StatPearls2026

Acetabulumfraktur: StatPearls Leitlinie

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: StatPearls (2026)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Acetabulumfrakturen resultieren meist aus Hochrasanztraumata bei jüngeren Menschen oder aus Stürzen aus geringer Höhe bei älteren Personen mit Osteoporose. Die Inzidenz liegt stabil bei etwa 3 pro 100.000 Einwohnern.

Aufgrund der hohen Energie des Traumas treten bei 50 % der Betroffenen Begleitverletzungen auf. Häufig sind die unteren Extremitäten, der Kopf, der Thorax oder periphere Nerven betroffen.

Selbst bei isolierten Frakturen des Acetabulums kommt es häufig zu einem erheblichen Blutverlust. Laut Leitlinie benötigen bis zu 35 % der Betroffenen eine Bluttransfusion.

Empfehlungen

Die StatPearls-Leitlinie (2026) formuliert folgende Kernempfehlungen zur Versorgung von Acetabulumfrakturen:

Diagnostik

Die initiale Bildgebung umfasst standardmäßig eine Beckenübersichtsaufnahme sowie Judet-Aufnahmen (Obturator- und Iliacum-Schrägaufnahme). Ein CT-Scan wird zur präzisen Beurteilung von Gelenkfragmenten, Frakturlinien und dem hinteren Beckenring empfohlen.

Dynamische Stress-Röntgenaufnahmen können zur Prüfung der Hüftstabilität eingesetzt werden. Hierbei wird die Hüfte des liegenden Betroffenen auf 90 Grad gebeugt und eine manuelle Kraft ausgeübt.

Klassifikation

Die Leitlinie nutzt die Letournel-Klassifikation, welche die Frakturen in elementare und assoziierte Muster unterteilt:

FrakturtypKategorieHäufigkeit / Besonderheit
Hintere WandElementarer TypHäufigster Typ (25 %)
Hinterer PfeilerElementarer Typ3 bis 5 %, Risiko für neurovaskuläres Bündel
Vordere WandElementarer TypFraktur unterhalb der Spina iliaca anterior inferior
Vorderer PfeilerElementarer TypTrennt vorderen Rand vom intakten Ilium
QuerfrakturElementarer TypFraktur beider Pfeiler
T-TypAssoziierter TypQuerfraktur plus vertikale Linie, schlechteste Prognose
Beide PfeilerAssoziierter TypAcetabulum komplett vom Achsenskelett getrennt

Konservative Therapie

Eine nicht-operative Behandlung wird bei stabilen, konzentrisch reponierten Frakturen ohne Beteiligung des oberen Acetabulumdachs empfohlen. Weitere Kriterien sind ein ausreichend großer intakter Gelenkanteil sowie ein Roof-Arc-Winkel von über 45 Grad.

In der CT-Beurteilung des Vertex dürfen in den oberen 10 mm keine Frakturlinien vorliegen. Die Dislokation darf maximal 2 mm betragen.

Der konservative Behandlungsablauf beginnt mit Bettruhe, gefolgt von einer partiellen Belastung (unter 10 kg) mit flachem Fuß. Wöchentliche Röntgenkontrollen in den ersten vier Wochen werden empfohlen, bevor nach 6 bis 12 Wochen eine Vollbelastung angestrebt wird.

Operative Therapie

Eine offene Reposition und interne Fixation (ORIF) wird bei Gelenkinstabilität, Inkongruenz oder eingeklemmtem Gewebe im Gelenkspalt empfohlen. Der optimale Operationszeitpunkt liegt bei 3 bis 5 Tagen nach dem Trauma.

Verzögerungen von über 3 Wochen sind mit deutlich schlechteren klinischen Ergebnissen assoziiert. Eine perkutane Fixation gewinnt als Ergänzung zur ORIF oder bei schwer kranken Personen an Bedeutung.

Notfallindikationen für eine sofortige Operation umfassen:

  • Rezidivierende oder irreponible Hüftluxationen

  • Progrediente Ausfälle des Nervus ischiadicus

  • Gefäßverletzungen oder offene Frakturen

  • Ipsilaterale Schenkelhalsfrakturen

Postoperative Versorgung

Eine medikamentöse Thromboseprophylaxe wird für 6 bis 12 Wochen empfohlen, ergänzt durch mechanische Maßnahmen. Zur Vermeidung heterotoper Ossifikationen wird eine medikamentöse oder radiologische Prophylaxe angeraten.

Dosierung

Die Leitlinie nennt folgende spezifische Dosierungen zur Prophylaxe heterotoper Ossifikationen nach operativer Versorgung:

Medikament / MaßnahmeDosierungIndikation
Indometacin25 mg, 3-mal täglich für 6 Wochen (Start < 24h post-op)Prophylaxe heterotoper Ossifikationen
Bestrahlung700-800 cGy als Einzeldosis (innerhalb 72h post-op)Prophylaxe heterotoper Ossifikationen

Kontraindikationen

Die Leitlinie nennt folgende Kontraindikation:

  • Indometacin zur Prophylaxe heterotoper Ossifikationen ist bei Frakturen langer Röhrenknochen kontraindiziert, wenn ein Risiko für eine Pseudarthrose (Non-Union) besteht.
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💡Praxis-Tipp

Bei der initialen Untersuchung wird eine genaue Prüfung des Nervus ischiadicus empfohlen, da Verletzungen häufig den peronäalen Anteil betreffen und zu einer Fußheberparese führen. Zudem wird auf den potenziell massiven Blutverlust hingewiesen, der selbst bei isolierten Acetabulumfrakturen in bis zu 35 % der Fälle eine Bluttransfusion erforderlich macht.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie empfiehlt primär eine Beckenübersichtsaufnahme sowie Judet-Aufnahmen (Obturator- und Iliacum-Schrägaufnahme). Für eine präzisere Beurteilung von Gelenkfragmenten und Frakturlinien wird zusätzlich ein CT-Scan empfohlen.

Notfallindikationen umfassen irreponible oder rezidivierende Hüftluxationen, progrediente Ausfälle des Nervus ischiadicus sowie Gefäßverletzungen. Auch offene Frakturen und ipsilaterale Schenkelhalsfrakturen erfordern eine sofortige operative Versorgung.

Der optimale Zeitpunkt für eine offene Reposition und interne Fixation (ORIF) liegt laut Leitlinie bei 3 bis 5 Tagen nach dem Trauma. Eine Verzögerung von mehr als 3 Wochen ist mit deutlich schlechteren klinischen Ergebnissen assoziiert.

Frakturen vom T-Typ weisen laut Leitlinie die schlechteste Prognose auf. Auch das sogenannte "Gullwing-Zeichen", welches eine Impaktion des Acetabulumdachs darstellt, ist mit einem ungünstigen Verlauf assoziiert.

Es wird initial Bettruhe empfohlen, gefolgt von einer partiellen Belastung mit flachem Fuß (unter 10 kg). Eine Vollbelastung ist gemäß Leitlinie bei adäquater Knochenheilung nach 6 bis 12 Wochen möglich.

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Quelle: StatPearls: Acetabular Fractures (StatPearls, 2026). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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