Schwangerschaftsabbruch: Medikamentös und operativ
Hintergrund
Ein Schwangerschaftsabbruch ist ein häufiger medizinischer Eingriff, der entweder medikamentös oder operativ durchgeführt werden kann. Die Sicherheit und Wirksamkeit der Verfahren hängen maßgeblich vom Gestationsalter und der klinischen Organisation ab.
Die NICE-Leitlinie NG140 zielt darauf ab, die Organisation von Versorgungsstrukturen zu verbessern und den Zugang für Betroffene zu erleichtern. Dabei wird betont, dass Verzögerungen im Ablauf minimiert werden sollten, da frühere Eingriffe mit einem geringeren Komplikationsrisiko einhergehen.
Zudem legt die Leitlinie großen Wert auf eine umfassende und nicht-direktive Aufklärung. Dies schließt die Bereitstellung von Informationen zu den verschiedenen Methoden, der Nachsorge sowie der direkten Anbindung an empfängnisverhütende Maßnahmen ein.
Empfehlungen
Die NICE-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen:
Organisation und Aufklärung
Die Leitlinie empfiehlt, den Zugang zu Versorgungsangeboten durch die Möglichkeit der Selbstüberweisung zu erleichtern. Es wird geraten, die Zeitspanne zwischen Anfrage, Assessment und Eingriff auf jeweils maximal eine Woche zu begrenzen.
Zudem wird empfohlen, Betroffene darüber aufzuklären, dass ein Abbruch das Risiko für Infertilität, Brustkrebs oder psychische Erkrankungen nicht erhöht.
Diagnostik und Prophylaxe
Laut Leitlinie kann ein Abbruch bereits vor dem definitiven sonografischen Nachweis einer intrauterinen Schwangerschaft (Dottersack) erwogen werden, sofern keine Anzeichen einer Extrauteringravidität vorliegen.
Zur Infektionsprophylaxe wird bei operativen Abbrüchen eine routinemäßige Antibiotikagabe empfohlen, während sie bei medikamentösen Abbrüchen nicht routinemäßig erfolgen sollte.
Bezüglich der Anti-D-Prophylaxe verweist die Leitlinie auf die WHO-Empfehlung, bei einem Abbruch bis einschließlich 11+6 Schwangerschaftswochen (SSW) bei Rhesus-D-negativen Personen auf eine Prophylaxe zu verzichten.
Medikamentöser Abbruch
Die Leitlinie empfiehlt für den medikamentösen Abbruch:
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Bis einschließlich 9+6 SSW wird die Option der Ausstoßung zu Hause nach Einnahme von Mifepriston empfohlen.
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Bei genau 10+0 SSW wird die Ausstoßung zu Hause nach der Einnahme von Misoprostol empfohlen.
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Bis 10+0 SSW wird standardmäßig ein Intervall von 24 bis 48 Stunden zwischen Mifepriston und Misoprostol empfohlen.
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Bei fortgeschrittener Gestation (ab 10+1 SSW) werden angepasste Misoprostol-Dosierungen in regelmäßigen Intervallen bis zur Ausstoßung empfohlen.
Operativer Abbruch
Für operative Abbrüche wird eine medikamentöse Zervix-Priming-Therapie empfohlen. Bis 13+6 SSW sollte diese laut Leitlinie mit Misoprostol (sublingual oder vaginal) oder alternativ mit Mifepriston erfolgen.
Ab 14+0 SSW wird ebenfalls ein Zervix-Priming empfohlen, wobei je nach SSW osmotische Dilatatoren, Misoprostol oder Mifepriston in Betracht gezogen werden sollten.
Bezüglich der Anästhesie wird empfohlen, die Optionen (Lokalanästhesie, bewusste Sedierung, tiefe Sedierung oder Vollnarkose) individuell zu besprechen.
Nachsorge und Kontrazeption
Nach einem medikamentösen Abbruch zu Hause (bis 10+0 SSW) wird empfohlen, einen niedrig-sensitiven oder Multi-Level-Urin-Schwangerschaftstest zur Bestätigung des Abbruchs bereitzustellen.
Die Leitlinie betont, dass das gesamte Spektrum reversibler Verhütungsmethoden am Tag des Abbruchs verfügbar sein sollte.
Dosierung
| Indikation | Medikament | Dosierung und Anwendung |
|---|---|---|
| Infektionsprophylaxe (operativ) | Doxycyclin | 100 mg oral, zweimal täglich für 3 Tage |
| Medikamentöser Abbruch (10+1 bis 23+6 SSW) | Misoprostol (Initialdosis, 36-48h nach 200 mg Mifepriston) | 800 µg vaginal oder 600 µg sublingual |
| Medikamentöser Abbruch (10+1 bis 23+6 SSW) | Misoprostol (Folgedosen) | 400 µg vaginal, sublingual oder bukkal alle 3 Stunden |
| Medikamentöser Abbruch (24+0 bis 25+0 SSW) | Misoprostol (nach 200 mg Mifepriston) | 400 µg vaginal, bukkal oder sublingual alle 3 Stunden |
| Medikamentöser Abbruch (25+1 bis 28+0 SSW) | Misoprostol (nach 200 mg Mifepriston) | 200 µg vaginal, bukkal oder sublingual alle 4 Stunden |
| Medikamentöser Abbruch (ab 28+0 SSW) | Misoprostol (nach 200 mg Mifepriston) | 100 µg vaginal, bukkal oder sublingual alle 6 Stunden |
| Zervix-Priming (bis 13+6 SSW) | Misoprostol | 400 µg sublingual (1h vorher) oder vaginal (3h vorher) |
| Zervix-Priming (bis 13+6 SSW) | Mifepriston (als Alternative) | 200 mg oral, 24 bis 48 Stunden vorher |
Kontraindikationen
Die Leitlinie formuliert folgende Warnhinweise:
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Bei fortgeschrittener Schwangerschaft ist der Uterus empfindlicher gegenüber Misoprostol.
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Risikofaktoren für eine Uterusruptur umfassen eine vorbestehende Uterusnarbe, ein höheres Gestationsalter und Multiparität.
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Metronidazol sollte zur Infektionsprophylaxe nicht routinemäßig in Kombination mit einem anderen Breitbandantibiotikum (wie Doxycyclin) angeboten werden.
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Misoprostol sollte nicht zum Zervix-Priming angeboten werden, wenn am Vortag bereits ein osmotischer Dilatator eingelegt wurde.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie weist darauf hin, dass bei einem Abbruch vor dem definitiven sonografischen Nachweis einer intrauterinen Schwangerschaft ein geringes Risiko für eine unentdeckte Extrauteringravidität besteht. Es wird empfohlen, Betroffene über entsprechende Warnsymptome aufzuklären und eine engmaschige Nachsorge zur Bestätigung des Abbruchs sicherzustellen.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie wird bei Rhesus-D-negativen Personen bis einschließlich 11+6 SSW keine Anti-D-Prophylaxe empfohlen. Ab 12+0 SSW sollte sichergestellt werden, dass die Prophylaxe ohne Verzögerung zur Verfügung steht.
Die Leitlinie empfiehlt eine routinemäßige Antibiotikaprophylaxe beim operativen Abbruch. Als Option wird orales Doxycyclin (100 mg zweimal täglich für 3 Tage) genannt.
Bis einschließlich 9+6 SSW wird die Ausstoßung zu Hause nach Einnahme von Mifepriston empfohlen. Bei genau 10+0 SSW wird die häusliche Ausstoßung nach der Einnahme von Misoprostol empfohlen.
Es wird empfohlen, den Betroffenen einen niedrig-sensitiven oder Multi-Level-Urin-Schwangerschaftstest zur Verfügung zu stellen. Eine routinemäßige sonografische Kontrolle in der Klinik ist laut Leitlinie nicht zwingend erforderlich.
Die Leitlinie empfiehlt, das gesamte Spektrum reversibler Verhütungsmethoden am Tag des operativen Abbruchs oder am Tag der Mifepriston-Einnahme anzubieten. Intrauterine Systeme sollten beim medikamentösen Abbruch so bald wie möglich nach der Ausstoßung eingelegt werden.
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Quelle: Abortion care (NICE, 2025). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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