Akute Halsschmerzen: Diagnostik und Antibiotikatherapie

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: NICE (2024)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die NICE-Leitlinie NG84 behandelt die antimikrobielle Verschreibungspraxis bei akuten Halsschmerzen, einschließlich Pharyngitis und Tonsillitis. Akute Halsschmerzen sind in den meisten Fällen selbstlimitierend und werden häufig durch virale Infektionen der oberen Atemwege ausgelöst.

Laut Leitlinie dauern die Beschwerden in der Regel etwa eine Woche an. Die meisten Patienten erholen sich in dieser Zeit unabhängig von der Ursache auch ohne den Einsatz von Antibiotika.

Komplikationen durch eine Infektion mit betahämolysierenden Streptokokken der Gruppe A (GABHS) sind bei Erwachsenen und Kindern selten. Die Leitlinie betont, dass der potenzielle, geringe klinische Nutzen von Antibiotika stets gegen mögliche Nebenwirkungen wie Durchfall und Übelkeit abgewogen werden sollte.

Empfehlungen

Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Beurteilung und Behandlung von akuten Halsschmerzen.

Diagnostik und Risikostratifizierung

Es wird empfohlen, den FeverPAIN- oder Centor-Score anzuwenden, um Patienten zu identifizieren, die am ehesten von einer Antibiotikagabe profitieren. Beide Scores helfen bei der Einschätzung der Wahrscheinlichkeit einer bakteriellen Infektion.

Der FeverPAIN-Score (0-5 Punkte) umfasst folgende Kriterien:

  • Fieber in den letzten 24 Stunden

  • Eitrige Tonsillen

  • Rascher Arztbesuch (innerhalb von 3 Tagen nach Symptombeginn)

  • Stark entzündete Tonsillen

  • Kein Husten oder Schnupfen

Der Centor-Score (0-4 Punkte) beinhaltet:

  • Tonsillenexsudat

  • Schmerzhafte vordere zervikale Lymphadenopathie

  • Fieber über 38 Grad Celsius

  • Fehlender Husten

Therapieentscheidung nach Score

Bei einer geringen Wahrscheinlichkeit für einen bakteriellen Infekt (FeverPAIN 0-1 oder Centor 0-2) wird keine Antibiotikaverschreibung empfohlen. Patienten sollten darüber aufgeklärt werden, dass ein Antibiotikum nicht erforderlich ist und bei rascher Verschlechterung ärztliche Hilfe aufgesucht werden sollte.

Bei einer mittleren Wahrscheinlichkeit (FeverPAIN 2-3) sollte laut Leitlinie auf ein Antibiotikum verzichtet oder ein Reserve-Rezept (Back-up-Rezept) ausgestellt werden. Das Reserve-Rezept soll nur eingelöst werden, wenn sich die Symptome nach 3 bis 5 Tagen nicht bessern oder rasch verschlechtern.

Bei einer hohen Wahrscheinlichkeit (FeverPAIN 4-5 oder Centor 3-4) wird eine sofortige Antibiotikaverschreibung oder ein Reserve-Rezept empfohlen. Die Entscheidung sollte mögliche Nebenwirkungen und das geringe Komplikationsrisiko bei Verzicht auf Antibiotika berücksichtigen.

Selbstmedikation und symptomatische Therapie

Zur Linderung von Schmerzen und Fieber wird primär Paracetamol oder alternativ Ibuprofen empfohlen. Die Leitlinie rät zudem zu einer ausreichenden Flüssigkeitszufuhr.

Medizinische Lutschtabletten mit Lokalanästhetika, NSAR oder Antiseptika können erwogen werden, reduzieren den Schmerz jedoch meist nur geringfügig. Von der routinemäßigen Gabe von Kortikosteroiden zur Behandlung akuter Halsschmerzen wird aufgrund von Sicherheitsbedenken und fehlender Langzeitdaten abgeraten.

Indikationen für eine sofortige Therapie oder Überweisung

Eine sofortige Antibiotikagabe wird bei Patienten empfohlen, die systemisch sehr krank sind oder ein hohes Risiko für Komplikationen aufweisen.

Eine sofortige Krankenhauseinweisung wird bei folgenden Anzeichen empfohlen:

  • Schwere systemische Infektionen (Verdacht auf Sepsis)

  • Schwere eitrige Komplikationen wie Peritonsillarabszess (Quinsy)

  • Zellulitis, Parapharyngeal- oder Retropharyngealabszess

  • Lemierre-Syndrom

Dosierung

Die Leitlinie empfiehlt Phenoxymethylpenicillin als Mittel der ersten Wahl, da es ein Schmalspektrum-Antibiotikum mit dem geringsten Resistenzrisiko ist. Eine Behandlungsdauer von 5 Tagen ist oft ausreichend für eine symptomatische Heilung, während 10 Tage die Wahrscheinlichkeit einer mikrobiologischen Heilung erhöhen können.

Dosierung für Erwachsene (ab 18 Jahren)

Indikation / SituationAntibiotikumDosierungDauer
Erste WahlPhenoxymethylpenicillin500 mg 4-mal täglich ODER 1.000 mg 2-mal täglich5 bis 10 Tage
Penicillinallergie (nicht schwanger)Clarithromycin250 mg bis 500 mg 2-mal täglich5 Tage
Penicillinallergie (in der Schwangerschaft)Erythromycin250 mg bis 500 mg 4-mal täglich ODER 500 mg bis 1.000 mg 2-mal täglich5 Tage

Dosierung für Kinder und Jugendliche (unter 18 Jahren)

Alter / GewichtAntibiotikum (Erste Wahl)DosierungDauer
1 bis 11 MonatePhenoxymethylpenicillin62,5 mg 4-mal täglich ODER 125 mg 2-mal täglich5 bis 10 Tage
1 bis 5 JahrePhenoxymethylpenicillin125 mg 4-mal täglich ODER 250 mg 2-mal täglich5 bis 10 Tage
6 bis 11 JahrePhenoxymethylpenicillin250 mg 4-mal täglich ODER 500 mg 2-mal täglich5 bis 10 Tage
12 bis 17 JahrePhenoxymethylpenicillin500 mg 4-mal täglich ODER 1.000 mg 2-mal täglich5 bis 10 Tage

Bei Penicillinallergie oder -unverträglichkeit bei Kindern und Jugendlichen wird Clarithromycin (bzw. Erythromycin bei Schwangeren) gewichtsadaptiert empfohlen:

Gewicht / AlterAntibiotikum (Alternative)DosierungDauer
Unter 8 kgClarithromycin7,5 mg/kg 2-mal täglich5 Tage
8 bis 11 kgClarithromycin62,5 mg 2-mal täglich5 Tage
12 bis 19 kgClarithromycin125 mg 2-mal täglich5 Tage
20 bis 29 kgClarithromycin187,5 mg 2-mal täglich5 Tage
30 bis 40 kgClarithromycin250 mg 2-mal täglich5 Tage
12 bis 17 JahreClarithromycin250 mg bis 500 mg 2-mal täglich5 Tage
8 bis 17 Jahre (Schwangerschaft)Erythromycin250-500 mg 4-mal tägl. ODER 500-1.000 mg 2-mal tägl.5 Tage

Kontraindikationen

Die Leitlinie weist auf folgende Kontraindikationen und Warnhinweise hin:

  • Amoxicillin sollte bei Halsschmerzen vermieden werden, da es bei Vorliegen eines Pfeiffer-Drüsenfiebers (infektiöse Mononukleose) häufig zu erythematösen Hautausschlägen führt.

  • Bei Patienten mit einer atopischen Allergie (z. B. Asthma, Ekzeme, Heuschnupfen) besteht ein erhöhtes Risiko für anaphylaktische Reaktionen auf Penicilline.

  • Patienten mit einer Überempfindlichkeit vom Soforttyp gegen Penicilline können auch auf Cephalosporine und andere Beta-Laktam-Antibiotika reagieren.

  • Der Einsatz von Makroliden (wie Clarithromycin) in der Frühschwangerschaft sollte nur nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen. Erythromycin wird bevorzugt, wenn in der Schwangerschaft zwingend ein Makrolid benötigt wird.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Die Leitlinie betont, dass Amoxicillin bei unklaren Halsschmerzen vermieden werden sollte, da es bei einer unentdeckten infektiösen Mononukleose (Pfeiffer-Drüsenfieber) zu schweren Hautausschlägen führen kann. Zudem wird hervorgehoben, dass eine Antibiotikatherapie die Symptomdauer im Durchschnitt nur um etwa 16 Stunden verkürzt, weshalb bei niedrigen bis mittleren klinischen Scores ein abwartendes Vorgehen mit einem Reserve-Rezept (Back-up-Rezept) empfohlen wird.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie empfiehlt Phenoxymethylpenicillin (Penicillin V) als Mittel der ersten Wahl. Bei einer Penicillinallergie wird Clarithromycin empfohlen, beziehungsweise Erythromycin während der Schwangerschaft.

Laut Leitlinie sind akute Halsschmerzen meist selbstlimitierend und die Symptome klingen in der Regel innerhalb von etwa einer Woche ab. Dies gilt unabhängig davon, ob die Ursache viral oder bakteriell ist.

Es wird empfohlen, die Indikation anhand des FeverPAIN- oder Centor-Scores zu stellen. Bei hohen Werten (FeverPAIN 4-5 oder Centor 3-4) kann eine sofortige Antibiotikagabe oder ein Reserve-Rezept erwogen werden.

Die Leitlinie rät von der routinemäßigen Anwendung von Kortikosteroiden bei akuten Halsschmerzen ab. Dies wird mit Sicherheitsbedenken, fehlenden Langzeitdaten und der Tatsache begründet, dass es sich meist um eine selbstlimitierende Erkrankung handelt.

Ein Reserve-Rezept wird dem Patienten mit der Anweisung ausgestellt, das Antibiotikum erst einzulösen, wenn sich die Symptome nach 3 bis 5 Tagen nicht bessern. Die Leitlinie empfiehlt dieses Vorgehen bei mittlerer Wahrscheinlichkeit für einen bakteriellen Infekt, um unnötige Antibiotikaeinnahmen zu reduzieren.

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Quelle: NG84: Sore throat (acute): antimicrobial prescribing (NICE, 2024). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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