Boutonneuse-Fieber: StatPearls
Hintergrund
Das Boutonneuse-Fieber (Mittelmeer-Fleckfieber) ist eine durch Rickettsia conorii verursachte Infektionskrankheit. Der Erreger ist ein gramnegatives, obligat intrazelluläres Bakterium, das durch den Biss der Braunen Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus) übertragen wird.
Die Erkrankung ist vor allem im Mittelmeerraum, in Subsahara-Afrika, Indien sowie in Regionen rund um das Schwarze Meer endemisch. Die Inkubationszeit beträgt in der Regel fünf bis sieben Tage nach dem Zeckenstich.
Klassische Symptome umfassen Fieber, grippeähnliche Beschwerden und ein makulopapulöses Exanthem, das sich auf Handflächen und Fußsohlen ausbreitet. Ein charakteristisches klinisches Zeichen ist die "Tache noire", ein schwarzer Schorf an der Bissstelle.
Empfehlungen
Die StatPearls-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zum Boutonneuse-Fieber:
Diagnostik
Die Diagnose wird primär klinisch anhand der Symptomatik und einer positiven Reiseanamnese in Endemiegebiete gestellt. Es wird betont, dass die Therapieentscheidung nicht von laborchemischen Bestätigungen abhängig gemacht werden darf.
Zur Diagnosesicherung nennt die Leitlinie folgende Methoden:
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Serologische Tests (ELISA, Western Blot) zum Nachweis von IgM- und IgG-Antikörpern, die jedoch erst 10 bis 14 Tage nach Symptombeginn positiv ausfallen
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Polymerase-Kettenreaktion (PCR) für eine speziesspezifische Diagnose
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Bakterienkultur zur Isolierung des Erregers
Laborchemisch können eine relative Linksverschiebung, Leukopenie, Thrombozytopenie, Hyponatriämie sowie erhöhte AST- und LDH-Werte auftreten.
Therapie
Eine frühzeitige antibiotische Therapie ist entscheidend, um den Krankheitsverlauf zu verkürzen und Komplikationen zu vermeiden. Die Leitlinie empfiehlt:
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Doxycyclin als Therapie der ersten Wahl für alle betroffenen Personen, einschließlich Kindern und Schwangeren
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Azithromycin als Zweitlinientherapie bei leichten Verläufen, falls Doxycyclin kontraindiziert ist
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Chloramphenicol bei schweren Krankheitsverläufen oder für schwangere Frauen als Alternative
Komplikationen und Risikofaktoren
Obwohl die Erkrankung meist benigne verläuft, wird auf mögliche schwere Komplikationen wie Myokarditis, Meningoenzephalitis oder Milzruptur hingewiesen. Ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe besteht laut Leitlinie bei fortgeschrittenem Alter, Immunsuppression, chronischem Alkoholismus, G6PD-Mangel sowie bei einer verzögerten Therapieeinleitung.
Dosierung
| Medikament | Dosierung | Indikation / Zielgruppe |
|---|---|---|
| Doxycyclin | Erwachsene: 100 mg 2-mal täglich für 7-10 Tage | Erstlinientherapie (alle Gruppen) |
| Doxycyclin | Kinder (< 45 kg): 2,2 mg/kg 2-mal täglich für 7-10 Tage | Erstlinientherapie |
| Azithromycin | Erwachsene: 500 mg 1-mal täglich für 7-10 Tage | Zweitlinientherapie (leichte Fälle, Schwangere) |
| Azithromycin | Kinder: 10 mg/kg (max. 500 mg) 1-mal täglich für 7-10 Tage | Zweitlinientherapie bei Kontraindikation für Doxycyclin |
| Chloramphenicol | 50 mg/kg täglich, aufgeteilt in 4 Einzeldosen | Schwere Fälle, Schwangere |
Kontraindikationen
Die Leitlinie rät ausdrücklich vom Einsatz von Fluorchinolonen ab, da diese mit schlechteren klinischen Ergebnissen assoziiert sind.
Doxycyclin ist bei einer bekannten schweren allergischen Reaktion oder einer Hepatotoxizität in der Vorgeschichte kontraindiziert.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie betont nachdrücklich, dass bei einem klinischen Verdacht auf Boutonneuse-Fieber sofort eine antibiotische Therapie eingeleitet werden muss. Es wird davor gewarnt, mit dem Behandlungsbeginn auf die Ergebnisse serologischer Bestätigungstests zu warten, da Antikörper oft erst nach 10 bis 14 Tagen nachweisbar sind und eine Verzögerung das Risiko für schwere Komplikationen erhöht.
Häufig gestellte Fragen
Ein klassisches Leitsymptom ist die sogenannte "Tache noire", ein schwarzer Schorf an der Stelle des Zeckenstichs. Begleitend treten laut Leitlinie Fieber und ein makulopapulöses Exanthem auf, das auch Handflächen und Fußsohlen betrifft.
Die Leitlinie empfiehlt Doxycyclin als Erstlinientherapie für alle Erkrankten. Dies schließt ausdrücklich auch Kinder und schwangere Frauen bei kurzer Therapiedauer ein.
Der Erreger wird durch den Biss der Braunen Hundezecke (Rhipicephalus sanguineus) übertragen. Der Mensch gilt dabei als Fehlwirt.
Nein, die Leitlinie rät von der Verwendung von Fluorchinolonen ab. Deren Einsatz wird mit schlechteren klinischen Verläufen in Verbindung gebracht.
IgM- und IgG-Antikörper sind laut Leitlinie meist erst 10 bis 14 Tage nach Symptombeginn im Blut nachweisbar. Daher eignen sich serologische Tests nicht für die akute Therapieentscheidung.
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Quelle: StatPearls: Boutonneuse Fever (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.