IQWiG2024Neurologie

Tuberöse Sklerose: Cannabidiol-Dosierung und Evidenz

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: IQWiG (2024)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat den Zusatznutzen von Cannabidiol bewertet. Der Wirkstoff ist als Zusatztherapie von Krampfanfällen im Zusammenhang mit tuberöser Sklerose (TSC) bei Patientinnen und Patienten ab 2 Jahren zugelassen.

Als zweckmäßige Vergleichstherapie wurde vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) eine patientenindividuelle antiepileptische Zusatztherapie festgelegt. Diese soll unter Berücksichtigung der Anfallsformen, Vortherapien und Nebenwirkungen erfolgen.

Laut IQWiG-Dossierbewertung ist ein Zusatznutzen von Cannabidiol gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie nicht belegt. Die vom pharmazeutischen Unternehmer vorgelegte Studie setzte die geforderte Vergleichstherapie methodisch nicht adäquat um.

Empfehlungen

Die IQWiG-Dossierbewertung formuliert folgende zentrale Ergebnisse zur Nutzenbewertung:

Bewertung des Zusatznutzens

Laut IQWiG ist ein Zusatznutzen von Cannabidiol bei Krampfanfällen im Zusammenhang mit tuberöser Sklerose nicht belegt. Es liegen keine geeigneten Daten für einen direkten Vergleich mit der zweckmäßigen Vergleichstherapie vor.

Methodische Kritik an der Evidenz

Die Bewertung kritisiert das Studiendesign der vorgelegten Zulassungsstudie (GWEP1521):

  • Cannabidiol wurde lediglich zu einer bestehenden, unzureichenden Basistherapie hinzugefügt.

  • Eine Optimierung der bestehenden Therapie im Vergleichsarm war zu keinem Zeitpunkt erlaubt.

  • Die geforderte patientenindividuelle antiepileptische Zusatztherapie wurde somit nicht umgesetzt.

Zweckmäßige Vergleichstherapie

Der G-BA definiert als Vergleichstherapie eine patientenindividuelle Auswahl aus verschiedenen Wirkstoffen. Dazu zählen unter anderem:

  • Brivaracetam, Carbamazepin, Cenobamat oder Clonazepam

  • Lamotrigin, Levetiracetam, Valproinsäure oder Topiramat

  • Glukokortikoide oder Tetracosactid bei infantilen Spasmen

Dosierung

Die Fachinformation gibt folgende Dosierungsempfehlungen für Cannabidiol bei tuberöser Sklerose (TSC):

BehandlungsphaseEinzeldosisTagesgesamtdosis
Anfangsdosis (Woche 1)2,5 mg/kg Körpergewicht 2-mal täglich5 mg/kg/Tag
Erhaltungsdosis (ab Woche 2)5 mg/kg Körpergewicht 2-mal täglich10 mg/kg/Tag
Maximale Erhaltungsdosis12,5 mg/kg Körpergewicht 2-mal täglich25 mg/kg/Tag

Eine Dosissteigerung über 10 mg/kg/Tag hinaus sollte laut Fachinformation in wöchentlichen Schritten von 2,5 mg/kg (zweimal täglich) erfolgen. Dies erfordert eine strenge Abwägung des individuellen Nutzens und Risikos.

Beim Absetzen wird eine schrittweise Dosisreduktion um etwa 10 % pro Tag über einen Zeitraum von 10 Tagen empfohlen.

Kontraindikationen

Laut Fachinformation bestehen folgende Kontraindikationen für Cannabidiol:

  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder sonstige Bestandteile

  • Erhöhte Transaminasen (größer als das 3-fache der oberen Normgrenze) in Kombination mit erhöhtem Bilirubin (größer als das 2-fache der oberen Normgrenze)

Zudem werden folgende Warnhinweise formuliert:

  • Risiko einer hepatozellulären Schädigung (regelmäßige Kontrolle von Leberwerten erforderlich)

  • Auftreten von Somnolenz und Sedierung, besonders zu Behandlungsbeginn

  • Mögliche klinisch relevante Erhöhung der Anfallshäufigkeit

  • Risiko für Gewichtsverlust oder verminderte Gewichtszunahme

ClariMed durchsucht 14.000+ weitere Leitlinien
Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Die Fachinformation betont die Notwendigkeit einer engmaschigen Überwachung der Leberfunktion unter Cannabidiol. Es wird empfohlen, die Serumtransaminasen und das Gesamtbilirubin vor Therapiebeginn sowie nach 1, 3 und 6 Monaten zu kontrollieren. Bei Dosisänderungen oder der Hinzunahme potenziell hepatotoxischer Medikamente sollte dieser Überwachungsplan erneut gestartet werden.

Häufig gestellte Fragen

Die Fachinformation verweist auf eine Anfangsdosis von 5 mg/kg/Tag, aufgeteilt auf zwei Gaben. Nach einer Woche wird eine Erhöhung auf die Erhaltungsdosis von 10 mg/kg/Tag empfohlen.

Das IQWiG sieht einen Zusatznutzen von Cannabidiol gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie als nicht belegt an. Begründet wird dies mit dem Fehlen geeigneter Studiendaten, die eine patientenindividuelle Therapieoptimierung abbilden.

Es wird eine regelmäßige Kontrolle der Serumtransaminasen und des Gesamtbilirubins empfohlen. Diese sollte vor Therapiebeginn sowie nach 1, 3 und 6 Monaten erfolgen.

Laut Fachinformation kann Nahrung, insbesondere eine ketogene Diät, den Cannabidiolspiegel erhöhen. Es wird empfohlen, die Einnahme konsequent entweder immer mit oder immer ohne Nahrung durchzuführen.

War diese Zusammenfassung hilfreich?

Quelle: IQWiG A23-121: Cannabidiol (Tuberöse Sklerose) – Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2024). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

Verwandte Leitlinien

Über Google hier gelandet?

ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien

AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.

Kostenloses Konto erstellen
Keine Kreditkarte. DSGVO-konform. In Deutschland gehostet.