Akute Otitis media (AOM): Antibiotika und Analgesie

Diese Leitlinie stammt aus 2018 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: NICE (2018)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die NICE-Leitlinie NG91 befasst sich mit der antimikrobiellen Verschreibungspraxis bei akuter Otitis media (Mittelohrentzündung) bei Kindern und Jugendlichen. Ziel ist es, den Antibiotikaeinsatz zu begrenzen und Resistenzen zu vermeiden.

Laut Leitlinie handelt es sich meist um eine selbstlimitierende Infektion, die sowohl viral als auch bakteriell bedingt sein kann. Eine klinische Unterscheidung der Erreger ist oft schwierig, da häufig beide gleichzeitig vorliegen.

Es wird betont, dass die Symptome in der Regel etwa drei Tage andauern, sich aber bis zu einer Woche hinziehen können. Die meisten Kinder erholen sich innerhalb von drei Tagen ohne Antibiotika, und schwere Komplikationen wie eine Mastoiditis sind selten.

Empfehlungen

Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Behandlung der akuten Otitis media:

Symptomatische Therapie

Die Leitlinie empfiehlt zur Schmerzlinderung regelmäßige Dosen von Paracetamol oder Ibuprofen. Dabei wird die Ausschöpfung der Maximaldosis bei starken Schmerzen angeraten.

Zusätzlich können Ohrentropfen mit einem Lokalanästhetikum und Analgetikum erwogen werden. Dies wird jedoch nur empfohlen, wenn:

  • keine sofortige orale Antibiotikagabe erfolgt

  • keine Trommelfellperforation vorliegt

  • keine Otorrhö (Ohrenfluss) besteht

Von der Gabe von Dekongestiva und Antihistaminika wird abgeraten, da diese laut Evidenz die Symptome nicht verbessern.

Antibiotika-Strategie

Für die meisten Kinder wird empfohlen, primär auf ein Antibiotikum zu verzichten oder ein Reserve-Rezept (Back-up-Rezept) auszustellen. Es wird angeraten, die Eltern darüber aufzuklären, dass Antibiotika die Symptome kaum lindern und das Risiko für Nebenwirkungen wie Diarrhö erhöhen.

Ein Reserve-Rezept sollte gemäß Leitlinie erst eingelöst werden, wenn sich die Symptome nach drei Tagen nicht bessern oder sich jederzeit rasch verschlechtern.

Indikationen für sofortige Antibiotika

Bei bestimmten Risikogruppen kann laut Leitlinie eine sofortige Antibiotikagabe erwogen werden. Dazu zählen:

  • Kinder jeden Alters mit Otorrhö

  • Kinder unter zwei Jahren mit beidseitiger Infektion

Zwingend angeboten werden sollte ein sofortiges Antibiotikum, wenn das Kind systemisch sehr krank ist oder ein hohes Risiko für Komplikationen aufweist.

Überweisung ins Krankenhaus

Eine sofortige stationäre Einweisung wird empfohlen bei Verdacht auf:

  • schwere systemische Infektionen (Sepsis)

  • akute Komplikationen wie Mastoiditis, Meningitis, intrakranieller Abszess, Sinusthrombose oder Fazialisparese

Dosierung

Die Leitlinie empfiehlt folgende Dosierungsschemata für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren:

Wirkstoff (Indikation)Alter / GewichtDosierungDauer
Phenazon + Lidocain (Ohrentropfen)Kinder & Jugendliche4 Tropfen, 2- bis 3-mal täglichbis zu 7 Tage
Amoxicillin (1. Wahl)1 bis 11 Monate125 mg, 3-mal täglich5 bis 7 Tage
Amoxicillin (1. Wahl)1 bis 4 Jahre250 mg, 3-mal täglich5 bis 7 Tage
Amoxicillin (1. Wahl)5 bis 17 Jahre500 mg, 3-mal täglich5 bis 7 Tage
Clarithromycin (Penicillinallergie)unter 8 kg7,5 mg/kg, 2-mal täglich5 bis 7 Tage
Clarithromycin (Penicillinallergie)8 bis 11 kg62,5 mg, 2-mal täglich5 bis 7 Tage
Clarithromycin (Penicillinallergie)12 bis 19 kg125 mg, 2-mal täglich5 bis 7 Tage
Clarithromycin (Penicillinallergie)20 bis 29 kg187,5 mg, 2-mal täglich5 bis 7 Tage
Clarithromycin (Penicillinallergie)30 bis 40 kg250 mg, 2-mal täglich5 bis 7 Tage
Clarithromycin (Penicillinallergie)12 bis 17 Jahre250 bis 500 mg, 2-mal täglich5 bis 7 Tage
Erythromycin (Allergie in Schwangerschaft)8 bis 17 Jahre250-500 mg 4-mal tgl. ODER 500-1000 mg 2-mal tgl.5 bis 7 Tage
Amoxicillin/Clavulansäure (2. Wahl bei Verschlechterung)1 bis 11 Monate0,25 ml/kg (125/31 Suspension), 3-mal täglich5 bis 7 Tage
Amoxicillin/Clavulansäure (2. Wahl bei Verschlechterung)1 bis 5 Jahre5 ml ODER 0,25 ml/kg (125/31 Suspension), 3-mal täglich5 bis 7 Tage
Amoxicillin/Clavulansäure (2. Wahl bei Verschlechterung)6 bis 11 Jahre5 ml ODER 0,15 ml/kg (250/62 Suspension), 3-mal täglich5 bis 7 Tage
Amoxicillin/Clavulansäure (2. Wahl bei Verschlechterung)12 bis 17 Jahre250/125 mg ODER 500/125 mg, 3-mal täglich5 bis 7 Tage

Kontraindikationen

Laut Leitlinie dürfen Ohrentropfen mit Lokalanästhetikum und Analgetikum nicht angewendet werden, wenn eine Trommelfellperforation oder eine Otorrhö vorliegt.

Bei der Verordnung von Makroliden in der Schwangerschaft wird auf eine strenge Nutzen-Risiko-Abwägung hingewiesen. Falls bei einer Penicillinallergie ein Makrolid zwingend erforderlich ist, wird Erythromycin als bevorzugte Option genannt.

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💡Praxis-Tipp

Die Leitlinie betont, dass Antibiotika bei der unkomplizierten akuten Otitis media die Schmerzen nach 24 Stunden kaum lindern, aber signifikant häufiger zu Nebenwirkungen wie Diarrhö führen. Es wird daher angeraten, primär auf eine adäquate Analgesie mit Paracetamol oder Ibuprofen zu setzen und Antibiotika bevorzugt als Reserve-Rezept (Back-up-Strategie) für den Fall einer fehlenden Besserung nach drei Tagen auszustellen.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie wird eine sofortige Antibiotikagabe empfohlen, wenn das Kind systemisch sehr krank ist oder ein hohes Komplikationsrisiko aufweist. Zudem kann sie bei Kindern unter zwei Jahren mit beidseitiger Infektion oder bei Vorliegen einer Otorrhö erwogen werden.

Die Leitlinie empfiehlt Amoxicillin als Mittel der ersten Wahl. Die Standardtherapiedauer beträgt fünf bis sieben Tage bei einer dreimal täglichen Gabe.

Bei einer Penicillinallergie oder -unverträglichkeit wird Clarithromycin als alternative Erstlinientherapie empfohlen. Bei schwangeren Patientinnen mit echter Penicillinallergie sollte stattdessen Erythromycin bevorzugt werden.

Es wird darauf hingewiesen, dass die aktuelle Evidenz keinen Nutzen von Dekongestiva oder Antihistaminika bei der Behandlung der akuten Otitis media zeigt. Die Leitlinie rät daher von deren Einsatz zur Symptomlinderung ab.

Die Leitlinie gibt an, dass Ohrentropfen mit einem Lokalanästhetikum und Analgetikum zur Schmerzlinderung erwogen werden können. Voraussetzung ist jedoch, dass das Trommelfell intakt ist, keine Otorrhö vorliegt und keine sofortige orale Antibiotikatherapie gestartet wird.

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Quelle: NICE Guideline on Acute Otitis Media (NICE, 2018). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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