Sepsis bei Erwachsenen: NEWS2, Diagnostik und Therapie
Hintergrund
Die NICE-Leitlinie NG253 (2025) behandelt die Erkennung, Diagnostik und das frühe Management bei Verdacht auf Sepsis. Sie richtet sich an medizinisches Personal und gilt für Personen ab 16 Jahren, die aktuell nicht schwanger sind und es in letzter Zeit nicht waren.
Sepsis präsentiert sich häufig mit unspezifischen Symptomen und nicht zwingend mit Fieber. Laut Leitlinie wird eine besondere Aufmerksamkeit bei Personen mit Kommunikationsschwierigkeiten oder bei Hinweisen von Angehörigen auf Verhaltensänderungen empfohlen.
Es wird betont, dass bestimmte Faktoren das Risiko für eine Sepsis oder eine verzögerte Diagnose erhöhen. Dazu zählen ein Alter über 75 Jahre, Gebrechlichkeit, Immunsuppression, kürzliche Operationen sowie liegende Katheter.
Empfehlungen
Initiale Beurteilung und Risikostratifizierung
Die Leitlinie empfiehlt bei Verdacht auf Sepsis die Erfassung von Temperatur, Herzfrequenz, Atemfrequenz, Blutdruck, Bewusstseinslage und Sauerstoffsättigung. Zudem sollte auf Hautveränderungen wie Marmorierung, Zyanose oder nicht-wegdrückbare Petechien geachtet werden.
Für die Risikobewertung im Krankenhaus, in der Akutpsychiatrie und im Rettungsdienst wird die Nutzung des NEWS2-Scores empfohlen:
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Hohes Risiko: NEWS2-Score von 7 oder höher
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Mittleres Risiko: NEWS2-Score von 5 bis 6
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Geringes Risiko: NEWS2-Score von 1 bis 4
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Sehr geringes Risiko: NEWS2-Score von 0
Wenn ein einzelner Parameter 3 Punkte zum NEWS2-Score beiträgt, wird eine dringende ärztliche Überprüfung zur definitiven Risikoeinschätzung empfohlen.
Diagnostik und Quellensuche
Laut Leitlinie sollten bei stationären Personen mikrobiologische Proben und Blutkulturen vor der ersten Antibiotikagabe entnommen werden. Die Suche nach dem Infektionsfokus sollte parallel beginnen.
Bei hohem und mittlerem Risiko wird eine venöse Blutentnahme empfohlen. Diese sollte unter anderem Blutgase (inklusive Laktat und Glukose), ein großes Blutbild, CRP, Nieren- und Leberwerte sowie den Gerinnungsstatus umfassen.
Therapie bei hohem Risiko (NEWS2 ab 7)
Für Personen mit hohem Risiko formuliert die Leitlinie folgende Kernempfehlungen:
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Gabe eines intravenösen Breitbandantibiotikums innerhalb von 1 Stunde nach der initialen NEWS2-Erhebung
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Verabreichung eines intravenösen Flüssigkeitsbolus (isotonische Elektrolytlösung) innerhalb von 1 Stunde, sofern keine Kontraindikationen bestehen
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Initiale Bolusgabe von 250 ml über 10 bis 15 Minuten, mit Reevaluation nach jedem Bolus (bis maximal 1.000 ml)
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Sauerstoffgabe mit einem Zielwert von 94 % bis 98 % (88 % bis 92 % bei Risiko für hyperkapnisches Versagen)
Therapie bei mittlerem und geringem Risiko
Bei einem mittleren Risiko (NEWS2 5-6) ohne Zeichen einer Hypoperfusion kann die Antibiotikagabe laut Leitlinie um bis zu 3 Stunden verschoben werden, um den Infektionsfokus genauer zu diagnostizieren. Liegt jedoch eine Hypoperfusion vor (z. B. Laktat über 2 mmol/l), wird eine Behandlung wie beim hohen Risiko empfohlen.
Bei geringem Risiko (NEWS2 1-4) kann eine Verzögerung der Antibiotikagabe um bis zu 6 Stunden zur weiteren Diagnostik erwogen werden. Sobald die Entscheidung für ein Antibiotikum gefallen ist, darf die Gabe nicht weiter verzögert werden.
Dosierung
Die Leitlinie macht spezifische Dosierungsvorgaben für eine bestimmte Altersgruppe bei ambulant erworbener Sepsis:
| Alter | Medikament | Dosierung | Indikation |
|---|---|---|---|
| 16 bis 18 Jahre | Ceftriaxon | 80 mg/kg einmal täglich (max. 4 g/Tag) | Verdacht auf ambulant erworbene Sepsis |
Für Personen ab 18 Jahren wird die empirische intravenöse Antibiotikatherapie gemäß den lokalen Leitlinien und dem lokalen Formularium empfohlen.
Kontraindikationen
Die Leitlinie weist darauf hin, dass bei der Verabreichung von intravenösen Flüssigkeitsboli mögliche Kontraindikationen (wie Herz- oder Nierenversagen) beachtet werden müssen. Eine Flüssigkeitstherapie sollte bei fehlendem Ansprechen nach 1.000 ml gestoppt und mit einem erfahrenen Arzt besprochen werden, um eine Volumenüberladung zu vermeiden.
💡Praxis-Tipp
Ein unauffälliger NEWS2-Score von 0 oder eine normale Körpertemperatur schließen eine Sepsis nicht aus. Die Leitlinie warnt davor, sich alleinig auf das Vorhandensein von Fieber zu verlassen, da insbesondere ältere, gebrechliche oder immunsupprimierte Personen häufig keine erhöhte Temperatur entwickeln.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt die Verwendung des NEWS2-Scores für Personen ab 16 Jahren im Krankenhaus, in der Akutpsychiatrie und im Rettungsdienst. Ein Score ab 7 Punkten weist auf ein hohes Risiko für einen schweren Verlauf hin.
Bei einem hohen Risiko (NEWS2 ab 7) wird die intravenöse Antibiotikagabe innerhalb von 1 Stunde nach der initialen Bewertung empfohlen. Bei mittlerem oder geringem Risiko kann die Gabe zur weiteren Diagnostik um 3 beziehungsweise 6 Stunden verschoben werden.
Es wird die Gabe einer isotonischen Elektrolytlösung (z. B. Ringer-Laktat oder 0,9 % NaCl) empfohlen. Die Leitlinie rät zu initialen Boli von 250 ml über 10 bis 15 Minuten, bis zu einer Maximalmenge von 1.000 ml.
Laut Leitlinie wird eine Sauerstoffsättigung von 94 % bis 98 % angestrebt. Bei Personen mit einem Risiko für hyperkapnisches Atemversagen liegt der Zielbereich bei 88 % bis 92 %.
Wenn ein einzelner Parameter 3 Punkte zum Gesamtscore beiträgt, wird eine dringende ärztliche Überprüfung empfohlen. Es muss klinisch entschieden werden, ob die Abweichung durch die Infektion bedingt ist und eine Hochstufung des Risikos erfordert.
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Quelle: Suspected sepsis in people aged 16 or over: recognition, assessment and early management (NICE, 2025). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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