Hinteres Kreuzband (HKB) Ruptur: StatPearls Leitlinie
Hintergrund
Das hintere Kreuzband (HKB) ist eines der vier Hauptbänder des Kniegelenks und verhindert die posteriore Translation der Tibia gegenüber dem Femur. Es ist dicker und stärker als das vordere Kreuzband (VKB) und wird daher seltener verletzt.
Zu den häufigsten Verletzungsmechanismen zählen sogenannte "Dashboard-Verletzungen" (Anpralltrauma des flektierten Knies am Armaturenbrett bei Autounfällen) sowie Stürze auf das gebeugte Knie. Sportverletzungen, insbesondere bei Fußball, Skifahren und Baseball, stellen eine weitere häufige Ursache dar.
Die StatPearls-Leitlinie bietet einen umfassenden Überblick über die Diagnostik, Klassifikation und das Management von HKB-Verletzungen. Sie beleuchtet sowohl konservative als auch operative Behandlungsstrategien sowie die anschließende Rehabilitation.
Empfehlungen
Die StatPearls-Leitlinie formuliert folgende Kernaspekte zur Behandlung von Verletzungen des hinteren Kreuzbandes (HKB):
Diagnostik
Bei Verdacht auf eine HKB-Verletzung wird eine gründliche klinische Untersuchung empfohlen. Als genauester Test gilt laut Leitlinie der Posterior Drawer Test (hintere Schublade).
Zusätzlich werden der Sag-Test, der Quadriceps-Active-Test sowie der Dial-Test zur Erkennung kombinierter Verletzungen beschrieben.
Als initiale Bildgebung werden Röntgenaufnahmen (inklusive 45-Grad-Flexion unter Belastung) empfohlen. Das MRT gilt als Goldstandard zur Beurteilung der HKB-Verletzung und begleitender Schäden.
Klassifikation
Die Leitlinie teilt HKB-Verletzungen anhand der posterioren tibialen Translation in drei Schweregrade ein:
| Grad | Posteriore Translation | Klinischer Befund |
|---|---|---|
| Grad I | 1-5 mm | Partielle Ruptur, Tibia bleibt anterior der Femurkondylen |
| Grad II | 6-10 mm | Komplette isolierte Ruptur, Tibia bündig mit Femurkondylen |
| Grad III | > 10 mm | Komplette Ruptur, Verdacht auf kombinierte Kapsel-Band-Verletzung |
Konservative Therapie
Eine nicht-operative Behandlung ist bei akuten, isolierten Verletzungen des Grades I und II indiziert. Auch Personen mit Grad-III-Verletzungen, die nur milde Symptome aufweisen, können konservativ behandelt werden.
Die initiale Therapie umfasst RICE (Ruhe, Eis, Kompression, Hochlagern) und die Anlage einer Knieorthese zur Kontrolle der posterioren Translation.
Es wird eine frühzeitige Rehabilitation mit Fokus auf die Stärkung der Knieextensoren (Quadrizeps) empfohlen. Bei Grad-III-Verletzungen wird eine vierwöchige Immobilisation mit anschließender Rehabilitation beschrieben.
Operative Therapie
Eine chirurgische Intervention wird bei akuten Verletzungen mit einer tibialen Translation von über 12 mm, begleitenden reparierbaren Meniskusrissen oder knöchernen Ausrissen empfohlen. Auch kombinierte Kapsel-Band-Verletzungen stellen eine Operationsindikation dar.
Bei chronischen Verletzungen ist eine Operation bei einer Translation von über 8 mm, bestehender Instabilität oder Symptomen beim Abbremsen indiziert.
Als Techniken werden arthroskopische Verfahren (Single- oder Double-Bundle) beschrieben. Bei chronischer HKB-Insuffizienz mit Varusfehlstellung wird eine hohe tibiale Osteotomie (HTO) zur Korrektur der mechanischen Achse empfohlen.
Rehabilitation
Die Leitlinie betont die Wichtigkeit einer progressiven Belastungssteigerung und Bewegungsübungen.
Es wird ein 5-Phasen-Programm beschrieben, das mit einer Orthesenversorgung beginnt und schrittweise zur sportlichen Aktivität zurückführt.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt davor, in der frühen Rehabilitationsphase Kräftigungsübungen der Ischiokruralmuskulatur (Hamstrings) gegen Widerstand durchzuführen. Dies wird empfohlen, um eine posteriore Subluxation der Tibia zu vermeiden; stattdessen sollte der Fokus auf einer frühzeitigen Stärkung des Quadrizeps liegen.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie ist der Posterior Drawer Test (hintere Schublade) der genaueste Test zur Beurteilung der Integrität des hinteren Kreuzbandes. Er wird bei 90 Grad Knieflexion durchgeführt.
Eine konservative Behandlung wird für akute, isolierte Verletzungen der Grade I und II sowie für leicht symptomatische Grad-III-Verletzungen mit geringem sportlichen Anspruch empfohlen. Die Therapie stützt sich auf Orthesenversorgung und Physiotherapie.
Das MRT wird als Goldstandard für die Beurteilung von HKB-Verletzungen beschrieben. Es weist eine Genauigkeit von 96 bis 100 Prozent auf und stellt Begleitverletzungen zuverlässig dar.
Eine Operation wird unter anderem bei akuten Verletzungen mit einer tibialen Translation von über 12 mm, knöchernen Ausrissen, Knieluxationen oder kombinierten Bandverletzungen empfohlen. Auch symptomatische chronische Instabilitäten stellen eine Indikation dar.
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Quelle: StatPearls: Posterior Cruciate Ligament Knee Injuries (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.