Tularämie (Hasenpest): Erregernachweis und Antibiotika
Hintergrund
Francisella tularensis ist der Erreger der Tularämie, auch bekannt als Hasenpest. Der RKI-Ratgeber beschreibt das Bakterium als gramnegativen, intrazellulären Coccobacillus, der in der Umwelt sehr widerstandsfähig ist.
In Deutschland und Europa wird hauptsächlich die Subspezies holarctica nachgewiesen, die vor allem über Feldhasen, kontaminiertes Wasser oder Zeckenstiche übertragen wird. Die Fallzahlen in Deutschland steigen laut RKI kontinuierlich an.
Der Erreger ist hochinfektiös, wobei bereits etwa 10 Bakterien für eine Infektion ausreichen können. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist bisher nicht bekannt.
Klinischer Kontext
Die Tularämie, auch Hasenpest genannt, ist eine seltene Zoonose, die durch das gramnegative Bakterium Francisella tularensis verursacht wird. In Deutschland werden jährlich meist nur wenige Dutzend Fälle gemeldet, wobei Jäger, Waldarbeiter und Personen mit Kontakt zu Wildtieren besonders gefährdet sind.
Der Erreger ist hochinfektiös und kann über direkten Hautkontakt, Inhalation, Ingestion oder Vektoren wie Zecken übertragen werden. Nach dem Eindringen vermehrt sich das Bakterium intrazellulär in Makrophagen und breitet sich lymphogen sowie hämatogen im gesamten Organismus aus.
Aufgrund der unspezifischen Frühsymptome und der Vielfalt der klinischen Manifestationen wird die Diagnose im klinischen Alltag oft verzögert gestellt. Eine rasche antibiotische Therapie ist jedoch entscheidend, um schwere Verläufe und lebensbedrohliche Komplikationen wie Sepsis oder Organversagen zu verhindern.
Die Diagnostik stützt sich vorwiegend auf serologische Verfahren wie den Nachweis spezifischer Antikörper, die jedoch erst im weiteren Krankheitsverlauf positiv werden. Ein direkter Erregernachweis mittels PCR aus Ulkusabstrich, Lymphknotenpunktat oder Blut ist in der Frühphase sensitiver, erfordert aber aufgrund der hohen Kontagiosität ein Speziallabor.
Wissenswertes
Die Inkubationszeit der Tularämie beträgt in der Regel drei bis fünf Tage, kann aber zwischen einem und 14 Tagen variieren. Erste Symptome sind meist ein plötzlicher Krankheitsbeginn mit hohem Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen sowie ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl.
Die Übertragung erfolgt meist durch direkten Kontakt mit infizierten Tieren, insbesondere Feldhasen, oder deren Ausscheidungen. Weitere Infektionswege sind Stiche von infizierten Zecken oder Mücken, der Verzehr von kontaminiertem Fleisch oder Wasser sowie die Inhalation infektiöser Stäube.
Die häufigste Form ist die ulzeroglanduläre Tularämie, die durch ein Hautulkus an der Eintrittspforte und schmerzhaft geschwollene regionale Lymphknoten gekennzeichnet ist. Weitere Manifestationen umfassen die glanduläre, okuloglanduläre, oropharyngeale, pneumonische und die schwer verlaufende typhöse Form.
Routinelaborwerte zeigen oft unspezifische Entzündungszeichen wie eine mäßig erhöhte Blutsenkungsgeschwindigkeit und CRP sowie gelegentlich eine leichte Transaminasenerhöhung. Die spezifische Diagnostik erfolgt primär über Antikörpernachweise im Serum oder den direkten Erregernachweis mittels PCR aus geeignetem Probenmaterial.
Zur Behandlung der Tularämie werden primär Fluorchinolone wie Ciprofloxacin oder Aminoglykoside wie Streptomycin und Gentamicin eingesetzt. Tetracycline wie Doxycyclin sind eine Alternative, erfordern jedoch aufgrund einer höheren Rezidivrate meist eine längere Therapiedauer.
In Deutschland besteht eine namentliche Meldepflicht für den direkten oder indirekten Nachweis von Francisella tularensis, sofern dieser auf eine akute Infektion hinweist. Auch der Verdacht, die Erkrankung und der Tod an Tularämie sind nach dem Infektionsschutzgesetz meldepflichtig.
Ärzte fragen zu diesem Thema
💡Praxis-Tipp
Aufgrund der extrem hohen Infektiosität von F. tularensis besteht ein erhebliches Risiko für Laborinfektionen. Es wird dringend empfohlen, das mikrobiologische Labor bei der Probenanforderung explizit auf den Verdacht einer Tularämie hinzuweisen. Nur so können die notwendigen Arbeitsschutzmaßnahmen eingehalten und eine Gefährdung des Personals vermieden werden.
Häufig gestellte Fragen
Die Übertragung erfolgt meist durch direkten Kontakt mit infizierten Tieren wie Hasen, durch Zeckenstiche oder den Verzehr kontaminierter Lebensmittel. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist laut RKI nicht bekannt.
Der Ratgeber empfiehlt primär Aminoglykoside, Fluorchinolone oder Tetracycline. Beta-Lactam-Antibiotika wie Penicilline oder Cephalosporine sind aufgrund natürlicher Resistenzen unwirksam.
Die Inkubationszeit beträgt in der Regel 3 bis 5 Tage. Abhängig von der Infektionsdosis und dem Übertragungsweg kann sie jedoch zwischen 1 und 21 Tagen variieren.
Ja, es besteht eine namentliche Meldepflicht nach § 7 IfSG. Der direkte oder indirekte Erregernachweis muss dem Gesundheitsamt innerhalb von 24 Stunden gemeldet werden.
In der Europäischen Union sind derzeit keine Impfstoffe gegen Tularämie zugelassen oder verfügbar. Eine postexpositionelle Impfung wird vom RKI aufgrund der kurzen Inkubationszeit als nicht wirksam eingestuft.
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Quelle: RKI-Ratgeber: Tularämie (RKI/STIKO). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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