Akute Sinusitis: Antibiotika-Indikation und Dosierung
Hintergrund
Die akute Sinusitis ist meist eine selbstlimitierende, viral bedingte Infektion der oberen Atemwege. Laut Leitlinie sind lediglich etwa 2 Prozent der Fälle durch eine bakterielle Infektion kompliziert.
Die Symptome dauern in der Regel zwei bis drei Wochen an. Die meisten Betroffenen erholen sich innerhalb dieses Zeitraums ohne spezifische Behandlung, unabhängig davon, ob die Ursache viral oder bakteriell ist.
Komplikationen einer akuten Sinusitis treten sehr selten auf. Die Leitlinie betont, dass ein Verzicht auf Antibiotika das Risiko für Komplikationen nicht signifikant erhöht, während ein unnötiger Einsatz Resistenzen fördern kann.
Empfehlungen
Die NICE-Leitlinie NG79 formuliert folgende Kernempfehlungen zur Behandlung der akuten Sinusitis:
Symptomdauer bis zu 10 Tage
Bei einer Symptomdauer von rund 10 Tagen oder weniger wird von einer routinemäßigen Antibiotikaverschreibung abgeraten.
Es wird empfohlen, über den üblichen Krankheitsverlauf von zwei bis drei Wochen aufzuklären und symptomatische Maßnahmen zu besprechen.
Eine ärztliche Wiedervorstellung ist laut Leitlinie indiziert, wenn sich die Symptome rasch oder deutlich verschlechtern, nach drei Wochen keine Besserung eintritt oder eine schwere systemische Beeinträchtigung vorliegt.
Symptomdauer über 10 Tage ohne Besserung
Bei anhaltenden Beschwerden kann bei Erwachsenen und Kindern ab 12 Jahren ein hochdosiertes nasales Kortikosteroid für 14 Tage erwogen werden. Die Leitlinie weist darauf hin, dass dies ein Off-Label-Use ist.
Zusätzlich kann laut Leitlinie entweder auf ein Antibiotikum verzichtet oder ein Reserve-Rezept (Back-up-Antibiotikum) ausgestellt werden.
Bei Ausstellung eines Reserve-Rezepts wird empfohlen, dieses erst einzulösen, wenn sich die Symptome innerhalb von 7 Tagen nicht bessern oder jederzeit rasch verschlechtern.
Indikationen für eine sofortige Antibiotikagabe
Eine sofortige Antibiotikatherapie wird empfohlen, wenn Betroffene systemisch sehr krank sind, Zeichen einer ernsteren Erkrankung aufweisen oder ein hohes Komplikationsrisiko haben.
Ein bakterieller Ursprung ist laut Leitlinie wahrscheinlicher, wenn mehrere der folgenden Faktoren zutreffen:
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Symptomdauer von mehr als 10 Tagen
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Verfärbtes oder eitriges Nasensekret
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Starke, lokalisierte, einseitige Schmerzen (besonders an Zähnen und Kiefer)
-
Fieber
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Deutliche Verschlechterung nach einer initial milderen Phase
Überweisung ins Krankenhaus
Eine sofortige Krankenhauseinweisung wird bei Verdacht auf schwere systemische Infektionen wie Sepsis empfohlen.
Zudem ist eine Überweisung bei intra- oder periorbitalen Komplikationen (z. B. periorbitales Ödem, Doppelbilder) sowie bei intrakraniellen Komplikationen (z. B. fokale neurologische Defizite, Meningitis-Zeichen) indiziert.
Dosierung
Die Leitlinie empfiehlt bei Indikation zur Antibiotikatherapie eine Behandlungsdauer von 5 Tagen. Es werden folgende Dosierungen für Erwachsene ab 18 Jahren empfohlen:
| Indikation | Antibiotikum | Dosierung (Erwachsene) |
|---|---|---|
| Erste Wahl | Phenoxymethylpenicillin | 500 mg viermal täglich |
| Erste Wahl (schweres Krankheitsbild/hohes Risiko) | Amoxicillin/Clavulansäure | 500/125 mg dreimal täglich |
| Erste Wahl bei Penicillinallergie | Doxycyclin | 200 mg an Tag 1, dann 100 mg einmal täglich |
| Alternative bei Penicillinallergie | Clarithromycin | 500 mg zweimal täglich |
| Penicillinallergie in der Schwangerschaft | Erythromycin | 250-500 mg viermal täglich oder 500-1000 mg zweimal täglich |
| Zweite Wahl (bei Verschlechterung nach 2-3 Tagen) | Amoxicillin/Clavulansäure | 500/125 mg dreimal täglich |
Für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren gelten laut Leitlinie alters- und gewichtsadaptierte Dosierungen. Auszugsweise für Phenoxymethylpenicillin:
| Alter | Antibiotikum | Dosierung (Kinder und Jugendliche) |
|---|---|---|
| 1 bis 11 Monate | Phenoxymethylpenicillin | 62,5 mg viermal täglich |
| 1 bis 5 Jahre | Phenoxymethylpenicillin | 125 mg viermal täglich |
| 6 bis 11 Jahre | Phenoxymethylpenicillin | 250 mg viermal täglich |
| 12 bis 17 Jahre | Phenoxymethylpenicillin | 500 mg viermal täglich |
Kontraindikationen
Doxycyclin ist bei Kindern unter 12 Jahren kontraindiziert.
Nasale Dekongestiva mit Sympathomimetika können eine Rebound-Kongestion verursachen und sollten nicht länger als 7 Tage angewendet werden.
Bei der Verordnung von nasalen Kortikosteroiden wird auf mögliche systemische Effekte hingewiesen, insbesondere wenn bereits andere Kortikosteroide eingenommen werden.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt davor, bei einer Symptomdauer von unter 10 Tagen routinemäßig Antibiotika zu verschreiben, da die akute Sinusitis meist viral bedingt und selbstlimitierend ist. Es wird empfohlen, stattdessen auf eine symptomatische Therapie mit Analgetika zu setzen und über den regulären Krankheitsverlauf von bis zu drei Wochen aufzuklären.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie halten die Symptome einer akuten Sinusitis in der Regel zwei bis drei Wochen an. Die meisten Betroffenen erholen sich in dieser Zeit ohne spezifische Behandlung.
Eine sofortige Antibiotikagabe wird empfohlen, wenn Betroffene systemisch sehr krank sind, Zeichen einer ernsteren Erkrankung aufweisen oder ein hohes Komplikationsrisiko haben. Bei anhaltenden Beschwerden über 10 Tage kann ein Reserve-Rezept erwogen werden.
Die Leitlinie empfiehlt Phenoxymethylpenicillin als Mittel der ersten Wahl für eine Dauer von 5 Tagen. Bei schweren Verläufen oder hohem Komplikationsrisiko wird Amoxicillin/Clavulansäure empfohlen.
Zur Linderung von Schmerzen und Fieber wird die Einnahme von Paracetamol oder Ibuprofen empfohlen. Für andere Maßnahmen wie Inhalationen oder orale Dekongestiva gibt es laut Leitlinie keine ausreichende Evidenz.
Bei Symptomen, die länger als 10 Tage ohne Besserung anhalten, kann ein hochdosiertes nasales Kortikosteroid für 14 Tage erwogen werden. Dies stellt bei Erwachsenen und Kindern ab 12 Jahren einen Off-Label-Use dar.
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Quelle: NICE Guideline on Acute Sinusitis (NICE, 2017). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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