Schistosomiasis (Bilharziose): Diagnostik und Therapie
Hintergrund
Die AWMF-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin und Internationale Gesundheit (DTG) behandelt die Diagnostik und Therapie der Schistosomiasis (Bilharziose). Die parasitäre Erkrankung tritt vor allem nach Süßwasserkontakt in Endemiegebieten wie Afrika, Teilen Südamerikas, Asiens und des Nahen Ostens auf.
Laut Leitlinie wird zwischen einer Frühphase (Katayama-Syndrom) und einer Spätphase unterschieden. Das Katayama-Syndrom tritt in den ersten drei Monaten nach Exposition auf und äußert sich durch systemische, fieberhafte Reaktionen sowie eine Eosinophilie.
In der chronischen Phase, die Monate bis Jahre nach der Infektion auftritt, manifestiert sich die Erkrankung je nach Erregerspezies unterschiedlich. Es werden gastrointestinale, urogenitale, kardiopulmonale oder neurologische Symptome sowie spezifische Organschäden beschrieben.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie warnt davor, Patienten in der Frühphase der Infektion (Katayama-Syndrom) sofort mit Praziquantel zu behandeln. Das Medikament wirkt nicht ausreichend gegen die noch unreifen Schistosomula, und eine vorzeitige Gabe kann zu einer klinischen Verschlechterung führen. Es wird stattdessen empfohlen, zunächst symptomatisch zu behandeln und die antiparasitäre Therapie erst drei Monate nach der Exposition durchzuführen.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt ein Screening frühestens drei Monate nach dem letzten möglichen Süßwasserkontakt im Endemiegebiet. Vorher können serologische und parasitologische Tests noch falsch-negativ ausfallen.
Abweichend von der Fachinformation empfiehlt die Leitlinie eine Therapiedauer von drei Tagen. Studien bei Reiserückkehrern haben gezeigt, dass eine Eintagestherapie häufig zu Therapieversagern führt.
Eine Behandlung sollte nach Risikoabwägung idealerweise erst nach der Schwangerschaft erfolgen. Die Leitlinie weist jedoch darauf hin, dass die WHO eine Therapie befürwortet, da die Schädigung des Fötus durch die Erkrankung oft größer ist als das medikamentöse Risiko.
Es wird die Untersuchung von drei konsekutiven Sammelurinen (zwischen 10 und 14 Uhr) auf Schistosomen-Eier empfohlen. Zusätzlich ist eine Sonographie des Urogenitaltraktes zum Ausschluss von Organschäden indiziert.
Es werden parasitologische Stuhl- oder Urinuntersuchungen sowie serologische Kontrollen nach 6, 12 und 24 Monaten empfohlen. Ein Abfall der Antikörpertiter ist laut Leitlinie frühestens nach einem Jahr zu erwarten.
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Quelle: Diagnostik und Therapie der Schistosomiasis (Bilharziose) (AWMF). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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