Harrison-Sulcus (Harrison Groove): StatPearls
Hintergrund
Der Harrison-Sulcus (auch Harrison-Furche) ist eine meist beidseitige Einziehung des Brustkorbs, die typischerweise entlang der sechsten Rippe verläuft. Die tiefste Stelle der Furche befindet sich laut der StatPearls-Zusammenfassung stets über dem sechsten Rippenknorpel.
Die Deformität kann idiopathisch auftreten oder als Folge von Grunderkrankungen in der frühen Kindheit entstehen. Zu den assoziierten Erkrankungen zählen Rachitis, chronische Mangelernährung, rezidivierende Pneumonien, Asthma bronchiale und angeborene Herzfehler.
In aufrechter Position beginnt die Furche am Processus xiphoideus, wird im Verlauf flacher und verschwindet meist auf Höhe der mittleren Axillarlinie. Sie kann mit anderen angeborenen Thoraxdeformitäten wie der Trichterbrust oder der Kielbrust vergesellschaftet sein.
Empfehlungen
Die StatPearls-Übersicht beschreibt folgende zentrale anatomische und klinische Aspekte:
Pathophysiologie und Entstehung
Die genaue Entstehung des Harrison-Sulcus ist nicht abschließend geklärt. Die historische Annahme, dass die Furche durch einen direkten Zug des Zwerchfells an den Rippen entsteht, wird heute abgelehnt.
Es werden stattdessen folgende Mechanismen diskutiert:
| Autor oder Theorie | Vorgeschlagener Mechanismus | Klinischer Kontext |
|---|---|---|
| Herlitz | Spannung am Sinus costodiaphragmaticus beim Ablösen des Zwerchfells von der Thoraxwand | Retraktionskräfte der Lunge |
| Brodkin | Unbalancierte Kontraktion des Zwerchfells durch einen schwächeren anterioren Anteil | Erhöhte Atemarbeit (z.B. bei Asthma, Pneumonie) |
| Physiologisch | Abnormale Atemmechanik und akzentuierte Retraktionskräfte der Lunge | Allgemeine physiologische Dysregulation |
Klinische Relevanz und Diagnostik
Der Harrison-Sulcus gilt als harmlose Deformität, die keine relevante Einschränkung der Lungen- oder Zwerchfellfunktion verursacht. Eine chirurgische Korrektur ist laut Text nur aus kosmetischen Gründen indiziert.
Bei der klinischen Einordnung werden folgende Punkte hervorgehoben:
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Die Tiefe der Furche korreliert häufig mit der Schwere und Häufigkeit frühkindlicher Atemwegserkrankungen.
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Eine Furchentiefe von 0,48 cm oder mehr wird als schwerwiegend eingestuft.
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Bei Neugeborenen mit Atemwegsobstruktion kann sich die Furche nach Behebung der Ursache wieder vollständig zurückbilden.
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Die Deformität ist ein unzuverlässiges klinisches Zeichen, da sie bei bis zu 45 % der gesunden Kinder ohne relevante Vorerkrankungen auftritt.
Anatomische Besonderheiten
Der Harrison-Sulcus kann klinisch genutzt werden, um die Höhe des Zwerchfells abzuschätzen. Dies gilt jedoch nur bei intakter Innervation durch den Nervus phrenicus.
Bei einer Verletzung des Nervus phrenicus verliert das Zwerchfell seine Kontraktionsfähigkeit und verbleibt aufgrund des negativen intrathorakalen Drucks in einer erhöhten Position. In diesem Fall ist die Furche kein verlässlicher Indikator mehr für die Zwerchfellhöhe.
💡Praxis-Tipp
Der Harrison-Sulcus wird historisch oft klassisch mit einer Rachitis in Verbindung gebracht, was jedoch irreführend sein kann. Der Text betont, dass die Furche bei Rachitis-Patienten meist durch begleitende Atemwegsinfekte und die daraus resultierende Dyspnoe entsteht, nicht durch die Knochenerkrankung selbst. Zudem tritt die Deformität häufig bei völlig gesunden Kindern auf und besitzt daher nur einen geringen diagnostischen Vorhersagewert.
Häufig gestellte Fragen
Die Furche entsteht meist durch abnormale Zwerchfellkontraktionen während der Säuglingszeit, oft infolge von Atemwegserkrankungen wie rezidivierenden Pneumonien oder Asthma. Sie kann jedoch auch idiopathisch bei völlig gesunden Kindern auftreten.
Der Text beschreibt die Deformität als harmlos, da sie die Lungen- oder Zwerchfellfunktion nicht einschränkt. Eine chirurgische Intervention ist ausschließlich aus kosmetischen Gründen indiziert.
Der Sulcus kann bei intakter Innervation zur klinischen Abschätzung der Zwerchfellhöhe genutzt werden. Bei einer Läsion des Nervus phrenicus steht das Zwerchfell jedoch dauerhaft hoch, wodurch dieses klinische Zeichen seine Aussagekraft verliert.
Laut der Übersicht wird eine Furchentiefe von 0,48 cm oder mehr als schwerwiegend klassifiziert. Die Tiefe korreliert dabei oft mit der Dauer und Schwere frühkindlicher Atemwegserkrankungen.
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Quelle: StatPearls: Anatomy, Abdomen and Pelvis: Harrison Groove (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.