Trifluridin/Tipiracil bei mKRK: Therapie und Prognose
Hintergrund
Der vorliegende Bericht des IQWiG aus dem Jahr 2020 bewertet den Zusatznutzen der Wirkstoffkombination Trifluridin/Tipiracil. Das Anwendungsgebiet umfasst erwachsene Patientinnen und Patienten mit metastasiertem Kolorektalkarzinom (mKRK).
Die Zielgruppe besteht aus Personen, die bereits mit verfügbaren Therapien behandelt wurden oder für die diese nicht geeignet sind. Zu den Vortherapien zählen fluoropyrimidin-, oxaliplatin- und irinotecanbasierte Chemotherapien sowie Anti-VEGF- und Anti-EGFR-Substanzen.
Als zweckmäßige Vergleichstherapie wurde vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) Best Supportive Care (BSC) festgelegt. Die Bewertung basiert primär auf den randomisierten kontrollierten Studien RECOURSE und TERRA.
Empfehlungen
Der IQWiG-Bericht differenziert den Zusatznutzen basierend auf der Anzahl der vorangegangenen Therapieregimes.
Patienten mit zwei Vortherapien
Für diese Patientengruppe zeigt die Auswertung keinen Überlebensvorteil.
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Es wird ein Anhaltspunkt für einen geringeren Nutzen im Vergleich zu Best Supportive Care (BSC) abgeleitet.
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Die negativen Effekte durch Nebenwirkungen überwiegen in dieser Gruppe.
Patienten mit drei oder mehr Vortherapien
Bei Patientinnen und Patienten mit mindestens drei vorangegangenen Therapieregimes zeigt sich ein anderes Bild.
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Für das Gesamtüberleben ergibt sich ein Anhaltspunkt für einen Zusatznutzen erheblichen Ausmaßes.
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In der Gesamtschau wird ein Anhaltspunkt für einen geringen Zusatznutzen gegenüber BSC abgeleitet.
Nebenwirkungen und Risiken
Die Therapie mit Trifluridin/Tipiracil ist mit spezifischen Risiken verbunden, die in die Bewertung einfließen:
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Es besteht ein Hinweis auf einen höheren Schaden durch schwere unerwünschte Ereignisse (CTCAE-Grad ≥ 3).
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Dies betrifft insbesondere Myelosuppressionen wie Anämie, Neutropenie und Leukopenie.
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Ebenfalls zeigt sich ein Hinweis auf einen höheren Schaden durch gastrointestinale Toxizität wie Diarrhö, Übelkeit und Erbrechen.
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Demgegenüber steht ein Anhaltspunkt für einen geringeren Schaden bei schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen (SUEs).
Dosierung
Die Dosierung erfolgt laut Fachinformation nach der Körperoberfläche. Die Dosis muss auf den am nächsten gelegenen 5-mg-Schritt gerundet werden.
| Medikament | Dosis | Anwendung | Maximaldosis |
|---|---|---|---|
| Trifluridin/Tipiracil | 35 mg/m2 Körperoberfläche | 2-mal täglich oral an Tag 1-5 und Tag 8-12 eines 28-Tage-Zyklus | 80 mg pro Einzeldosis |
Die Tabletten sind mit einem Glas Wasser innerhalb einer Stunde nach den Mahlzeiten am Morgen und am Abend einzunehmen.
Kontraindikationen
Laut Fachinformation bestehen folgende Warnhinweise und Einschränkungen für die Anwendung:
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Eine Anwendung bei schwerer Nierenfunktionsstörung oder terminaler Niereninsuffizienz wird nicht empfohlen.
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Bei mäßiger oder schwerer Leberfunktionsstörung wird die Anwendung ebenfalls nicht empfohlen.
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Frauen im gebärfähigen Alter müssen während und bis zu 6 Monate nach der Therapie zuverlässige Verhütungsmethoden anwenden.
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Männer mit einer Partnerin im gebärfähigen Alter müssen ebenfalls bis zu 6 Monate nach Behandlungsende verhüten.
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Das Stillen soll während der Behandlung unterbrochen werden.
💡Praxis-Tipp
Der IQWiG-Bericht hebt hervor, dass der Zusatznutzen von Trifluridin/Tipiracil stark von der Anzahl der Vortherapien abhängt. Es wird deutlich, dass bei Personen mit lediglich zwei vorangegangenen Therapieregimes die negativen Effekte durch Nebenwirkungen wie Myelosuppression und gastrointestinale Toxizität überwiegen. Ein Zusatznutzen ist erst ab der dritten Vortherapie belegt, was bei der Therapieentscheidung im palliativen Setting essenziell ist.
Häufig gestellte Fragen
Die empfohlene Anfangsdosis beträgt 35 mg/m2 Körperoberfläche zweimal täglich. Die Einnahme erfolgt an den Tagen 1 bis 5 und 8 bis 12 eines 28-Tage-Zyklus.
Der Zusatznutzen hängt von der Vorbehandlung ab. Bei zwei Vortherapien sieht das IQWiG einen geringeren Nutzen, ab drei Vortherapien einen Anhaltspunkt für einen geringen Zusatznutzen im Vergleich zu Best Supportive Care.
Die Auswertung zeigt vermehrt schwere unerwünschte Ereignisse wie Myelosuppression (Anämie, Neutropenie) und gastrointestinale Toxizität. Es wird eine regelmäßige Kontrolle des Blutbildes empfohlen.
Bei schwerer Nierenfunktionsstörung oder terminaler Niereninsuffizienz wird die Anwendung laut Fachinformation nicht empfohlen. Für diese Gruppen liegen keine ausreichenden Daten vor.
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Quelle: IQWiG A20-35: Trifluridin/Tipiracil (Kolorektalkarzinom) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (Ablauf Befristung) (IQWiG, 2020). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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