Trastuzumab Emtansin: Therapie bei HER2+ Mammakarzinom
Hintergrund
Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) beauftragte das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) mit der Nutzenbewertung von Trastuzumab Emtansin. Der Wirkstoff ist zur Behandlung von erwachsenen Patienten mit HER2-positivem, inoperablem lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Brustkrebs zugelassen.
Die Zielgruppe umfasst Patienten, die zuvor bereits Trastuzumab und ein Taxan erhalten haben. Zudem muss entweder eine vorherige Behandlung gegen die fortgeschrittene Erkrankung erfolgt sein oder ein Rezidiv innerhalb von 6 Monaten nach der adjuvanten Therapie aufgetreten sein.
Für die Bewertung unterteilte der G-BA die Patienten in vier Teilpopulationen mit jeweils spezifischen zweckmäßigen Vergleichstherapien. Die Beurteilung des Zusatznutzens erfolgte auf Basis patientenrelevanter Endpunkte wie Mortalität, Morbidität und gesundheitsbezogener Lebensqualität.
Empfehlungen
Der IQWiG-Bericht formuliert je nach Teilpopulation unterschiedliche Ergebnisse zum Zusatznutzen:
Vorbehandlung mit Anthracyclinen (Teilpopulation b)
Für Patienten mit metastasiertem Brustkrebs, die mit Anthracyclinen, Taxanen und Trastuzumab vorbehandelt sind, sieht das IQWiG einen Hinweis auf einen erheblichen Zusatznutzen. Diese Einschätzung basiert auf der EMILIA-Studie, in der Trastuzumab Emtansin mit der Kombination aus Lapatinib und Capecitabin verglichen wurde.
Laut Bericht zeigt sich unter Trastuzumab Emtansin ein beträchtlicher Vorteil beim Gesamtüberleben (Median 30,9 vs. 23,7 Monate). Zudem wird für kaukasische Patienten ein Anhaltspunkt für einen Zusatznutzen bei der gesundheitsbezogenen Lebensqualität (physisch/funktionale Komponente) beschrieben.
Bezüglich der Nebenwirkungen ergeben sich laut Bewertung folgende Effekte im Vergleich zur zweckmäßigen Vergleichstherapie:
-
Geringerer Schaden bei schweren unerwünschten Ereignissen (CTCAE-Grad ≥ 3) und Therapieabbrüchen
-
Erheblich geringerer Schaden bei schweren Diarrhoen und schwerem Hand-Fuß-Syndrom
-
Größerer Schaden bei Blutungen (überwiegend leichte Fälle von Nasenbluten)
Ohne Anthracyclin-Vorbehandlung (Teilpopulationen c und d)
Für Patienten mit metastasiertem Brustkrebs ohne vorherige Anthracyclin-Gabe lagen keine verwertbaren Studiendaten gegenüber den zweckmäßigen Vergleichstherapien vor. Das IQWiG stellt fest, dass ein Zusatznutzen für diese Patientengruppen nicht belegt ist.
Lokal fortgeschrittener Brustkrebs (Teilpopulation a)
Für Patienten mit inoperablem, lokal fortgeschrittenem Brustkrebs wurden keine Daten im Vergleich zur zweckmäßigen Vergleichstherapie (Strahlentherapie) eingereicht. Somit ist auch für diese Gruppe laut Bericht kein Zusatznutzen belegt.
Dosierung
Der Bericht zitiert folgende Dosierungsschemata aus den Fachinformationen der in der EMILIA-Studie verwendeten Wirkstoffe:
| Wirkstoff | Dosierung | Anwendung |
|---|---|---|
| Trastuzumab Emtansin | 3,6 mg/kg Körpergewicht i.v. | Alle 3 Wochen (21-Tage-Zyklus) |
| Lapatinib | 1250 mg oral | Einmal täglich (kontinuierlich) |
| Capecitabin | 1000 mg/m² Körperoberfläche oral | Zweimal täglich an Tag 1 bis 14 (21-Tage-Zyklus) |
Kontraindikationen
Der Bericht weist darauf hin, dass eine Anwendung von Trastuzumab Emtansin während der Schwangerschaft nicht empfohlen wird. Zudem wird vor Beginn einer Behandlung das Abstillen empfohlen, da schwerwiegende Nebenwirkungen beim gestillten Säugling möglich sind.
Es wird eine effiziente Kontrazeption während der Therapie und für 6 Monate nach der letzten Dosis empfohlen.
💡Praxis-Tipp
Der Bericht betont die Wichtigkeit, die Etiketten der Durchstechflaschen vor der Zubereitung genau zu prüfen. Es wird explizit davor gewarnt, Trastuzumab Emtansin (Kadcyla) versehentlich mit konventionellem Trastuzumab (Herceptin) zu verwechseln, um schwerwiegende Behandlungsfehler zu vermeiden.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG-Bericht gibt es einen Hinweis auf einen erheblichen Zusatznutzen für Patienten mit HER2-positivem, metastasiertem Brustkrebs, die mit Anthracyclinen, Taxanen und Trastuzumab vorbehandelt sind. Für andere Teilpopulationen ist ein Zusatznutzen mangels passender Daten nicht belegt.
Die Leitlinie zitiert die Fachinformation, nach der Trastuzumab Emtansin in einer Dosis von 3,6 mg/kg Körpergewicht als intravenöse Infusion verabreicht wird. Die Gabe erfolgt alle 3 Wochen in einem 21-Tage-Zyklus.
Der Bericht stellt fest, dass unter Trastuzumab Emtansin häufiger Blutungen auftreten, wobei es sich überwiegend um leichte Fälle von Nasenbluten handelt. Schwere Diarrhoen und das Hand-Fuß-Syndrom treten hingegen signifikant seltener auf.
Der Bericht weist darauf hin, dass die Anwendung während der Schwangerschaft nicht empfohlen wird. Frauen im gebärfähigen Alter wird eine effiziente Kontrazeption während und bis 6 Monate nach der Therapie empfohlen.
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Quelle: IQWiG A14-01: Trastuzumab Emtansin - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (Dossierbewertung) (IQWiG, 2014). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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