Sepsis in der Schwangerschaft: Diagnostik und Therapie
Hintergrund
Die NICE-Leitlinie NG255 (2025) befasst sich mit der Erkennung, Diagnose und Frühbehandlung einer vermuteten Sepsis bei Schwangeren und Personen, die kürzlich schwanger waren. Als "kürzlich schwanger" gelten laut Leitlinie die ersten vier Wochen nach einer Geburt oder die ersten 24 Stunden nach einem Schwangerschaftsabbruch beziehungsweise einer Fehlgeburt.
Schwangere und Wöchnerinnen stellen eine Hochrisikogruppe für Sepsis dar. Die Leitlinie betont, dass eine Sepsis oft mit unspezifischen Symptomen einhergeht und nicht zwingend Fieber vorliegen muss.
Besondere Aufmerksamkeit wird Personen mit eingeschränktem Immunsystem, Diabetes, vorzeitigem Blasensprung oder kürzlichen invasiven Eingriffen gewidmet. Auch der Kontakt zu Personen mit Streptokokken-A-Infektionen erhöht das Risiko für einen schweren Verlauf.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Diagnostik und Therapie:
Diagnostik und Risikobewertung
Die Leitlinie empfiehlt bei Verdacht auf eine Infektion eine strukturierte Untersuchung zur Risikostratifizierung. Dabei werden Temperatur, Herzfrequenz, Atemfrequenz, Blutdruck, Bewusstseinslage und Sauerstoffsättigung erfasst.
Es wird darauf hingewiesen, dass physiologische Veränderungen in der Schwangerschaft bei der Interpretation berücksichtigt werden müssen. So ist die basale Herzfrequenz in der Schwangerschaft natürlicherweise um 10 bis 15 Schläge pro Minute erhöht.
Zudem wird empfohlen, nach der Urinausscheidung der letzten 18 Stunden sowie nach kürzlichen Fieberschüben oder Schüttelfrost zu fragen.
Kriterien für die Risikostratifizierung
Die Leitlinie teilt das Risiko für einen schweren Verlauf anhand spezifischer Parameter ein:
| Kategorie | Hochrisikokriterien | Mittel- bis Hochrisikokriterien |
|---|---|---|
| Bewusstsein / Historie | Akute Wesensveränderung, akute Verschlechterung | Immunschwäche, Trauma/OP in den letzten 6 Wochen |
| Atmung | Atemfrequenz ≥ 25/min, neuer Sauerstoffbedarf | Atemfrequenz 21-24/min |
| Kreislauf | Systolischer Blutdruck ≤ 90 mmHg, Herzfrequenz > 130/min | Systolischer Blutdruck 91-100 mmHg, Herzfrequenz 100-130/min |
| Ausscheidung | Keine Urinausscheidung in 18 Stunden | Keine Urinausscheidung in 12-18 Stunden |
| Haut / Temperatur | Marmorierte Haut, Zyanose, nicht wegdrückbarer Ausschlag, Temperatur < 36°C | Rötung, Schwellung oder Sekretion an einer OP-Wunde |
Therapie bei hohem Risiko
Bei Vorliegen von mindestens einem Hochrisikokriterium wird eine sofortige Beurteilung durch einen erfahrenen klinischen Entscheider empfohlen. Laut Leitlinie sollen folgende Maßnahmen innerhalb von einer Stunde erfolgen:
-
Abnahme von venösen Blutkulturen und Blutgasanalysen (inklusive Laktat)
-
Bestimmung von Blutbild, CRP, Nieren- und Leberwerten sowie Gerinnung
-
Gabe eines intravenösen Breitbandantibiotikums
Fokussuche und Kontrolle
Zur Identifikation des Infektionsherdes werden eine Urinanalyse und gegebenenfalls ein Röntgen-Thorax empfohlen. Bei unklarem Fokus sollte eine Bildgebung von Abdomen und Becken erwogen werden.
Bei Bedarf sollte frühzeitig ein Geburtshelfer oder das chirurgische Team für eine operative oder radiologische Herdsanierung hinzugezogen werden. Die Intervention sollte laut Leitlinie so schnell wie möglich erfolgen.
Dosierung
Die Leitlinie gibt folgende Empfehlungen zur intravenösen Flüssigkeitsgabe bei Sepsis-Verdacht mit hohem Risiko (Laktat > 2 mmol/l oder systolischer Blutdruck ≤ 90 mmHg):
| Altersgruppe | Flüssigkeitstyp | Dosierung | Dauer |
|---|---|---|---|
| Unter 16 Jahre | Glukosefreie Kristalloide (Na 130-154 mmol/l) | 10 ml/kg Körpergewicht | Unter 10 Minuten |
| Ab 16 Jahre | Kristalloide (Na 130-154 mmol/l) | 500 ml Bolus | Unter 15 Minuten |
Es wird empfohlen, die Person nach dem ersten Bolus neu zu beurteilen. Bei ausbleibender Besserung sollte ein zweiter Bolus verabreicht und ein Facharzt hinzugezogen werden.
Kontraindikationen
Die Leitlinie spricht folgende Warnhinweise aus:
-
Es wird davor gewarnt, sich zum Ausschluss oder zur Bestätigung einer Sepsis allein auf das Vorhandensein von Fieber oder Hypothermie zu verlassen.
-
Bei der Messung der Sauerstoffsättigung wird darauf hingewiesen, dass Pulsoximeter die Werte über- oder unterschätzen können, insbesondere bei Personen mit dunkler Hautfarbe.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie betont, dass eine Sepsis in der Schwangerschaft oft atypisch verläuft und Fieber fehlen kann. Es wird empfohlen, bei der Interpretation der Vitalparameter die physiologischen Veränderungen der Schwangerschaft zu berücksichtigen, da beispielsweise die basale Herzfrequenz natürlicherweise um 10 bis 15 Schläge pro Minute erhöht ist.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie umfasst dieser Zeitraum die ersten vier Wochen nach einer Entbindung. Nach einem Schwangerschaftsabbruch oder einer Fehlgeburt gelten die ersten 24 Stunden als Risikozeitraum.
Die Leitlinie empfiehlt die Bestimmung von Blutgasen inklusive Laktat, Blutkulturen, großem Blutbild und CRP. Zusätzlich sollen Nierenwerte, Leberwerte und der Gerinnungsstatus erhoben werden.
Bei Vorliegen von Hochrisikokriterien wird eine intravenöse Breitbandantibiose innerhalb von einer Stunde empfohlen. Zuvor sollten nach Möglichkeit Blutkulturen abgenommen werden.
Es wird eine Ziel-Sauerstoffsättigung von 94 bis 98 Prozent empfohlen. Bei Personen mit einem Risiko für hyperkapnisches Atemversagen liegt der Zielbereich laut Leitlinie bei 88 bis 92 Prozent.
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Quelle: Suspected sepsis in pregnant or recently pregnant people: recognition, diagnosis and early management (NICE, 2025). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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