WHO2025

Schistosomiasis: Datenerfassung, Analyse und Monitoring

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: WHO (2025)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Schistosomiasis (Bilharziose) ist eine akute und chronische parasitäre Erkrankung, die durch Saugwürmer der Gattung Schistosoma verursacht wird. Die Übertragung erfolgt durch den Kontakt mit Süßwasser, das durch infizierte Schnecken mit Larven (Zerkarien) kontaminiert ist. Weltweit benötigen schätzungsweise 254 Millionen Menschen eine präventive Behandlung, wobei der Großteil der Betroffenen in Afrika lebt.

Gesundheitseinrichtungen spielen eine zentrale Rolle bei der Kontrolle und Elimination der Erkrankung. Sie ermöglichen eine passive Surveillance durch die Erfassung von Testungen, Behandlungen und gemeldeten Fällen. Dies ist besonders in Gebieten mit niedriger Prävalenz wichtig, in denen die Mehrheit der Bevölkerung nicht infiziert ist und Infektionen meist nur eine geringe Intensität aufweisen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) verfolgt das Ziel, Schistosomiasis bis 2030 als öffentliches Gesundheitsproblem zu eliminieren. Um den Fortschritt zu messen und Ressourcen gezielt einzusetzen, ist eine strukturierte Datenerfassung auf Ebene der Gesundheitseinrichtungen unerlässlich. Die vorliegende Leitlinie standardisiert die Indikatoren und Prozesse für das routinemäßige Datenmanagement.

Empfehlungen

Die WHO-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur klinischen Versorgung und Datenerfassung:

Diagnostik und Falldefinitionen

  • Für die urogenitale Schistosomiasis wird in endemischen Gebieten ein bestätigter Fall durch sichtbare Hämaturie, einen positiven Urin-Teststreifen auf Mikrohämaturie oder den mikroskopischen Nachweis von S. haematobium-Eiern im Urin definiert.

  • Für die intestinale Schistosomiasis gilt ein Fall als bestätigt, wenn Eier von S. mansoni, S. japonicum, S. mekongi oder S. intercalatum mikroskopisch im Stuhl nachgewiesen werden.

  • In ressourcenarmen Umgebungen kann die Diagnose laut Leitlinie auch auf Fragebögen (Bericht über Blut im Urin/Stuhl) oder der visuellen Beobachtung von Blut basieren.

Therapie

  • Es wird empfohlen, Praziquantel in allen Gesundheitseinrichtungen zur Verfügung zu stellen.

  • Die Leitlinie empfiehlt die Behandlung aller infizierten Personen unabhängig vom Alter. Dies schließt Kinder unter 2 Jahren sowie stillende und schwangere Frauen (außerhalb des ersten Trimesters) ein.

  • Übrig gebliebene Medikamente aus gemeindebasierten Massenbehandlungen (präventive Chemotherapie) sollen in den Gesundheitseinrichtungen für die klinische Versorgung aufbewahrt werden.

Datenerfassung und Indikatoren

  • Die Dokumentation von Fällen soll standardisiert nach ICD-11 (Code 1F86 und zugehörige Subcodes) erfolgen.

  • Zu den empfohlenen Kernindikatoren gehören die Anzahl der gemeldeten Fälle (aufgeschlüsselt nach Alter, Geschlecht und Diagnosemethode), die jährliche Inzidenz, die Prävalenz sowie die Anzahl der durch Schistosomiasis verursachten Todesfälle.

  • Es wird empfohlen, den Anteil der Personen zu erfassen, die sich mit einer sichtbaren Hämaturie oder einem positiven Teststreifen auf Mikrohämaturie vorstellen.

Datenqualität

  • Die Leitlinie betont die Notwendigkeit, die Datenqualität regelmäßig anhand von drei Hauptkriterien zu überprüfen: Vollständigkeit (Completeness), Pünktlichkeit der Berichterstattung (Timeliness) und Konsistenz (Consistency).

  • Es wird empfohlen, routinemäßige Einrichtungsdaten mit anderen Datenquellen (z. B. bevölkerungsbezogenen Umfragen) abzugleichen, um die externe Konsistenz zu bewerten.

Dosierung

Die Leitlinie empfiehlt Praziquantel als Mittel der Wahl für alle Formen der Schistosomiasis. Die Standarddosierung beträgt 40 mg/kg Körpergewicht als Einzeldosis. Für die praktische Anwendung kann die Dosierung anhand der Körpergröße (mittels eines "Tablet Pole") ermittelt werden:

Körpergewicht (kg)Körpergröße (cm)Anzahl Tabletten (Praziquantel)
10–14,994–1091
15–22,4110–1241,5
22,5–29,9125–1372
30–37,4138–1492,5
37,5–44,9150–1593
45–59,9160–1774
≥ 60≥ 1785

Anmerkung: Kinder unter 5 Jahren oder unter 94 cm Körpergröße können laut Leitlinie individuell mit einer pädiatrischen Formulierung oder zerkleinerten regulären Tabletten behandelt werden.

Kontraindikationen

Laut Leitlinie ist die Behandlung mit Praziquantel bei schwangeren Frauen im ersten Trimester ausgeschlossen.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Die Leitlinie betont, dass auch Kinder unter 2 Jahren bei nachgewiesener Infektion behandelt werden sollen. Hierfür kann medizinisches Personal pädiatrische Formulierungen oder zerkleinerte reguläre Praziquantel-Tabletten verwenden, was in der Praxis häufig übersehen wird.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie empfiehlt Praziquantel als Mittel der Wahl für alle Arten der humanen Schistosomiasis. Es wird in der Regel als Einzeldosis verabreicht.

Ja, laut Leitlinie sollen schwangere Frauen behandelt werden, um Morbidität zu verhindern. Eine Ausnahme bildet lediglich das erste Trimester der Schwangerschaft.

Der Standard ist der mikroskopische Nachweis von Eiern im Urin mittels Filtrationstechnik. Bei Kindern ist zudem ein Urin-Teststreifen auf Mikrohämaturie ein starker Indikator für eine Infektion mit S. haematobium.

Die Leitlinie verweist auf den ICD-11 Code 1F86 für Schistosomiasis. Dieser unterteilt sich weiter, beispielsweise in 1F86.0 für S. haematobium und 1F86.1 für S. mansoni.

Es wird empfohlen, geöffnete Boxen und übrig gebliebene Medikamente aus gemeindebasierten Kampagnen in den Gesundheitseinrichtungen aufzubewahren. Diese sollen dort für die reguläre klinische Behandlung von Patienten genutzt werden.

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Quelle: Routine health information system and health facility data for neglected tropical diseases: Schistosomiasis (WHO, 2025). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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