindung an kontinuierliche Hilfsangebote. Die bloße Übergabe von Informationsmaterial oder kurze Interventionen sind laut Evidenz wirkungslos.