Trifluridin/Tipiracil + Bevacizumab: Therapie bei mKRK
Hintergrund
Die IQWiG-Dossierbewertung A23-85 untersucht den Zusatznutzen von Trifluridin/Tipiracil in Kombination mit Bevacizumab. Das Anwendungsgebiet umfasst erwachsene Personen mit metastasiertem Kolorektalkarzinom (mKRK).
Voraussetzung für die Therapie ist, dass die Betroffenen zuvor bereits zwei Krebstherapien erhalten haben. Diese Vortherapien müssen Fluoropyrimidin-, Oxaliplatin- und Irinotecan-basierte Chemotherapien sowie Anti-VEGF- und/oder Anti-EGFR-Substanzen beinhalten.
Als zweckmäßige Vergleichstherapie wurde vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) die Monotherapie mit Trifluridin/Tipiracil festgelegt. Die Bewertung basiert maßgeblich auf den Daten der randomisierten, kontrollierten Phase-III-Studie SUNLIGHT.
Empfehlungen
Der Bericht formuliert folgende Kernbewertungen zum Zusatznutzen:
Gesamtüberleben und Mortalität
Laut Bewertung zeigt sich für den Endpunkt Gesamtüberleben ein statistisch signifikanter Unterschied zugunsten der Kombinationstherapie. Daraus leitet das Institut einen Hinweis auf einen erheblichen Zusatznutzen ab.
Morbidität und Lebensqualität
Für die gesundheitsbezogene Lebensqualität und Morbidität ergeben sich aus den Studiendaten folgende Resultate:
-
Für die körperliche Funktion zeigt sich ein Anhaltspunkt für einen geringen Zusatznutzen.
-
Bei Männern ergibt sich ein Anhaltspunkt für einen beträchtlichen Zusatznutzen beim allgemeinen Gesundheitszustand.
-
Ebenfalls bei Männern wird ein Anhaltspunkt für einen geringen Zusatznutzen im Bereich Übelkeit und Erbrechen beschrieben.
-
Für Frauen lassen sich in diesen Kategorien keine statistisch signifikanten Vorteile belegen.
Nebenwirkungen und Gesamtaussage
Die vorgelegten Daten zu unerwünschten Ereignissen wurden vom Institut als nicht geeignet für die Nutzenbewertung eingestuft. Aufgrund unklarer Angaben zur Erhebung konnte das Schadenspotenzial nicht abschließend quantifiziert werden.
In der Gesamtschau formuliert der Bericht einen Hinweis auf einen nicht quantifizierbaren, mindestens beträchtlichen Zusatznutzen für die Kombination aus Trifluridin/Tipiracil und Bevacizumab gegenüber der Monotherapie.
Dosierung
Der Bericht zitiert die Fachinformation hinsichtlich der folgenden Dosierungsschemata für die Kombinationstherapie:
| Wirkstoff | Dosis | Applikation | Zyklus |
|---|---|---|---|
| Trifluridin/Tipiracil | 35 mg/m2 (max. 80 mg/Dosis) | oral, 2-mal täglich | Tage 1-5 und 8-12 eines 28-Tage-Zyklus |
| Bevacizumab | 5 mg/kg Körpergewicht | intravenös | an den Tagen 1 und 15 eines 28-Tage-Zyklus |
Bei schwerer Nierenfunktionsstörung wird laut Dokument eine reduzierte Anfangsdosis von 20 mg/m2 zweimal täglich für Trifluridin/Tipiracil beschrieben.
Kontraindikationen
Das Dokument führt basierend auf der Fachinformation folgende Warnhinweise und Einschränkungen auf:
-
Eine Anwendung bei terminaler Niereninsuffizienz wird mangels Daten nicht empfohlen.
-
Bei mäßiger oder schwerer Leberfunktionsstörung (Gesamtbilirubin > 1,5 x ULN) wird die Therapie nicht empfohlen.
-
Während der Behandlung und bis zu 6 Monate danach muss eine zuverlässige Empfängnisverhütung erfolgen.
-
Das Stillen soll während der Therapie unterbrochen werden.
💡Praxis-Tipp
Der Bericht weist darauf hin, dass die Dosierung von Trifluridin/Tipiracil exakt nach Körperoberfläche berechnet und auf den nächsten 5-mg-Schritt gerundet wird. Es wird betont, dass eine versäumte Dosis nicht nachträglich eingenommen werden darf. Zudem wird bei der Kombination mit hormonellen Kontrazeptiva eine zusätzliche Barrieremethode zur Empfängnisverhütung beschrieben, da Wechselwirkungen nicht ausgeschlossen sind.
Häufig gestellte Fragen
Die IQWiG-Bewertung sieht einen Hinweis auf einen nicht quantifizierbaren, mindestens beträchtlichen Zusatznutzen. Dies basiert vor allem auf einem signifikanten Vorteil beim Gesamtüberleben gegenüber der Monotherapie.
Laut Bericht müssen die Betroffenen zuvor zwei Krebstherapien durchlaufen haben. Diese müssen Fluoropyrimidin-, Oxaliplatin- und Irinotecan-basierte Chemotherapien sowie zielgerichtete Anti-VEGF- und/oder Anti-EGFR-Substanzen umfassen.
Die Dossierbewertung beschreibt für Männer Anhaltspunkte für einen Zusatznutzen bei Übelkeit, Erbrechen und dem allgemeinen Gesundheitszustand. Für Frauen konnten in diesen spezifischen Kategorien keine signifikanten Vorteile belegt werden.
Das Medikament wird in einer Dosis von 35 mg/m2 Körperoberfläche zweimal täglich oral eingenommen. Die Einnahme erfolgt an den Tagen 1 bis 5 sowie 8 bis 12 eines 28-Tage-Zyklus.
Das Dokument rät von einer Anwendung bei mäßiger oder schwerer Leberfunktionsstörung ab. Bei leichter Leberfunktionsstörung ist laut Fachinformation keine Dosisanpassung der Anfangsdosis erforderlich.
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Quelle: IQWiG A23-85: Trifluridin/Tipiracil (Kombination mit Bevacizumab; Kolorektalkarzinom) – Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2024). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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