STI: Diagnostik, Therapie und Dosierungsschemata
Hintergrund
Sexuell übertragbare Infektionen (STI) stellen weltweit ein erhebliches Problem für die öffentliche Gesundheit dar. Die WHO-Leitlinie bietet einen operativen Rahmen für die Prävention, Diagnostik und Behandlung von STI, um die Integration in die primäre Gesundheitsversorgung zu fördern.
Unbehandelte STI können zu schweren Komplikationen wie Unfruchtbarkeit, ektopen Schwangerschaften, unerwünschten Schwangerschaftsausgängen und einem erhöhten Risiko für die Übertragung von HIV führen. Besonders Schlüsselpopulationen und junge Erwachsene sind überproportional häufig betroffen.
Zu den größten globalen Herausforderungen bei der STI-Kontrolle gehören asymptomatische Infektionsverläufe, eingeschränkte diagnostische Kapazitäten in ressourcenschwachen Regionen sowie die zunehmende antimikrobielle Resistenz, insbesondere bei Neisseria gonorrhoeae.
Empfehlungen
Die WHO-Leitlinie formuliert umfassende Empfehlungen zur Prävention, Diagnostik und Therapie sexuell übertragbarer Infektionen (STI).
Prävention und Screening
Laut Leitlinie wird ein routinemäßiges Syphilis-Screening für alle schwangeren Frauen beim ersten Vorsorgetermin empfohlen. Bei Schlüsselpopulationen sollte ein regelmäßiges Screening auf Syphilis, Gonorrhö und Chlamydien erfolgen.
Zudem wird die HPV-Impfung für Mädchen im Alter von 9 bis 14 Jahren als primäre Strategie zur Prävention des Zervixkarzinoms hervorgehoben.
Diagnostik
Für die Erreger Chlamydia trachomatis, Neisseria gonorrhoeae, Trichomonas vaginalis und Mycoplasma genitalium gelten Nukleinsäure-Amplifikations-Tests (NAAT) als diagnostischer Goldstandard.
Die Leitlinie empfiehlt folgende diagnostische Ansätze:
-
Einsatz von Erststrahlurin bei Männern sowie Vaginal- oder Zervixabstrichen bei Frauen für NAATs
-
Nutzung von Point-of-Care-Tests (z. B. duale HIV/Syphilis-Schnelltests) zur Ermöglichung einer taggleichen Therapie
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Angebot von Selbstabstrich-Systemen zur Erhöhung der Akzeptanz und Reichweite
Therapie
Es wird eine sofortige Therapie am Tag der Diagnosestellung empfohlen, um Übertragungen zu unterbrechen und Follow-up-Verluste zu minimieren. In ressourcenschwachen Settings ohne Laborkapazitäten ist eine syndromische Behandlung anhand standardisierter Algorithmen indiziert.
Die Leitlinie betont die Wichtigkeit der lokalen Resistenztestung, insbesondere bei Gonorrhö. Bei einer Resistenzrate von über 5 Prozent für das Erstlinienantibiotikum sollte das Therapieschema angepasst werden.
Partnermanagement
Ein strukturiertes Partnermanagement wird für alle diagnostizierten STI-Fälle empfohlen. Dies dient der Prävention von Reinfektionen und der Unterbrechung von Infektionsketten.
Folgende Strategien werden laut Leitlinie unterstützt:
-
Freiwillige und vertrauliche Partnerbenachrichtigung durch die betroffene Person oder das medizinische Personal
-
Angebot von beschleunigter Partnertherapie (Expedited Partner Therapy), sofern national rechtlich zulässig
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Verzicht auf sexuelle Kontakte, bis beide Partner die Therapie abgeschlossen haben und symptomfrei sind
Dosierung
| Indikation | 1. Wahl (Erwachsene) | Alternative / Schwangerschaft |
|---|---|---|
| Frühsyphilis | Benzathin-Penicillin 2,4 Mio. IE i.m. (Einzeldosis) | Schwangerschaft: Benzathin-Penicillin 2,4 Mio. IE i.m. |
| Spätsyphilis | Benzathin-Penicillin 2,4 Mio. IE i.m. (1x wöchentlich für 3 Wochen) | Schwangerschaft: Benzathin-Penicillin 2,4 Mio. IE i.m. (1x wöchentlich für 3 Wochen) |
| Gonorrhö (unkompliziert) | Ceftriaxon 1 g i.m. (Einzeldosis) | Cefixim 800 mg p.o. (Einzeldosis) + Test of Cure |
| Chlamydien | Doxycyclin 100 mg p.o. (2x täglich für 7 Tage) | Schwangerschaft: Azithromycin 1 g p.o. (Einzeldosis) |
| Trichomoniasis | Metronidazol 400/500 mg p.o. (2x täglich für 7 Tage) | Schwangerschaft: Metronidazol 400/500 mg p.o. (2x täglich für 7 Tage) |
| M. genitalium (hohe Makrolidresistenz) | Doxycyclin 100 mg p.o. (2x/Tag, 7 Tage), gefolgt von Moxifloxacin 400 mg p.o. (1x/Tag, 7 Tage) | Schwangerschaft: Pristinamycin 1 g p.o. (4x/Tag, 10 Tage) |
| Genitalherpes (Erstepisode) | Aciclovir 400 mg p.o. (3x täglich für 10 Tage) | Schwangerschaft: Aciclovir 400 mg p.o. (3x täglich für 10 Tage) |
Kontraindikationen
Laut Leitlinie gelten folgende Kontraindikationen und Warnhinweise:
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Doxycyclin ist während der Schwangerschaft und Stillzeit kontraindiziert.
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Tinidazol und Secnidazol dürfen in der Schwangerschaft nicht angewendet werden.
-
Podophyllotoxin zur topischen Behandlung von anogenitalen Warzen ist in der Schwangerschaft kontraindiziert (Kryotherapie ist hier die sicherste Option).
💡Praxis-Tipp
Laut Leitlinie ist bei der syndromischen Behandlung von Ausfluss oder Ulzera eine sofortige empirische Therapie am selben Tag essenziell, um Übertragungsketten frühzeitig zu stoppen. Es wird zudem nachdrücklich darauf hingewiesen, bei einem ausbleibenden Therapieerfolg einer Gonorrhö stets an eine antimikrobielle Resistenz zu denken. In solchen Fällen wird die Anlage einer Kultur zur Resistenztestung sowie ein anschließender Heilungstest (Test of Cure) empfohlen.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt als Erstlinientherapie eine Einzeldosis von 1 g Ceftriaxon intramuskulär. Bei Nichtverfügbarkeit kann alternativ Cefixim eingesetzt werden, wobei dann ein anschließender Heilungstest angeraten wird.
Es wird der Einsatz von Nukleinsäure-Amplifikations-Tests (NAAT) als Goldstandard empfohlen. Als Probenmaterial eignen sich Erststrahlurin bei Männern sowie Vaginal- oder Zervixabstriche bei Frauen.
Die Leitlinie empfiehlt ein routinemäßiges Syphilis-Screening für alle schwangeren Frauen beim ersten Vorsorgetermin. In Hochprävalenzgebieten wird eine wiederholte Testung im dritten Trimenon oder zur Geburt angeraten.
Die Therapie richtet sich laut Leitlinie nach der lokalen Makrolidresistenz. Bei hoher Resistenzrate wird eine sequentielle Therapie aus Doxycyclin gefolgt von Moxifloxacin empfohlen.
Nein, Doxycyclin ist in der Schwangerschaft kontraindiziert. Laut Leitlinie wird stattdessen eine Einzeldosis von 1 g Azithromycin oral empfohlen.
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Quelle: WHO consolidated operational handbook on sexually transmitted infections (WHO, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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