Akute Cholangitis: StatPearls Leitlinie
Hintergrund
Die akute Cholangitis ist eine lebensbedrohliche bakterielle Infektion der Gallenwege. Sie entsteht in der Regel durch eine Kombination aus einer biliären Obstruktion und einer aszendierenden bakteriellen Besiedlung.
Die häufigste Ursache für die Obstruktion ist die Choledocholithiasis. Weitere Auslöser können benigne oder maligne Strikturen, Tumore, Parasiten oder blockierte Gallenstents sein.
Durch den gestörten Gallenabfluss steigt der intrabiliäre Druck. Dies führt laut Leitlinie zu einer Einschwemmung von Bakterien und Endotoxinen in das vaskuläre und lymphatische System, was unbehandelt in einen septischen Schock münden kann.
Empfehlungen
Die StatPearls-Leitlinie gliedert die Empfehlungen zur akuten Cholangitis in diagnostische und therapeutische Maßnahmen.
Klinische und laborchemische Diagnostik
Die klassische Charcot-Trias (Fieber, rechtsseitiger Oberbauchschmerz, Ikterus) weist eine hohe Spezifität, aber eine geringe Sensitivität auf. Die Leitlinie empfiehlt stattdessen die Anwendung der Tokyo-Leitlinien (2018), da diese eine deutlich höhere Sensitivität besitzen.
Zur laborchemischen Aufarbeitung wird die Bestimmung folgender Parameter empfohlen:
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Blutbild und Entzündungsmarker (C-reaktives Protein)
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Leberwerte (insbesondere Bilirubin, Alkalische Phosphatase und Gamma-GT)
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Blutkulturen vor Beginn der Antibiotikatherapie
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Gerinnungsprofil und Lipase
Bildgebende Diagnostik
Die Leitlinie bewertet verschiedene bildgebende Verfahren je nach klinischer Fragestellung unterschiedlich:
| Bildgebendes Verfahren | Stellenwert laut Leitlinie | Vorteile und Befunde |
|---|---|---|
| Abdomen-Sonografie | Bildgebung der ersten Wahl | Zeigt verdickte Gallengangswände und Dilatationen; grenzt intra- von extrahepatischer Obstruktion ab. |
| Computertomografie (CT) | Ergänzende Diagnostik | Hilfreich bei der Suche nach Komplikationen (z. B. Leberabszess) oder Differenzialdiagnosen. |
| MRCP | Sensitivste Methode für Steine | Nicht-invasive Detektion von Choledocholithiasis, Strikturen und dem genauen Obstruktionsniveau. |
| ERCP | Diagnostischer und therapeutischer Goldstandard | Ermöglicht die direkte Darstellung, Probenentnahme und sofortige biliäre Dekompression. |
Initiale Therapie und Stabilisierung
Bei Verdacht auf eine akute Cholangitis wird eine sofortige Beurteilung der Vitalparameter (ABC-Schema) sowie eine aggressive intravenöse Flüssigkeitssubstitution empfohlen.
Zudem wird der frühzeitige Beginn einer intravenösen Antibiotikatherapie gefordert. Es wird empfohlen, Wirkstoffe zu wählen, die hohe biliäre Konzentrationen erreichen, wie beispielsweise Fluorchinolone, Breitspektrum-Penicilline oder Carbapeneme.
Biliäre Dekompression
Die kausale Therapie besteht in der Beseitigung der Obstruktion. Bei leichten Verläufen kann zunächst das Ansprechen auf die medikamentöse Therapie abgewartet werden.
Bei schweren Verläufen mit Sepsis oder fehlendem Ansprechen auf Antibiotika wird eine sofortige biliäre Dekompression empfohlen. Die ERCP gilt hierbei als Goldstandard.
Alternativ können laut Leitlinie eine perkutane transhepatische Cholangiografie (PTC), eine endosonografisch gesteuerte Drainage oder in Ausnahmefällen eine chirurgische Intervention erwogen werden.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt davor, sich bei der Diagnosestellung ausschließlich auf die klassische Charcot-Trias zu verlassen, da diese nur bei einem Bruchteil der Betroffenen vollständig vorliegt. Es wird betont, dass die Diagnose bei schweren septischen Verläufen in bis zu 25 Prozent der Fälle übersehen wird, weshalb bei unklaren Sepsis-Zeichen stets an eine biliäre Ursache gedacht werden sollte.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie werden für die Diagnose die Tokyo-Kriterien (2018) herangezogen. Diese umfassen systemische Entzündungszeichen, abnormale Leberwerte sowie den bildgebenden Nachweis einer biliären Dilatation oder einer zugrundeliegenden Ätiologie.
Die Abdomen-Sonografie wird als primäres bildgebendes Verfahren empfohlen. Sie dient der Beurteilung der Gallenblase und dem Nachweis einer Gallengangsdilatation, schließt aber bei unauffälligem Befund eine Cholangitis nicht sicher aus.
Bei schweren Verläufen mit Sepsis oder hämodynamischer Instabilität wird eine sofortige biliäre Dekompression mittels ERCP empfohlen. Bei milden Verläufen kann laut Leitlinie zunächst das Ansprechen auf eine konservative Antibiotikatherapie abgewartet werden.
Die Leitlinie nennt gramnegative und anaerobe Bakterien als häufigste Auslöser. Zu den primären Pathogenen gehören Escherichia coli, Klebsiella, Enterobacter, Pseudomonas und Citrobacter.
Ohne rechtzeitige Behandlung wird die Mortalitätsrate auf bis zu 50 Prozent geschätzt. Durch eine frühzeitige biliäre Drainage sinkt die Letalität laut Leitlinie auf unter 10 Prozent.
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Quelle: StatPearls: Cholangitis (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.