Kardiale Stress-Bildgebung: StatPearls Leitlinie
Hintergrund
Die StatPearls-Leitlinie zur kardialen Stress-Bildgebung beschreibt nicht-invasive Verfahren zur Beurteilung von koronarer Herzkrankheit (KHK), myokardialer Vitalität und Belastungskapazität. Eine KHK wird angiografisch durch eine Stenose von mindestens 50 bis 70 Prozent definiert.
Die Stresstests dienen nicht der direkten anatomischen Darstellung, sondern dem Nachweis funktioneller Ischämien. Sie werden vor allem bei Personen mit mittlerer Vortestwahrscheinlichkeit für eine KHK eingesetzt, da hier das Ergebnis die höchste diagnostische Aussagekraft besitzt.
Brustschmerzen werden klinisch in typische Angina, atypische Angina und nicht-kardiale Schmerzen unterteilt. Diese Einteilung bildet zusammen mit Alter, Geschlecht und Begleiterkrankungen die Basis für die Risikostratifizierung vor der Testung.
Empfehlungen
Indikationen
Laut Leitlinie wird ein Belastungs-EKG (Exercise Treadmill Test, ETT) als Erstlinienuntersuchung für Personen mit mittlerer Vortestwahrscheinlichkeit empfohlen. Voraussetzung hierfür ist, dass das Ruhe-EKG interpretierbar ist und eine körperliche Belastung möglich ist.
Bei Frauen kommt es beim ETT häufiger zu falsch-positiven und falsch-negativen Ergebnissen, weshalb bei dieser Gruppe ein direkter Übergang zur Bildgebung erwogen wird.
Eine Stress-Bildgebung wird in folgenden Fällen empfohlen:
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Nicht interpretierbares Ruhe-EKG (z. B. Linksschenkelblock, Schrittmacher, Präexzitation)
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Unfähigkeit zur körperlichen Belastung
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Hoher klinischer Verdacht trotz negativem Belastungs-EKG
Wahl der Modalität
Körperliche Belastung wird gegenüber einer pharmakologischen Belastung bevorzugt, da sie zusätzliche prognostische Informationen liefert. Bei Schwangeren wird eine Belastungs-Echokardiografie empfohlen, um Strahlenexposition und pharmakologische Wirkstoffe zu vermeiden.
Die Leitlinie vergleicht die Eigenschaften der bildgebenden Verfahren:
| Modalität | Sensitivität | Spezifität | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|---|---|
| Stress-Echokardiografie | 88 % | 83 % | Keine Strahlung, strukturelle Infos | Zeitkritisch, untersucherabhängig |
| Nukleare Bildgebung (MPI) | 86 % | 74 % | Gut bei Linksschenkelblock | Strahlenexposition, Gewebe-Artefakte |
Interpretation und Risikostratifizierung
Die Leitlinie nutzt den Duke Treadmill Score (DTS) zur prognostischen Bewertung des Belastungs-EKGs. Der Score berechnet sich aus der Belastungszeit, der ST-Strecken-Abweichung und der aufgetretenen Angina.
| Score-Wert | Risikoklasse | 1-Jahres-Mortalität |
|---|---|---|
| >= 5 | Geringes Risiko | 0,25 % |
| -10 bis +4 | Mittleres Risiko | 1,25 % |
| <= -11 | Hohes Risiko | 5,25 % |
Bei einem positiven Stresstest wird eine weitere Evaluation empfohlen. Personen mit hohem Post-Test-Risiko sollten laut Leitlinie einer Koronarangiografie zugeführt werden.
Kontraindikationen
Die Leitlinie nennt folgende absolute Kontraindikationen für eine kardiale Stress-Bildgebung:
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Akuter Myokardinfarkt (MI) oder MI innerhalb der letzten 2 Tage
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Endokarditis, Perikarditis oder Aortendissektion
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Akut dekompensierte Herzinsuffizienz
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Symptomatische, schwere Aortenklappenstenose
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Arrhythmien mit hämodynamischer Instabilität
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Anhaltende, symptomatische instabile Angina pectoris
Spezifische Kontraindikationen für die pharmakologische Belastung mit Dobutamin umfassen eine hypertrophe obstruktive Kardiomyopathie (HOCM) und eine Glaukom-Anamnese.
💡Praxis-Tipp
Bei Personen mit Linksschenkelblock oder rechtsventrikulärer Stimulation wird eine nukleare Myokardperfusionsbildgebung (MPI) mit Vasodilatatoren empfohlen. Eine körperliche Belastung führt bei diesen Personen zu einer physiologischen septalen Hypoperfusion, was häufig falsch-positive Ergebnisse verursacht.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie reicht ein Belastungs-EKG nicht aus, wenn das Ruhe-EKG nicht interpretierbar ist, beispielsweise bei einem Linksschenkelblock oder einer Schrittmacherstimulation. In diesen Fällen wird eine primäre Stress-Bildgebung empfohlen.
Die Leitlinie empfiehlt bei schwangeren Patientinnen eine Belastungs-Echokardiografie. Dadurch werden unnötige Strahlenexpositionen und pharmakologische Belastungen vermieden.
Die maximale Herzfrequenz wird berechnet, indem das Lebensalter der Person von 220 abgezogen wird. Das Ziel des Stresstests ist das Erreichen von 85 Prozent dieses Wertes.
Für die Stress-Echokardiografie wird häufig der Beta-Agonist Dobutamin eingesetzt. Bei der nuklearen Myokardperfusionsbildgebung (MPI) kommt laut Leitlinie meist der Vasodilatator Regadenoson zur Anwendung.
Ein Perfusionsdefizit, das sowohl in Ruhe als auch unter Belastung auftritt, wird als fixes Defizit bezeichnet. Es deutet auf Narbengewebe hin, das wahrscheinlich durch einen früheren Myokardinfarkt entstanden ist.
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Quelle: StatPearls: Cardiac Stress Imaging (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.