Speicheldrüsenkarzinome: Diagnostik und Therapie
Hintergrund
Speicheldrüsenkarzinome sind seltene, aber histologisch sehr heterogene Tumoren des Kopf-Hals-Bereichs. Die Onkopedia-Leitlinie betont, dass etwa 20 Prozent aller Speicheldrüsentumoren maligne sind.
Dabei gilt laut Leitlinie die Regel: Je kleiner die betroffene Speicheldrüse, desto höher ist das Risiko für eine Bösartigkeit. Nahezu 100 Prozent der Tumoren der Glandula sublingualis und etwa 60 Prozent der kleinen Speicheldrüsen sind maligne.
Als einziger gesicherter Risikofaktor wird die Exposition gegenüber ionisierenden Strahlen genannt. Die meisten Tumoren weisen zunächst keine eindeutigen klinischen Malignitätszeichen auf, weshalb eine schmerzlose lokale Schwellung oft das einzige Initialsymptom darstellt.
💡Praxis-Tipp
Ein histologisch nachgewiesenes Plattenepithelkarzinom in der Glandula parotis ist laut Leitlinie fast immer eine Metastase (meist eines kutanen Plattenepithelkarzinoms) und extrem selten ein Primärtumor. Es wird daher dringend empfohlen, in solchen Fällen eine sorgfältige Primärtumorsuche der Haut und des Kopf-Hals-Bereichs durchzuführen. Zudem wird bei Tumoren der kleinen Speicheldrüsen von Probebiopsien abgeraten, da diese häufig zu Fehldiagnosen führen; stattdessen wird eine primäre Exzisionsbiopsie empfohlen.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie erfolgt eine therapeutische Neck dissection bei klinisch oder radiologisch nachgewiesenen Halslymphknotenmetastasen. Eine elektive (prophylaktische) Neck dissection wird bei Tumoren im Stadium III/IV, bei High-Grade-Tumoren sowie generell beim adenoidzystischen Karzinom empfohlen.
Die Ultraschalluntersuchung der Halsweichteile gilt als Goldstandard für die Erstuntersuchung. Bei Verdacht auf Malignität oder bei tiefer liegenden Tumoren wird zusätzlich eine MRT mit Kontrastmittel empfohlen.
Nein, die Leitlinie empfiehlt den Erhalt des Nervus facialis, wenn präoperativ eine normale Funktion besteht und der Nerv intraoperativ nicht tumorinfiltriert erscheint. Eine Resektion ohne Infiltration bringt keinen onkologischen Vorteil, verschlechtert aber die Lebensqualität erheblich.
Das adenoidzystische Karzinom erfordert laut Leitlinie fast immer eine postoperative Radiotherapie, selbst bei kleinen T1/T2-Tumoren und vollständiger Resektion. Zudem metastasiert dieser Tumortyp häufig hämatogen, weshalb auch im Langzeitverlauf Lungenmetastasen auftreten können.
Bei nicht-kurativ behandelbaren oder metastasierten Tumoren wird eine molekulare Testung empfohlen, um zielgerichtete Therapien zu ermöglichen. So können beispielsweise NTRK-Genfusionen, HER2-Überexpressionen oder Androgenrezeptor-Positivitäten spezifisch medikamentös behandelt werden.
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Quelle: Speicheldrüsenkarzinome (Onkopedia). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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