Selpercatinib bei NSCLC: Indikation bei RET-Fusion
Hintergrund
Der vorliegende Bericht des IQWiG (A22-65) bewertet den Zusatznutzen von Selpercatinib in der Erstlinienbehandlung von erwachsenen Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittenem nicht kleinzelligen Lungenkarzinom (NSCLC).
Voraussetzung für diese zielgerichtete Therapie ist das Vorliegen einer RET-Fusion (Rearranged during Transfection). Die Bewertung unterscheidet zwei Patientengruppen basierend auf der PD-L1-Expression der Tumorzellen (≥ 50 % oder < 50 %), da sich hieraus unterschiedliche zweckmäßige Vergleichstherapien ableiten.
Der pharmazeutische Unternehmer reichte für das Verfahren Daten aus der unkontrollierten Basket-Studie LIBRETTO-001 sowie indirekte Vergleiche mit historischen Kohorten ein. Das IQWiG überprüfte diese Daten auf ihre methodische Eignung zur Ableitung eines Zusatznutzens.
Empfehlungen
Der Bericht formuliert folgende Kernaussagen zur Evidenz und zum Zusatznutzen:
Bewertung der Evidenz
Laut Bericht sind die vorgelegten Daten aus der Studie LIBRETTO-001 nicht für die Bewertung des Zusatznutzens geeignet, da es sich um eine unkontrollierte Studie ohne direkten Vergleichsarm handelt. Zudem wurde in dieser Studie der PD-L1-Status nicht erhoben.
Die vom Hersteller durchgeführten indirekten Vergleiche (MAIC-Analysen) mit anderen Studien werden als methodisch unzureichend eingestuft. Aufgrund der fehlenden PD-L1-Stratifizierung lässt sich nicht überprüfen, ob die Patienten in den historischen Kontrollarmen die korrekte zweckmäßige Vergleichstherapie erhielten.
Fazit zum Zusatznutzen
Das IQWiG kommt zu dem Schluss, dass ein Zusatznutzen von Selpercatinib gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie nicht belegt ist.
Dieses Ergebnis gilt für beide untersuchten Fragestellungen:
-
Patienten mit einer PD-L1-Expression ≥ 50 % der Tumorzellen
-
Patienten mit einer PD-L1-Expression < 50 % der Tumorzellen
Anforderungen an die Anwendung
Für eine qualitätsgesicherte Anwendung wird darauf hingewiesen, dass das Vorhandensein einer RET-Fusion vor Behandlungsbeginn durch einen validierten Test bestätigt sein muss. Die Einleitung und Überwachung der Therapie sollte durch onkologisch erfahrene Ärzte erfolgen.
Es wird eine engmaschige Überwachung folgender Parameter empfohlen:
-
Leberfunktion (ALT und AST vor Therapiebeginn)
-
Blutdruck (vor und während der Behandlung)
-
QT-Intervall und Serum-Elektrolyte
Dosierung
Selpercatinib ist zur oralen Einnahme bestimmt. Die Behandlung wird in der Regel bis zum Krankheitsprogress oder bis zum Auftreten einer inakzeptablen Toxizität fortgesetzt.
| Körpergewicht | Empfohlene Dosis | Einnahmehäufigkeit |
|---|---|---|
| < 50 kg | 120 mg | 2-mal täglich |
| ≥ 50 kg | 160 mg | 2-mal täglich |
Kontraindikationen
Der Bericht nennt folgende Warnhinweise und Einschränkungen für die Therapie:
-
Selpercatinib wird vorwiegend durch CYP3A4 metabolisiert. Die gleichzeitige Anwendung von starken CYP3A4-Induktoren sollte vermieden werden, da das Risiko einer verminderten Wirksamkeit besteht.
-
Eine parallele Verabreichung mit empfindlichen CYP2C8- und CYP3A4-Substraten sollte ebenfalls vermieden werden.
-
Bei der Einnahme von P-Glykoprotein (P-gp)-Substraten ist Vorsicht geboten, da Selpercatinib ein in-vitro-Inhibitor von P-gp ist.
-
Vor Therapiebeginn wird ein QTcF-Intervall von ≤ 470 Millisekunden vorausgesetzt.
💡Praxis-Tipp
Der Bericht hebt hervor, dass vor dem Start einer Therapie mit Selpercatinib zwingend eine RET-Fusion durch einen validierten Test bestätigt werden muss. Zudem wird auf die Notwendigkeit hingewiesen, das QT-Intervall mittels EKG regelmäßig zu überwachen, insbesondere wenn Begleitmedikamente eingesetzt werden, die bekanntermaßen das QT-Intervall verlängern.
Häufig gestellte Fragen
Laut IQWiG-Bericht ist ein Zusatznutzen gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie nicht belegt. Die vom Hersteller vorgelegten Daten aus unkontrollierten Studien und historischen Vergleichen reichten für einen methodisch sicheren Nachweis nicht aus.
Die Dosierung erfolgt gewichtsadaptiert. Bei Patienten ab 50 kg Körpergewicht wird eine Dosis von zweimal täglich 160 mg oral empfohlen, bei unter 50 kg sind es zweimal täglich 120 mg.
Es wird darauf hingewiesen, dass eine RET-Fusion vorab durch einen validierten Test gesichert sein muss. Zudem sollten die Leberwerte (ALT, AST), der Blutdruck, die Serum-Elektrolyte und das QT-Intervall im EKG kontrolliert werden.
Da der Wirkstoff über CYP3A4 metabolisiert wird, wird von der gleichzeitigen Gabe starker CYP3A4-Induktoren abgeraten. Diese können die Wirksamkeit von Selpercatinib signifikant verringern.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: IQWiG A22-65: Selpercatinib (Fortgeschrittenes NSCLC mit RET-Fusion) – Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2022). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
IQWiG A21-27: Selpercatinib (nicht-kleinzelliges Lungenkarzinom) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V
IQWiG A25-159: Selpercatinib (RET-Fusions-positives NSCLC, Erstlinie) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (Ablauf Befristung)
IQWiG A24-63: Selpercatinib (solide Tumore) - Nutzenbewertung gemäß §35a SGB V
IQWiG A21-168: Pralsetinib (RET-Fusions-positives NSCLC) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V
IQWiG A25-59: Repotrectinib (NSCLC) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V
ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien
AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.
Kostenloses Konto erstellen