IQWiG2023Onkologie

Selpercatinib: Zusatznutzen bei Schilddrüsenkarzinom

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: IQWiG (2023)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Der Bericht des IQWiG (Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen) bewertet den Zusatznutzen von Selpercatinib. Der Wirkstoff wird als Monotherapie bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren mit fortgeschrittenem RET-mutierten medullären Schilddrüsenkarzinom (MTC) in der Erstlinientherapie angewendet.

Als zweckmäßige Vergleichstherapie wurde vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) Cabozantinib oder Vandetanib festgelegt. Die Bewertung fokussiert sich auf Patientinnen und Patienten, die zuvor keine systemische Therapie erhalten haben.

Grundlage der Bewertung ist das Dossier des pharmazeutischen Unternehmers. Darin wurden Daten aus der nicht kontrollierten Studie LIBRETTO-001 sowie indirekte Vergleiche mit anderen Studien herangezogen.

Empfehlungen

Bewertung des Zusatznutzens

Laut IQWiG-Bericht ist ein Zusatznutzen von Selpercatinib gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie nicht belegt. Es liegen keine geeigneten Daten für eine vergleichende Bewertung vor.

Methodische Mängel der vorgelegten Evidenz

Die vom pharmazeutischen Unternehmer vorgelegten Daten aus der Studie LIBRETTO-001 sind als alleinige Grundlage nicht geeignet. Es handelt sich um eine nicht kontrollierte Studie, die keinen direkten Vergleich ermöglicht.

Auch die vorgelegten indirekten Vergleiche einzelner Studienarme werden vom IQWiG als ungeeignet eingestuft. Die Patientenpopulationen der Interventions- und Vergleichsseite unterscheiden sich laut Bericht deutlich.

Folgende Unterschiede in den Studienpopulationen werden kritisiert:

  • Der zeitliche Abstand zwischen Erstdiagnose und Therapiebeginn war in der Selpercatinib-Studie deutlich länger.

  • Es bestehen potenziell relevante Unterschiede in den Krankheitsstadien (z. B. Anteil an Fernmetastasen).

  • Die Vergleichsstudien schlossen vermutlich Patientinnen und Patienten mit einem aggressiveren Krankheitsverlauf ein.

Fazit zur Datenlage

Aufgrund der fehlenden Vergleichbarkeit bleibt unklar, ob beobachtete Vorteile auf Selpercatinib oder auf Unterschiede in den Patientenpopulationen zurückzuführen sind. Ein Anhaltspunkt für einen Zusatznutzen lässt sich daraus nicht ableiten.

Dosierung

Die Dosierung von Selpercatinib erfolgt gewichtsabhängig.

KörpergewichtEmpfohlene DosisEinnahmehäufigkeit
Unter 50 kg120 mgZweimal täglich
50 kg oder mehr160 mgZweimal täglich

Vor Beginn der Therapie sollte das Vorhandensein einer RET-Gen-Mutation durch einen validierten Test bestätigt werden. Die Behandlung wird bis zur Krankheitsprogression oder inakzeptabler Toxizität fortgesetzt.

Kontraindikationen

Der Bericht nennt folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung:

  • Leberfunktion: Eine engmaschige Überwachung bei eingeschränkter Leberfunktion ist wichtig. ALT und AST sollten vor Therapiebeginn überprüft werden.

  • Kardiovaskulär: Der Blutdruck sollte vor und während der Behandlung überwacht werden.

  • QT-Zeit: Vor Therapiebeginn sollte ein QTcF-Intervall von ≤ 470 ms und normale Serumelektrolyte vorliegen.

  • Interaktionen: Die gleichzeitige Anwendung von starken CYP3A4-Induktoren sollte vermieden werden, da dies die Wirksamkeit vermindern kann.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Bei der Interpretation von indirekten Studienvergleichen in der Onkologie wird oft die Vergleichbarkeit der Studienpopulationen überschätzt. Der IQWiG-Bericht verdeutlicht, dass Unterschiede im Krankheitsstadium und in der Zeit seit der Erstdiagnose die Ergebnisse stark verzerren können. Es wird betont, dass unadjustierte Vergleiche ohne Brückenkomparator in der Regel keine verlässlichen Aussagen zum Zusatznutzen zulassen.

Häufig gestellte Fragen

Laut IQWiG-Bewertung ist ein Zusatznutzen von Selpercatinib in der Erstlinientherapie des RET-mutierten medullären Schilddrüsenkarzinoms nicht belegt. Die vorgelegten Studiendaten ließen keinen fairen Vergleich mit der Standardtherapie zu.

Der Gemeinsame Bundesausschuss hat als zweckmäßige Vergleichstherapie die Wirkstoffe Cabozantinib oder Vandetanib festgelegt. Diese gelten als Standard für die Erstlinientherapie bei dieser Indikation.

Die Hauptstudie LIBRETTO-001 war nicht kontrolliert und bot keinen direkten Vergleichsarm. Die vom Hersteller durchgeführten indirekten Vergleiche mit anderen Studien wurden abgelehnt, da sich die Patientenpopulationen unter anderem im Krankheitsstadium stark unterschieden.

Die Dosierung richtet sich nach dem Körpergewicht der behandelten Person. Bei einem Gewicht unter 50 kg werden zweimal täglich 120 mg verabreicht, ab 50 kg sind es zweimal täglich 160 mg.

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Quelle: IQWiG A22-106: Selpercatinib (Schilddrüsenkarzinom) – Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2023). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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