N-Acetylcystein (NAC) bei Paracetamol-Intoxikation: StatPearls
Hintergrund
Der vorliegende Text von StatPearls beschreibt den klinischen Einsatz von N-Acetylcystein (NAC). NAC ist die primäre Therapie bei einer Paracetamol-Intoxikation und ist bei einer Gabe innerhalb von 8 Stunden nach Ingestion nahezu zu 100 % wirksam.
Der Wirkmechanismus bei einer Paracetamol-Überdosierung beruht auf der Wiederauffüllung der Glutathionspeicher in der Leber. NAC liefert das essenzielle Vorläufermolekül Cystein, bindet toxische Metaboliten und fängt freie Radikale ab.
Neben der Behandlung von Intoxikationen ist NAC als Mukolytikum bei Erkrankungen mit zäher Schleimbildung zugelassen. Dazu gehören unter anderem Pneumonie, Bronchitis, Mukoviszidose und die postoperative Lungenpflege.
Empfehlungen
Der Text formuliert folgende Kernempfehlungen für den Einsatz von N-Acetylcystein:
Diagnostik und Indikationsstellung
Die Entscheidung zur NAC-Gabe bei Paracetamol-Intoxikation basiert laut Text auf der Anamnese, der körperlichen Untersuchung sowie den Serum-Paracetamol- und Transaminasen-Spiegeln.
Es wird die Nutzung des Rumack-Mathew-Nomogramms zur Risikobewertung bei einmaliger akuter Ingestion empfohlen. Liegt der Einnahmezeitpunkt weniger als 4 Stunden zurück, wird ein 4-Stunden-Wert bestimmt und im Nomogramm aufgetragen.
Bei Werten oberhalb der Behandlungslinie wird der Beginn einer NAC-Therapie empfohlen. Ist die Dosis unklar oder sind mehr als 24 Stunden vergangen, wird die Gabe der ersten NAC-Dosis sowie die Bestimmung der Laborwerte angeraten.
Therapie der Paracetamol-Intoxikation
Der Text gibt an, dass sowohl die intravenöse (IV) als auch die orale Verabreichung bei der Prävention und Behandlung der Toxizität gleichermaßen wirksam sind. Die IV-Gabe wird bei manifestem Leberversagen oder bei Patienten mit unstillbarem Erbrechen bevorzugt.
Die Therapie sollte fortgesetzt werden, bis folgende Kriterien erfüllt sind:
-
Paracetamol-Spiegel sind nicht mehr nachweisbar
-
Transaminasen sind normal oder rückläufig (AST < 1000 U/L)
-
PT/INR ist annähernd normal
-
Eine eventuelle Enzephalopathie ist abgeklungen
Pulmonale Indikationen
Bei Patienten mit mittelschwerer bis schwerer COPD und mindestens zwei Exazerbationen in den letzten zwei Jahren wird eine orale NAC-Therapie zur Prävention empfohlen. Vor der Vernebelung von Acetylcystein wird die Gabe eines Bronchodilatators etwa 10 bis 15 Minuten im Voraus angeraten.
Monitoring
Während der IV-Gabe wird eine engmaschige Überwachung auf anaphylaktoide Reaktionen empfohlen. Bei einer Paracetamol-Intoxikation wird die Kontrolle der Plasma- oder Serumkonzentration nach der Initialdosis und nach der letzten Erhaltungsdosis angeraten.
Zudem wird die Überwachung von Leberfunktionswerten (ALT, AST, Bilirubin, Prothrombinzeit) und Nierenparametern vor und während der Therapie empfohlen.
Dosierung
21-Stunden-IV-Protokoll (Paracetamol-Intoxikation)
| Dosisstufe | Dosierung | Trägerlösung | Infusionsdauer |
|---|---|---|---|
| Initialdosis (Loading Dose) | 150 mg/kg (max. 15 g) | 200 ml 5% Glukose | 60 Minuten |
| Zweite Dosis (Erhaltung) | 50 mg/kg (max. 5 g) | 500 ml 5% Glukose | 4 Stunden (12,5 mg/kg/h) |
| Dritte Dosis | 100 mg/kg (max. 10 g) | 1000 ml 5% Glukose | 16 Stunden (6,25 mg/kg/h) |
72-Stunden-Oral-Protokoll (Paracetamol-Intoxikation)
| Dosisstufe | Dosierung | Intervall | Gesamtdauer/Dosen |
|---|---|---|---|
| Initialdosis | 140 mg/kg | Einmalig | - |
| Erhaltungsdosen | 70 mg/kg | Alle 4 Stunden | 17 weitere Dosen |
Pulmonale Anwendung
| Applikationsweg | Dosierung | Häufigkeit |
|---|---|---|
| Vernebelung (Gesichtsmaske/Mundstück) | 3-5 ml (20%ige Lsg.) oder 6-10 ml (10%ige Lsg.) | 3-4 mal täglich |
| Direkte Instillation | 1-2 ml (10-20%ige Lsg.) | Bis zu stündlich |
| Tracheostoma-Pflege | 1-2 ml (10-20%ige Lsg.) | Alle 1-4 Stunden |
Kontraindikationen
Bei Patienten mit einer Neigung zu Volumenüberladung (z. B. Kardiomyopathie oder Herzinsuffizienz) muss das Volumen der Trägerlösung bei der IV-Gabe sorgfältig titriert werden, um Komplikationen wie Hyponatriämie und Krampfanfälle zu vermeiden.
Eine vorsichtige Anwendung der NAC-Infusion wird bei Patienten mit einer Vorgeschichte von Bronchospasmen oder Asthma empfohlen. Bei Auftreten einer schweren anaphylaktoiden Reaktion sollte die Infusion gestoppt werden, bis die Symptome adäquat behandelt sind.
💡Praxis-Tipp
Laut StatPearls treten anaphylaktoide Reaktionen bei der intravenösen NAC-Gabe paradoxerweise häufiger bei niedrigen Paracetamol-Spiegeln auf als bei hohen. Bei Auftreten einer solchen Reaktion wird ein sofortiger Stopp der Infusion, die Gabe von Antihistaminika und nach Abklingen der Symptome eine Fortsetzung mit reduzierter Infusionsrate empfohlen.
Häufig gestellte Fragen
Laut StatPearls ist N-Acetylcystein nahezu zu 100 % wirksam, wenn es innerhalb von 8 Stunden nach der Ingestion verabreicht wird.
Bei bis zu 18 % der Patienten können ratenabhängige anaphylaktoide Reaktionen auftreten. Diese sind meist leicht bis mittelschwer und äußern sich unter anderem durch Hautrötungen.
Ja, die intravenöse Gabe von NAC kann zu einem fälschlichen Anstieg der INR führen, der sich nach Infusionsende normalisiert. Zudem kann es falsch-positive Ergebnisse für Urinketone verursachen.
Die orale Gabe kann bei bis zu 33 % der Patienten Erbrechen auslösen. Es wird empfohlen, die Lösung auf 5 % zu verdünnen und mit einem Erfrischungsgetränk oder Saft zu mischen, um den Geschmack zu verbessern.
Bei chronischer Nierenerkrankung gilt NAC als sicher. Auch bei schwerer Leberinsuffizienz gibt es laut Text keine Evidenz, die eine Dosisreduktion von Acetylcystein unterstützt.
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Quelle: StatPearls: N-Acetylcysteine (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.