Tränenwegsstenose (Dacryostenosis): StatPearls Leitlinie
Hintergrund
Die Dacryostenosis (Tränenwegsstenose) ist eine angeborene oder erworbene Verengung des Tränen-Nasen-Gangs, die zu Epiphora (tränenden Augen) führt. Die angeborene Form betrifft etwa 6 % aller Säuglinge und entsteht durch eine fehlerhafte Kanalisation des Tränenwegssystems im Mutterleib.
Die erworbene Form wird in primäre und sekundäre Ursachen unterteilt. Die primär erworbene Obstruktion tritt häufiger bei Frauen über 40 Jahren auf und wird mit altersbedingten, hormonellen oder osteoporotischen Veränderungen in Verbindung gebracht.
Sekundäre Ursachen umfassen Infektionen, Entzündungen, Neoplasien, Traumata oder mechanische Hindernisse. Unbehandelt kann die Erkrankung zu rezidivierenden Infektionen, präseptaler oder orbitaler Zellulitis bis hin zu schwerwiegenden Komplikationen wie Meningitis führen.
Empfehlungen
Die StatPearls-Leitlinie formuliert folgende Kernaspekte zur Einteilung, Diagnostik und Therapie:
Klassifikation der erworbenen Form
Die erworbene Dacryostenosis wird basierend auf ihrer Ätiologie in zwei Hauptkategorien unterteilt:
| Klassifikation | Beschreibung | Häufige Ursachen |
|---|---|---|
| Primär erworben (PANDO) | Anatomische Verengung, häufig bei Frauen über 40 Jahren | Entzündung, Fibrose, Schleimhautödem, altersbedingte Stenose |
| Sekundär erworben (SANDO) | Obstruktion durch spezifische pathologische Prozesse | Infektionen, Neoplasien, Traumata, mechanische Hindernisse |
Diagnostik
Die Diagnose wird in der Regel klinisch anhand von Anamnese und körperlicher Untersuchung gestellt. Bei Unklarheiten werden spezifische diagnostische Tests empfohlen.
Zu den empfohlenen diagnostischen Verfahren gehören:
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Fluorescein-Farbstoff-Verschwindetest (FDDT) zur Prüfung des Tränenabflusses
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Tränenwegsspülung zur Lokalisierung der Obstruktion
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Schirmer-Test und Tränenfilmaufreißzeit zur Beurteilung der Tränenproduktion
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Bildgebende Verfahren (Dacryocystographie, MRT) bei Verdacht auf Tumoren oder komplexe anatomische Veränderungen
Eine routinemäßige Untersuchung mittels CT wird aufgrund der Strahlenbelastung nicht empfohlen.
Konservative Therapie bei Säuglingen
Bei der angeborenen Form wird als Erstlinientherapie eine konservative Behandlung empfohlen, da sich die Symptome bei fast 90 % der Säuglinge innerhalb des ersten Lebensjahres zurückbilden.
Die Leitlinie empfiehlt die Durchführung der Crigler-Massage:
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Mäßiger Druck nach unten über dem Tränensack
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Anwendung 2- bis 3-mal täglich
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Gegebenenfalls Ergänzung durch eine antibakterielle Salbe zur Infektionsprophylaxe
Operative Therapie bei Säuglingen
Wenn die Symptome über das Alter von 6 bis 10 Monaten hinaus bestehen, wird eine Überweisung an einen Augenarzt zur weiteren Evaluation und möglichen Sondierung der Tränenwege empfohlen.
Bei persistierender Obstruktion über 6 bis 12 Monate stehen folgende operative Optionen zur Verfügung:
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Tränenwegssondierung (mit oder ohne Allgemeinanästhesie, abhängig vom Alter)
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Nasolakrimale Intubation mit einem Silikonstent bei erfolgloser Sondierung
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Ballondakryoplastie bei inkompletter Obstruktion oder nach frustraner Sondierung
Operative Therapie bei Erwachsenen
Bei der erworbenen Dacryostenosis im Erwachsenenalter ist eine spontane Rückbildung selten, weshalb in der Regel chirurgische Eingriffe erforderlich sind.
Als Standardverfahren wird die Dacryocystorhinostomie (DCR) empfohlen, um eine neue Verbindung zwischen Tränensack und Nasenhöhle zu schaffen. Bei schweren proximalen anatomischen Anomalien wird eine Conjunctivodacryocystorhinostomie mit Einlage eines Jones-Röhrchens empfohlen.
Kontraindikationen
Die Leitlinie rät von einem routinemäßigen CT-Screening zur Beurteilung der Tränenwege ab, da dies mit unnötigen Strahlenrisiken verbunden ist. Ein CT sollte speziellen Fragestellungen wie dem Ausschluss von Tumoren oder pathologischen Nasennebenhöhlenveränderungen vorbehalten bleiben.
💡Praxis-Tipp
Ein entscheidender Hinweis der Leitlinie ist die Beachtung von Warnsignalen bei Säuglingen mit tränenden Augen. Wenn neben der Epiphora auch Erytheme, eitriger Ausfluss, Lichtscheu, Hornhauttrübungen oder asymmetrische Hornhautdurchmesser auftreten, wird dringend empfohlen, alternative Diagnosen auszuschließen. Zu diesen potenziell bedrohlichen Differenzialdiagnosen zählen das angeborene Glaukom oder eine akute Dacryocystitis.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie wird eine Überweisung an einen Augenarzt empfohlen, wenn die Symptome einer Tränenwegsstenose trotz konservativer Maßnahmen über das Alter von 6 bis 10 Monaten hinaus bestehen bleiben. Der Spezialist kann dann eine Tränenwegssondierung in Erwägung ziehen.
Es wird empfohlen, 2- bis 3-mal täglich einen mäßigen, nach unten gerichteten Druck über dem Tränensack auszuüben. Diese Maßnahme erhöht den hydrostatischen Druck und hilft, die angeborene Blockade zu lösen.
Die Leitlinie nennt den Fluorescein-Farbstoff-Verschwindetest (FDDT) als einfache Methode zur Überprüfung des Tränenabflusses. Bei komplexeren Fällen können eine Tränenwegsspülung, eine Dacryocystographie oder bildgebende Verfahren wie ein MRT eingesetzt werden.
Eine spontane Rückbildung der erworbenen Dacryostenosis bei Erwachsenen wird als sehr selten beschrieben. In diesen Fällen ist meist eine chirurgische Intervention wie die Dacryocystorhinostomie (DCR) erforderlich.
Unbehandelt kann die Erkrankung zu chronischer Bindehautentzündung und Dacryocystitis führen. In schweren Fällen warnt die Leitlinie vor Komplikationen wie orbitaler Zellulitis, Meningitis oder Hirnabszessen.
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Quelle: StatPearls: Dacryostenosis (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.