IQWiG2021Neurologie

Risdiplam bei SMA: Zusatznutzen, Dosierung und Evidenz

Diese Leitlinie stammt aus 2021 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: IQWiG (2021)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Der IQWiG-Bericht A21-50 bewertet den Zusatznutzen von Risdiplam zur Behandlung der 5q-assoziierten spinalen Muskelatrophie (SMA). Die Bewertung umfasst Patientinnen und Patienten ab einem Alter von 2 Monaten mit einer klinisch diagnostizierten Typ-1-, Typ-2- oder Typ-3-SMA oder mit 1 bis 4 Kopien des SMN2-Gens.

Die SMA ist eine Erkrankung mit einem heterogenen Phänotyp, der von milder bis sehr schwerer Ausprägung reicht. Die klassische Einteilung nach Typen basiert auf dem Alter bei Symptombeginn und der klinischen Präsentation.

Als zweckmäßige Vergleichstherapie wurde vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) primär Nusinersen oder eine Therapie nach ärztlicher Maßgabe unter Auswahl von Nusinersen oder Best Supportive Care (BSC) festgelegt. Die Bewertung erfolgt differenziert nach den verschiedenen SMA-Typen sowie für präsymptomatische Fälle.

Empfehlungen

Der Bericht formuliert folgende Ergebnisse zum Zusatznutzen je nach Patientengruppe:

SMA Typ 1

Für Säuglinge und Kinder mit SMA Typ 1 sieht das IQWiG einen Anhaltspunkt für einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen im Vergleich zu Nusinersen.

Dieser Vorteil wird maßgeblich durch die orale Darreichungsform von Risdiplam begründet. Die tägliche orale Gabe wird als spürbarer Vorteil gegenüber der regelmäßigen intrathekalen Injektion von Nusinersen und der damit assoziierten Morbidität gewertet.

Zudem legen indirekte Vergleiche der Studien FIREFISH und ENDEAR nahe, dass Risdiplam bezüglich der Endpunkte Gesamtüberleben und dauerhafte Beatmung zumindest nicht unterlegen ist.

SMA Typ 2 und Typ 3

Für Patientinnen und Patienten mit SMA Typ 2 und Typ 3 ist ein Zusatznutzen laut Bericht nicht belegt.

Für diese Gruppen liegen keine geeigneten direkt vergleichenden Daten gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie Nusinersen vor. Die vorgelegte SUNFISH-Studie (Risdiplam vs. Placebo) bildete die Vergleichstherapie nicht adäquat ab.

Präsymptomatische Patientinnen und Patienten

Auch für präsymptomatische Patientinnen und Patienten mit 1 bis 4 SMN2-Genkopien ist ein Zusatznutzen nicht belegt.

Es wurden keine Studiendaten für diese spezifische Population vorgelegt, die einen Vergleich mit Nusinersen oder einer Therapie nach ärztlicher Maßgabe ermöglichen.

Dosierung

Laut Fachinformation wird Risdiplam einmal täglich oral nach einer Mahlzeit eingenommen. Die Dosierung erfolgt gewichtsabhängig:

KörpergewichtEmpfohlene Tagesdosis
Unter 20 kg0,25 mg/kg Körpergewicht
Ab 20 kg5 mg

Bei Säuglingen unter 5 Monaten wurden in der FIREFISH-Studie abweichende, altersabhängige Startdosierungen (0,04 bis 0,2 mg/kg) mit anschließender Aufdosierung verwendet.

Das Arzneimittel liegt als Pulver vor und muss vor der Abgabe durch medizinisches Fachpersonal zu einer Lösung rekonstituiert werden.

Kontraindikationen

Der Bericht hebt basierend auf der Fachinformation folgende Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen hervor:

Reproduktionstoxizität und Fertilität

  • Aufgrund potenzieller embryofetaler Toxizität wird eine hoch zuverlässige Kontrazeption empfohlen.

  • Weibliche Patientinnen müssen diese während der Therapie und mindestens 1 Monat danach anwenden.

  • Männliche Patienten müssen während der Therapie und 4 Monate danach verhüten und dürfen in dieser Zeit keinen Samen spenden.

  • Eine Anwendung in der Schwangerschaft und Stillzeit wird nicht empfohlen.

Weitere Warnhinweise

  • Retinotoxizität: In tierexperimentellen Studien zeigten sich Effekte auf die Netzhautstruktur. Bei gleichzeitiger Gabe anderer retinotoxischer Arzneimittel ist Vorsicht geboten.

  • Wechselwirkungen: Risdiplam kann die Plasmakonzentration von Arzneimitteln erhöhen, die über MATE1 oder MATE2-K eliminiert werden (z. B. Metformin). Eine Dosisreduktion der Begleitmedikation kann erforderlich sein.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Der Bericht betont den patientenrelevanten Vorteil der oralen Applikation von Risdiplam bei SMA Typ 1, da hierdurch die Belastungen und Risiken wiederholter intrathekaler Punktionen entfallen. Gleichzeitig wird auf die Notwendigkeit einer strengen Kontrazeption bei beiden Geschlechtern hingewiesen, da tierexperimentelle Daten auf eine embryofetale Toxizität und eine mögliche Beeinträchtigung der männlichen Fertilität hindeuten.

Häufig gestellte Fragen

Das IQWiG sieht einen Anhaltspunkt für einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen gegenüber Nusinersen. Dieser ergibt sich primär aus der Vermeidung intrathekaler Injektionen durch die tägliche orale Gabe.

Laut IQWiG-Bericht ist ein Zusatznutzen für die Typen 2 und 3 nicht belegt. Es lagen keine geeigneten Studien vor, die Risdiplam direkt mit der zweckmäßigen Vergleichstherapie Nusinersen verglichen haben.

Die Dosierung erfolgt einmal täglich oral und richtet sich nach dem Körpergewicht. Bei einem Gewicht unter 20 kg werden 0,25 mg/kg verabreicht, ab 20 kg beträgt die Tagesdosis 5 mg.

Die Fachinformation warnt vor potenzieller embryofetaler Toxizität. Frauen müssen bis einen Monat und Männer bis vier Monate nach Therapieende eine hoch zuverlässige Verhütungsmethode anwenden.

Ja, Risdiplam kann die Plasmakonzentration von MATE1- oder MATE2-K-Substraten wie Metformin erhöhen. Laut Fachinformation können dadurch Toxizitäten auftreten, weshalb eine Dosisreduktion des Begleitmedikaments erforderlich sein kann.

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Quelle: IQWiG A21-50: Risdiplam (spinale Muskelatrophie) - Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2021). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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