Schwieriger Atemweg beim Kind: Diagnostik & Intubation
Hintergrund
Die AWMF-Leitlinie befasst sich mit dem klinischen und organisatorischen Vorgehen bei Kindern, bei denen elektiv oder notfallmäßig ein schwieriger Atemweg erwartet wird. Ein erwartet schwieriger Atemweg wird als akut auftretende oder anatomisch fixierte Anomalie definiert, die zu einer Atemwegsobstruktion oder erschwerten Intubationsbedingungen führen kann.
Da die Inzidenz im Kindesalter mit etwa 0,5 Prozent sehr gering ist, fehlt es oft an individueller und institutioneller Routine. Die Leitlinie dient daher als Entscheidungshilfe, um eine sichere Versorgung zu gewährleisten oder rechtzeitig die Verlegung in ein spezialisiertes Zentrum zu veranlassen.
Eine unmittelbare Übertragung von anästhesiologischen Konzepten aus der Erwachsenenmedizin auf Kinder ist aufgrund anatomischer und physiologischer Besonderheiten nicht möglich. Daher wird ein interdisziplinäres Vorgehen unter Einbeziehung operativer Fachabteilungen betont.
💡Praxis-Tipp
Tritt bei Atemwegsmanipulationen eine Cannot-ventilate-Situation auf, sollte primär an eine funktionelle Atemwegsobstruktion wie einen Laryngospasmus gedacht werden. Die Leitlinie empfiehlt in diesem Fall, die Sedierung zu vertiefen und gegebenenfalls eine Muskelrelaxation durchzuführen, bevor ein invasiver chirurgischer Atemwegszugang (eFONA) erwogen wird. Ein voreiliger chirurgischer Eingriff ohne vorherigen Ausschluss einer funktionellen Obstruktion gilt als fehlerhaft.
Häufig gestellte Fragen
Als Goldstandard für die Sicherung des erwartet schwierigen Atemwegs im Kindesalter empfiehlt die Leitlinie die flexibel-endoskopisch geführte Intubation (FeI). Diese kann nasal oder oral durchgeführt werden, häufig unter Erhalt der Spontanatmung.
Die Leitlinie nennt vier primäre Techniken zur Notfalloxygenierung: die binasale Hochfluss-Sauerstoff-Gabe (THRIVE), die optimierte Maskenbeatmung, die Ventilation über einen Rachentubus sowie supraglottische Atemwegshilfen. Ein chirurgischer Zugang gilt nur als Ultima Ratio.
Laut Leitlinie darf eine Muskelrelaxation erst dann erfolgen, wenn durch assistierte oder kontrollierte Beatmung zweifelsfrei sichergestellt ist, dass eine Ventilation gelingt. Bis zu diesem Zeitpunkt soll die Spontanatmung zwingend erhalten bleiben.
Die korrekte Einführlänge eines Nasopharyngealtubus entspricht laut Leitlinie in der Regel der Distanz vom Nasenloch bis zum Tragus des Kindes. Nach der Platzierung soll die Lage klinisch und idealerweise kapnografisch überprüft werden.
Es wird empfohlen, die Extubation innerhalb der Kernarbeitszeiten und unter optimalen personellen Bedingungen durchzuführen. Bei Bedenken bezüglich der Oxygenierung rät die Leitlinie zu einer reversiblen Extubation mithilfe eines Tubuswechslers.
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Quelle: Management des erwartet schwierigen Atemwegs beim Kind (AWMF). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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