Psychogene nicht-epileptische Anfälle (PNES): StatPearls
Hintergrund
Psychogene nicht-epileptische Anfälle (PNES) sind paroxysmale Ereignisse, die epileptischen Anfällen ähneln. Sie werden jedoch nicht durch abnormale, exzessive synchrone kortikale EEG-Aktivität verursacht.
Laut der StatPearls-Leitlinie wird die Ätiologie zunehmend als komplexes Netzwerkmodell verstanden. Dieses umfasst genetische Faktoren, emotionale Dysregulation, abnormale sensomotorische Verarbeitung und Stressreaktionen.
PNES sind klinisch hochrelevant und machen etwa 20 bis 40 Prozent der Aufnahmen in Epilepsie-Monitoring-Einheiten aus. Eine korrekte und frühzeitige Diagnosestellung ist entscheidend, um jahrelange Fehlbehandlungen zu vermeiden.
Empfehlungen
Diagnostik
Die Leitlinie empfiehlt als Goldstandard die Video-EEG-Überwachung während eines typischen Anfalls. Das Fehlen einer epileptiformen Korrelation im EEG bei gleichzeitiger klinischer Symptomatik sichert die Diagnose.
Von einer alleinigen Diagnosestellung anhand der Anamnese oder Beobachtung wird abgeraten. Es gibt kein einzelnes pathognomonisches Zeichen, das PNES zuverlässig von epileptischen Anfällen unterscheidet.
Laboruntersuchungen wie Prolaktin oder Laktat haben laut Leitlinie nur einen sehr begrenzten diagnostischen Nutzen. Ein normaler Prolaktinspiegel schließt einen epileptischen Anfall nicht aus und bestätigt kein PNES.
Klinische Differenzierung
Obwohl die klinische Beobachtung das Video-EEG nicht ersetzt, nennt die Leitlinie Merkmale, die bei der Unterscheidung helfen können:
| Merkmal | Eher typisch für PNES | Eher typisch für Epilepsie |
|---|---|---|
| Augen während des Anfalls | Häufig geschlossen | Häufig geöffnet |
| Extremitätenbewegungen | Asynchron | Synchron (klonisch) |
| Auslöser | Emotionale Stressoren, Licht | Verpasste Medikamenteneinnahme |
| Begleitsymptome | Prä-/postiktale Kopfschmerzen | Postiktale Verwirrtheit |
Therapie und Management
Die empathische Vermittlung der Diagnose ist der wichtigste erste therapeutische Schritt. Es wird empfohlen, dem Betroffenen zu versichern, dass die Anfälle real sind und keine Simulation darstellen.
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Behandlung:
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Absetzen von Antiepileptika (ASMs): Sofern keine begleitende Epilepsie oder andere Indikation vorliegt, sollten diese Medikamente ausgeschlichen werden.
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Kognitive Verhaltenstherapie (CBT): Diese stellt die wirksamste evidenzbasierte Behandlungsform dar.
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Multidisziplinäre Betreuung: Eine enge Zusammenarbeit von Neurologen, Psychiatern und Psychotherapeuten wird dringend empfohlen.
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Behandlung von Komorbiditäten: Begleiterkrankungen wie Depressionen oder posttraumatische Belastungsstörungen müssen eigenständig therapiert werden.
Kontraindikationen
Die Leitlinie warnt ausdrücklich vor der fortgesetzten Gabe von Antiepileptika (ASMs) nach gesicherter PNES-Diagnose, da dies mit schlechteren klinischen Verläufen assoziiert ist.
Zudem wird vor der irrtümlichen Behandlung eines vermeintlichen Status epilepticus gewarnt. Die Gabe massiver Dosen von Antiepileptika kann zu Bewusstseinsstörungen, Atemversagen und unnötigen endotrachealen Intubationen mit iatrogenen Komplikationen führen.
Der Einsatz von Schmerzreizen (z. B. Sternalstreichen) oder Ammoniak-Kapseln zur Überprüfung der Reaktionsfähigkeit wird strikt abgelehnt.
💡Praxis-Tipp
Ein zentraler Hinweis der Leitlinie ist die korrekte Kommunikation der Diagnose. Es wird betont, dass Menschen mit psychogenen nicht-epileptischen Anfällen unter unwillkürlichen Ereignissen leiden und nicht simulieren. Eine ungeschickte Aufklärung, die das Gefühl vermittelt, die Anfälle seien "nur eingebildet", kann zu Wut führen und die Symptomatik weiter verschlechtern.
Häufig gestellte Fragen
Laut StatPearls-Leitlinie ist die Video-EEG-Überwachung der Goldstandard. Dabei wird ein typischer Anfall aufgezeichnet, um das Fehlen von epileptiformen EEG-Veränderungen nachzuweisen.
Die Leitlinie stellt klar, dass Antiepileptika bei reinen psychogenen Anfällen wirkungslos sind. Sie sollten nach gesicherter Diagnose abgesetzt werden, um Nebenwirkungen zu vermeiden.
Ja, die Leitlinie weist darauf hin, dass psychogene nicht-epileptische Anfälle und eine echte Epilepsie bei ein und derselben Person koexistieren können. Dies macht die Diagnostik in spezialisierten Epilepsie-Zentren besonders wichtig.
Als wirksamste Behandlungsmethode wird die kognitive Verhaltenstherapie (CBT) empfohlen. Diese kann laut Leitlinie die Anfallsfrequenz deutlich reduzieren und die Lebensqualität verbessern.
Es wird darauf hingewiesen, dass Laborwerte wie Prolaktin oder Laktat nur einen sehr begrenzten Nutzen haben. Ein normaler Prolaktinspiegel schließt weder eine Epilepsie aus, noch bestätigt er ein PNES.
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Quelle: StatPearls: Psychogenic Nonepileptic Seizures (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.