Streptokokken-Pharyngitis (GAS): Diagnostik und Scoring
Hintergrund
Diese Zusammenfassung basiert auf dem methodischen Supplement der IDSA-Leitlinie (2025) zur Diagnostik und Behandlung der Pharyngitis durch Gruppe-A-Streptokokken (GAS). Der Fokus liegt auf der Risikobewertung mittels klinischer Scoring-Systeme.
Die Leitliniengruppe untersuchte, ob der Einsatz strukturierter Scores der rein klinischen Einschätzung überlegen ist. Ziel ist es zu ermitteln, bei welchen Personen eine gezielte Testung auf eine GAS-Pharyngitis erfolgen sollte.
Hierfür wurden systematische Literaturrecherchen durchgeführt und die Evidenz nach der GRADE-Methodik bewertet. Die analysierten Daten umfassen Studien sowohl für pädiatrische als auch für erwachsene Populationen.
Klinischer Kontext
Epidemiologie: Die Pharyngitis durch Streptokokken der Gruppe A (GAS) ist eine der häufigsten bakteriellen Infektionen im Kindes- und Jugendalter. Sie ist für etwa 20 bis 30 Prozent der Pharyngitiden bei Kindern und 5 bis 15 Prozent bei Erwachsenen verantwortlich, wobei eine Häufung in den Winter- und Frühjahrsmonaten auftritt. Pathophysiologie: Streptococcus pyogenes adhäriert an das respiratorische Epithel des Rachens und schüttet verschiedene Virulenzfaktoren wie Streptolysine und pyrogene Exotoxine aus. Dies führt zu einer ausgeprägten lokalen Entzündungsreaktion der Tonsillen und des Pharynx, die sich systemisch ausbreiten oder immunologische Folgeerkrankungen auslösen kann. Klinische Bedeutung und Diagnostik: Die Unterscheidung zwischen viraler und bakterieller Genese ist essenziell, um eitrige Komplikationen wie Peritonsillarabszesse sowie nicht-eitrige Spätfolgen wie das akute rheumatische Fieber zu verhindern. Diagnostisch werden klinische Scores wie der Centor- oder McIsaac-Score herangezogen, um die Vortestwahrscheinlichkeit zu ermitteln, gefolgt von Antigen-Schnelltests oder Rachenabstrichen zur kulturellen Sicherung.
Wissenswertes
Der Centor-Score hilft bei der klinischen Einschätzung der Wahrscheinlichkeit einer GAS-Pharyngitis bei Erwachsenen. Zu den Kriterien gehören Fieber über 38 Grad Celsius, fehlender Husten, geschwollene und schmerzhafte vordere Halslymphknoten sowie Tonsillenexsudate.
Eine antibiotische Therapie ist indiziert, wenn der Verdacht auf eine Infektion mit Streptokokken der Gruppe A durch einen positiven Antigen-Schnelltest oder eine Kultur bestätigt wurde. Ziel ist die Verkürzung der Symptomdauer, die Verhinderung von Komplikationen und die Unterbrechung der Infektionskette.
Moderne Antigen-Schnelltests weisen eine hohe Spezifität von oft über 95 Prozent auf, sodass ein positives Ergebnis in der Regel beweisend ist. Die Sensitivität variiert jedoch zwischen 70 und 90 Prozent, weshalb bei negativen Tests und hohem klinischen Verdacht eine Kultur erwogen wird.
Zu den eitrigen Komplikationen zählen Peritonsillar- und Retropharyngealabszesse sowie Otitis media und Sinusitis. Nicht-eitrige, immunologisch vermittelte Spätfolgen umfassen das akute rheumatische Fieber und die Poststreptokokken-Glomerulonephritis.
Bei einer leichten Penicillinallergie kommen häufig Cephalosporine der ersten oder zweiten Generation zum Einsatz. Bei schweren, anaphylaktischen Reaktionen in der Anamnese werden Makrolide oder Clindamycin als Ausweichpräparate verwendet.
Nach Beginn einer wirksamen antibiotischen Therapie sinkt die Erregerlast im Rachenraum sehr rasch ab. In der Regel gelten Patienten bereits 24 Stunden nach der ersten Antibiotikagabe als nicht mehr infektiös.
Ärzte fragen zu diesem Thema
💡Praxis-Tipp
Die Evidenzprofile der Leitlinie deuten darauf hin, dass klinische Scoring-Systeme bei Kindern zwar die Sensitivität der GAS-Diagnostik erhöhen können, dies jedoch möglicherweise auf Kosten einer geringeren Spezifität geschieht. Es wird hervorgehoben, dass die zugrundeliegende Evidenzqualität für diese Vergleiche als niedrig bis sehr niedrig eingestuft wird.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie analysiert etablierte Instrumente wie den Centor-Score, den McIsaac-Score sowie den Breese-Score. Diese Systeme nutzen klinische Parameter wie Fieber, Husten und Tonsillenbefund zur Risikostratifizierung.
Laut den Daten der Leitlinie weisen Scoring-Systeme bei Kindern eine höhere Sensitivität auf, zeigen jedoch eine niedrigere Spezifität als die rein klinische Beurteilung. Die Evidenzqualität hierfür wird als sehr niedrig bewertet.
Bei Erwachsenen zeigen die Evidenzprofile der Leitlinie kaum Unterschiede zwischen der Nutzung eines Scores und der alleinigen ärztlichen Einschätzung. Beide Methoden weisen eine ähnliche Sensitivität und eine sehr hohe Spezifität auf.
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Quelle: IDSA: Group A Streptococcal Pharyngitis (2025) (IDSA, 2025). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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