NICEA2024Gynäkologie

Starke Regelblutung (HMB): Diagnostik & Stufentherapie

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: NICE (2024)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die NICE-Leitlinie NG88 befasst sich mit der Abklärung und Behandlung der starken Regelblutung (Heavy Menstrual Bleeding, HMB) bei Frauen im reproduktiven Alter. HMB ist definiert als übermäßiger Blutverlust, der die physische, soziale oder emotionale Lebensqualität einschränkt.

Ein zentraler Aspekt der Leitlinie ist die Ausrichtung der Therapie an der Verbesserung der Lebensqualität und nicht primär an der Reduktion des reinen Blutverlustes. Die individuellen Präferenzen der Frau, insbesondere hinsichtlich Familienplanung und Erhalt des Uterus, stehen im Vordergrund.

Die Empfehlungen decken das gesamte Spektrum von der initialen Anamnese über bildgebende Verfahren bis hin zu medikamentösen und chirurgischen Interventionen ab. Dabei werden auch spezifische Ursachen wie Myome oder Adenomyose berücksichtigt.

Empfehlungen

Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Versorgung bei starker Regelblutung:

Diagnostik und Basisuntersuchungen

Laut Leitlinie wird bei allen Frauen mit HMB ein großes Blutbild parallel zu jedem Therapieangebot empfohlen.

Auf routinemäßige Bestimmungen von Serum-Ferritin, weiblichen Hormonen oder Schilddrüsenhormonen sollte gemäß Leitlinie verzichtet werden, sofern keine spezifischen Symptome vorliegen.

Eine Untersuchung auf Gerinnungsstörungen wird empfohlen, wenn die starke Regelblutung seit der Menarche besteht und eine familiäre Vorbelastung vorliegt.

Bildgebung und Hysteroskopie

Die Wahl der Untersuchungsmethode richtet sich nach der Anamnese und der körperlichen Untersuchung.

Die Leitlinie empfiehlt eine ambulante Hysteroskopie bei Verdacht auf submuköse Myome, Polypen oder endometriale Pathologien.

Ein Becken-Ultraschall wird empfohlen bei tastbarem Uterus, Verdacht auf eine Raumforderung oder erschwerter Untersuchung (z. B. bei Adipositas).

Bei Verdacht auf Adenomyose wird primär ein transvaginaler Ultraschall empfohlen.

Medikamentöse Therapie (ohne Pathologie oder Myome < 3 cm)

Als erste Therapieoption wird ein Levonorgestrel-freisetzendes Intrauterinsystem (LNG-IUS) empfohlen.

Bei Ablehnung oder Kontraindikationen nennt die Leitlinie folgende medikamentöse Alternativen:

  • Tranexamsäure

  • Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR)

  • Kombinierte hormonelle Kontrazeptiva

  • Zyklische orale Gestagene

Management bei Myomen ab 3 cm

Bei Myomen mit einem Durchmesser von 3 cm oder mehr wird eine Überweisung in die fachärztliche Versorgung empfohlen, um weitere Untersuchungen und Therapieoptionen zu besprechen.

Zur Überbrückung bis zur definitiven Therapie können laut Leitlinie Tranexamsäure oder NSAR eingesetzt werden.

Als weitere Optionen werden neben den Standardmedikamenten auch Uterusarterienembolisation, Myomektomie oder Hysterektomie genannt.

Chirurgische Interventionen

Vor einer Hysterektomie wird eine umfassende Aufklärung über Risiken, Auswirkungen auf die Fertilität und alternative Verfahren empfohlen.

Eine Dilatation und Kürettage wird als alleinige Therapieoption für HMB nicht empfohlen.

Dosierung

Die Leitlinie nennt spezifische Vorgaben für den Einsatz von Ulipristalacetat bei prämenopausalen Frauen mit Myomen, falls Operationen oder Embolisationen nicht geeignet sind oder fehlschlugen:

WirkstoffDosierungIndikation / Bemerkung
Ulipristalacetat5 mg (bis zu 4 Zyklen)Intermittierende Therapie bei HMB und Myomen ≥ 3 cm

Die medikamentösen Standardtherapien (Tranexamsäure, NSAR, hormonelle Kontrazeptiva) werden in der Leitlinie ohne spezifische Milligramm-Angaben aufgeführt.

Kontraindikationen

Die Leitlinie warnt vor dem Risiko schwerer Leberschäden bis hin zum Leberversagen durch Ulipristalacetat. Es wird empfohlen, die Leberfunktion vor Therapiebeginn, monatlich in den ersten zwei Zyklen und vor jedem neuen Behandlungszyklus zu kontrollieren.

Bei Anzeichen eines Leberversagens muss die Therapie mit Ulipristalacetat sofort abgebrochen werden.

Zudem wird darauf hingewiesen, dass eine blinde Endometriumbiopsie bei HMB nicht durchgeführt werden sollte.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Ein wichtiger Praxisaspekt der Leitlinie ist der Verzicht auf routinemäßige Hormon- und Ferritinbestimmungen bei unkomplizierter starker Regelblutung. Es wird betont, dass die Therapieauswahl primär auf die Verbesserung der subjektiven Lebensqualität abzielen sollte und nicht auf die messbare Reduktion des Blutverlustes. Zudem wird bei Verdacht auf endometriale Pathologien die ambulante Hysteroskopie dem Ultraschall vorgezogen.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie empfiehlt bei allen Frauen mit starker Regelblutung die Bestimmung eines großen Blutbildes. Auf die routinemäßige Bestimmung von Ferritin, Schilddrüsenwerten oder weiblichen Hormonen sollte laut Leitlinie verzichtet werden.

Bei Frauen ohne identifizierte Pathologie oder mit Myomen unter 3 cm wird ein Levonorgestrel-freisetzendes Intrauterinsystem (LNG-IUS) als erste Therapieoption empfohlen. Alternativ können Tranexamsäure, NSAR oder hormonelle Kontrazeptiva eingesetzt werden.

Eine ambulante Hysteroskopie wird empfohlen, wenn Anamnese oder Untersuchung auf submuköse Myome, Polypen oder endometriale Pathologien hindeuten. Sie wird laut Leitlinie auch bei persistierenden Zwischenblutungen angeraten.

Die Leitlinie nennt nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) als eine der primären nicht-hormonellen Behandlungsoptionen. Sie können auch zur Überbrückung eingesetzt werden, während weitere Untersuchungen stattfinden.

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Quelle: NG88: Heavy menstrual bleeding: assessment and management (NICE, 2024). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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