Laufband-Ergometrie: StatPearls Leitlinie
Hintergrund
Die Laufband-Ergometrie ist ein kardiovaskulärer Belastungstest, der körperliche Belastung mit einer Elektrokardiographie (EKG) und Blutdruckmessungen kombiniert. Laut der StatPearls-Leitlinie dient das Verfahren primär der Bestimmung der funktionellen Kapazität sowie der Beurteilung der Wahrscheinlichkeit und des Ausmaßes einer koronaren Herzkrankheit (KHK).
Physiologisch führt die körperliche Belastung zu einer sympathischen Stimulation und einer Vasodilatation der Koronargefäße. Da stenotische Gefäße im Vergleich zu gesunden Gefäßen nicht ausreichend dilatieren, kann durch diesen hyperämischen Effekt eine Ischämie demaskiert werden.
Als Zielwert für eine ausreichende kardiale Belastung wird das Erreichen von 85 Prozent der altersadaptierten maximalen Herzfrequenz (220 minus Lebensalter) angegeben. Bei Patienten, die keine ausreichende körperliche Belastung erbringen können, wird laut Leitlinie der Einsatz pharmakologischer Stressoren empfohlen.
Empfehlungen
Die StatPearls-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Durchführung und Auswertung der Laufband-Ergometrie:
Vorbereitung und Diagnostik
Die Leitlinie empfiehlt die Laufband-Ergometrie als Untersuchung der ersten Wahl bei Patienten mit normalem oder annähernd normalem Ruhe-EKG, die zu einer adäquaten körperlichen Belastung in der Lage sind.
Vor dem Test wird eine Nüchternheit von mindestens drei Stunden empfohlen, um die Belastungskapazität zu maximieren. Zudem wird darauf hingewiesen, dass Medikamente wie Betablocker, Calciumkanalblocker oder Nitrate das Erreichen der maximalen Herzfrequenz oder die Ischämie-Antwort beeinflussen können.
Ein Ruhe-EKG sollte sowohl im Liegen als auch im Stehen abgeleitet werden. Bei signifikanten EKG-Veränderungen im Vorfeld (z. B. Linksschenkelblock, ventrikulärer Schrittmacherrhythmus oder WPW-Syndrom) wird laut Leitlinie eine primäre Bildgebung empfohlen.
Indikationen
Die Leitlinie nennt folgende Hauptindikationen für die Durchführung:
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Symptome, die auf eine myokardiale Ischämie hindeuten
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Akuter Brustschmerz nach Ausschluss eines akuten Koronarsyndroms (ACS)
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Bekannte KHK mit sich verschlechternder Symptomatik
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Beurteilung der Belastungskapazität bei Herzklappenerkrankungen
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Neu diagnostizierte Herzinsuffizienz oder Kardiomyopathie
Durchführung und Abbruchkriterien
Als Standardverfahren wird das Bruce-Protokoll beschrieben, welches die Belastung in dreiminütigen Stufen steigert. Die angestrebte Belastungsdauer liegt bei 6 bis 12 Minuten.
Die Leitlinie definiert absolute Abbruchkriterien, bei denen der Test zwingend beendet werden muss:
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Abfall des systolischen Blutdrucks um mehr als 10 mmHg vom Ausgangswert in Kombination mit Ischämiezeichen
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Mittelschwere bis schwere Angina pectoris
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Zunehmende neurologische Symptome wie Schwindel oder Beinahe-Synkope
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Zeichen einer verminderten Perfusion (Zyanose oder Blässe)
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Anhaltende ventrikuläre Tachykardien oder ST-Hebungen von mehr als 1 mm (außer in V1 oder aVR)
Auswertung und Risikostratifizierung
Zur Risikobewertung wird der Duke Treadmill Score (DTS) herangezogen. Dieser validierte Score nutzt die Belastungszeit, ST-Strecken-Abweichungen und belastungsinduzierte Angina pectoris zur Prognoseabschätzung.
| Risikoklasse | Score-Wert | 5-Jahres-Überleben |
|---|---|---|
| Niedriges Risiko | ≥ 5 | 97 % |
| Intermediäres Risiko | Zwischenwerte | 90 % |
| Hohes Risiko | ≤ -11 | 65 % |
Patienten mit einem intermediären Risiko im Duke-Score sollten gemäß Leitlinie für eine zusätzliche Risikostratifizierung mittels bildgebender Verfahren überwiesen werden.
Kontraindikationen
Die Leitlinie unterteilt die Kontraindikationen in absolute und relative Gegenanzeigen.
Zu den absoluten Kontraindikationen zählen:
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Akuter Myokardinfarkt innerhalb der letzten 2 bis 3 Tage
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Instabile Angina pectoris, die medikamentös nicht stabilisiert ist
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Unkontrollierte kardiale Arrhythmien mit hämodynamischer Beeinträchtigung
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Symptomatische schwere Aortenklappenstenose
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Akute Lungenembolie, Myokarditis, Perikarditis oder Aortendissektion
Relative Kontraindikationen (Abwägung von Nutzen und Risiko) umfassen unter anderem:
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Höhergradige AV-Blöcke
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Schwere Hypertonie (systolisch über 200 mmHg oder diastolisch über 110 mmHg)
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Hauptstammstenose der linken Koronararterie
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Hypertrophe Kardiomyopathie oder andere Ausflusstraktobstruktionen
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie weist nachdrücklich darauf hin, dass das Ruhe-EKG vor Beginn der Belastung sorgfältig auf Veränderungen wie Linksschenkelblöcke, Schrittmacherrhythmen oder ST-Senkungen von mehr als 1 mm geprüft werden sollte. Liegen solche Veränderungen vor, ist die Ergometrie zur Ischämiediagnostik ungeeignet und es wird stattdessen primär ein bildgebendes Verfahren empfohlen.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie wird als Zielwert 85 Prozent der altersadaptierten maximalen Herzfrequenz angestrebt. Diese wird berechnet, indem das Lebensalter des Patienten von 220 abgezogen wird.
Die Leitlinie nennt als absolute Abbruchkriterien unter anderem einen systolischen Blutdruckabfall von mehr als 10 mmHg mit Ischämiezeichen, schwere Angina pectoris sowie ST-Hebungen von mehr als 1 mm. Auch bei neurologischen Ausfällen oder Zyanose wird ein sofortiger Abbruch empfohlen.
Der Duke Treadmill Score ist ein validiertes Bewertungssystem zur Risikostratifizierung nach einem Belastungstest. Er berechnet sich aus der Belastungszeit, den ST-Strecken-Veränderungen und dem Auftreten von Angina pectoris und hilft bei der Abschätzung der 5-Jahres-Mortalität.
Es wird empfohlen, dass Patienten für mindestens drei Stunden vor der Untersuchung weder essen, trinken noch rauchen. Dies dient laut Leitlinie der Maximierung der körperlichen Belastungskapazität.
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Quelle: StatPearls: Treadmill Stress Testing (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.