Hinteres Kreuzband (PCL): StatPearls Leitlinie
Hintergrund
Das hintere Kreuzband (Posterior Cruciate Ligament, PCL) ist das größte und stärkste Band des Kniegelenks. Es dient primär dazu, eine posteriore Translation der Tibia im Verhältnis zum Femur zu verhindern.
Zusammen mit dem vorderen Kreuzband (ACL) fungiert es als statischer Stabilisator, der das Kniegelenk über den gesamten Bewegungsradius zusammenhält. Verletzungen des PCL treten selten isoliert auf und sind häufig mit Schäden an anderen Kniebändern vergesellschaftet.
Klassischerweise entsteht eine PCL-Läsion durch ein sogenanntes "Dashboard-Trauma" (Armaturenbrett-Verletzung) bei Autounfällen. Dabei wirkt eine nach posterior gerichtete Kraft auf die proximale Tibia bei gebeugtem Knie ein.
Empfehlungen
Die StatPearls-Leitlinie liefert detaillierte Beschreibungen zur Anatomie, Diagnostik und Behandlung von Verletzungen des hinteren Kreuzbandes.
Anatomie und Biomechanik
Das PCL besteht aus zwei Faserbündeln, die sich in ihrer Funktion während der Kniebewegung ergänzen. Laut Leitlinie wird die Anatomie wie folgt unterschieden:
| Bündel | Größe | Spannung bei Flexion | Spannung bei Extension |
|---|---|---|---|
| Anterolaterales Bündel (ALB) | Größer | Gespannt | Entspannt |
| Posteromediales Bündel (PMB) | Kleiner | Entspannt | Gespannt |
Neuere biomechanische Studien zeigen, dass beide Bündel gemeinsam die posteriore Tibiatranslation hemmen. Zudem fungiert das PCL als sekundärer Stabilisator gegen Innen- und Außenrotation, insbesondere bei einer Flexion von 90 bis 120 Grad.
Klinische Diagnostik
Für die klinische Untersuchung wird der hintere Schubladentest (Posterior Drawer Test) als wichtigstes Instrument empfohlen. Die Durchführung erfolgt in Rückenlage bei 45 Grad Hüftbeugung und 90 Grad Kniebeugung.
Dabei wird auf folgende Parameter geachtet:
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Eine posteriore Tibiatranslation von 3 mm oder mehr gilt als positiver Befund für eine PCL-Verletzung.
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Eine Translation von mehr als 10 mm deutet auf ein zusätzliches Trauma der posterolateralen Ecke (PLC) hin.
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Der Test weist eine Sensitivität von 90 % und eine Spezifität von 99 % auf.
Konservatives Management
Bei isolierten PCL-Verletzungen wird primär ein nicht-operatives Vorgehen empfohlen. Die Rehabilitation fokussiert sich auf die Reduktion des Gelenkergusses, die Wiederherstellung des Bewegungsumfangs und den Muskelaufbau.
Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Kräftigung der Quadrizepsmuskulatur. Bei leichten Rissen ist laut Leitlinie eine Rückkehr zur vollen Aktivität innerhalb von zwei bis vier Wochen möglich.
Operative Therapie
Eine chirurgische Intervention wird bei spezifischen Indikationen empfohlen. Dazu zählen:
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Akute isolierte Verletzungen mit schwerer posteriorer Subluxation und Instabilität.
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Begleitverletzungen anderer Kniebänder (Operation innerhalb von zwei Wochen empfohlen).
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Isolierte partielle femorale Ausrissfrakturen des PCL.
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Versagen der konservativen Therapie oder zunehmende osteoarthritische Veränderungen.
Als häufigste Komplikation nach einer Operation wird eine verbleibende Restlaxität (residual laxity) beschrieben. Diese kann durch eine nicht diagnostizierte Begleitverletzung verursacht werden.
💡Praxis-Tipp
Bei isolierten PCL-Verletzungen berichten Betroffene im Gegensatz zu ACL-Rissen selten über ein hörbares Knacken oder Reißgefühl zum Unfallzeitpunkt. Es wird darauf hingewiesen, dass die Symptome oft vage bleiben und keine grobe Instabilität wahrgenommen wird, was die sorgfältige klinische Diagnostik mittels hinterem Schubladentest umso wichtiger macht.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie erfolgt der Test in Rückenlage bei 45 Grad Hüft- und 90 Grad Kniebeugung. Der Fuß muss flach auf der Untersuchungsliege stehen, um die Spannung der posterolateralen Strukturen zu minimieren und falsch-negative Ergebnisse zu vermeiden.
Eine Operation wird bei akuten Verletzungen mit schwerer Instabilität, knöchernen Ausrissfrakturen oder bei Begleitverletzungen anderer Kniebänder empfohlen. Bei isolierten, unkomplizierten Rissen wird primär ein konservativer Ansatz verfolgt.
Für die Rekonstruktion kommen Allografts (am häufigsten die Achillessehne) oder Autografts (häufig Knochen-Patellasehne-Knochen) zum Einsatz. Die Wahl hängt von verschiedenen chirurgischen Faktoren ab, wobei es laut Leitlinie keinen definitiven Goldstandard gibt.
Bei leichten Rissen und konservativer Therapie ist eine Rückkehr zur vollen Aktivität oft schon nach zwei bis vier Wochen möglich. Schwerere Verletzungen erfordern eine längere Immobilisation und Rehabilitation, wobei eine volle Belastbarkeit meist nach etwa drei Monaten erreicht wird.
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Quelle: StatPearls: Anatomy, Bony Pelvis and Lower Limb: Knee Posterior Cruciate Ligament (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.