Sekundäre Immundefekte: Diagnostik und Prophylaxe
Hintergrund
Sekundäre Immundefekte sind erworbene Funktionsstörungen des Immunsystems, die bei hämatologischen und onkologischen Erkrankungen häufig auftreten. Sie können sowohl das angeborene als auch das adaptive Immunsystem betreffen und erhöhen das Risiko für schwere Infektionen signifikant.
Als Ursachen nennt die Onkopedia-Leitlinie neben der Grunderkrankung (wie chronische lymphatische Leukämie oder Multiples Myelom) vor allem iatrogene Faktoren durch zielgerichtete Tumortherapien. Auch metabolische Störungen, Organdysfunktionen oder Malnutrition spielen eine wesentliche Rolle bei der Entstehung.
Klinisch manifestieren sich diese Defekte durch eine pathologische Infektanfälligkeit, die durch häufige, schwer verlaufende oder opportunistische Infektionen gekennzeichnet ist. Zudem kann es zu Immundysregulationen wie Autoimmunerkrankungen oder chronischen Entzündungen kommen.
💡Praxis-Tipp
Bei der Überprüfung der Impfantwort zur Diagnostik eines sekundären Immundefekts ist darauf zu achten, dass die Titer vor und nach der Impfung im selben Labor und mit dem gleichen Assay quantifiziert werden. Zudem weist die Leitlinie darauf hin, dass nach dem Einleiten einer Immunglobulinersatztherapie die körpereigene Impfantwort nicht mehr valide überprüfbar ist. Bei akuter Klinik und schwerer Agammaglobulinämie sollte der Therapiebeginn jedoch nicht für diese Testung verzögert werden.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt eine PjP-Prophylaxe unter anderem bei Therapien mit BTK-, JAK-STAT- oder mTOR-Inhibitoren, wenn die CD4-T-Zellzahl unter 200/µl fällt. Auch bei einer begleitenden hochdosierten Steroidtherapie sollte eine Prophylaxe erwogen werden.
Bei IgG-Werten zwischen 4 und 7 g/L wird eine diagnostische Impfung mit dem Pneumokokken-Konjugatimpfstoff Prevenar-13 empfohlen. Die spezifische Antikörperproduktion sollte 4 bis 8 Wochen nach der Impfung kontrolliert werden.
Unter Ibrutinib treten häufig Pneumonien und andere Atemwegsinfekte auf. Zudem warnt die Leitlinie vor invasiven Pilzinfektionen (insbesondere Aspergillosen), die oft in den ersten drei Therapiemonaten auftreten, sowie vor Hepatitis-B-Reaktivierungen.
Eine Substitution wird bei pathologischer Infektanfälligkeit empfohlen, wenn antimikrobielle Therapien versagen. Voraussetzung ist zudem ein IgG-Wert unter 4 g/L oder eine nachgewiesene pathologische Impfantwort.
Es wird eine obligate PjP-Prophylaxe bis zum Ende der Immunsuppression und Erreichen von >200 CD4-Zellen/µl empfohlen. Ebenso ist eine HSV-Prophylaxe ab Beginn der Konditionierung indiziert.
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Quelle: Immundefekte, sekundär (Onkopedia). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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