Nusinersen bei spinaler Muskelatrophie: IQWiG-Bewertung
Hintergrund
Der vorliegende Bericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) ist ein Addendum zur Nutzenbewertung von Nusinersen bei 5q-assoziierter spinaler Muskelatrophie (SMA). Es werden ergänzende Auswertungen zu verschiedenen Patientengruppen und Studien (ENDEAR, CHERISH, NURTURE, SHINE) bewertet.
Ziel der Bewertung ist die Ermittlung des Zusatznutzens von Nusinersen im Vergleich zur zweckmäßigen Vergleichstherapie (Best supportive Care, BSC). Dabei wird zwischen frühem Krankheitsbeginn (SMA Typ 1), späterem Krankheitsbeginn (SMA Typ 2) und präsymptomatischen Personen unterschieden.
Die Bewertung stützt sich auf Endpunkte wie Hospitalisierungen, motorische Funktionsfähigkeit (gemessen über Scores wie CHOP INTEND, HFMSE, RULM) sowie das Auftreten unerwünschter Ereignisse.
Empfehlungen
Der IQWiG-Bericht formuliert folgende Bewertungsergebnisse zum Zusatznutzen:
SMA Typ 1 (Früher Krankheitsbeginn)
Für die motorische Funktionsfähigkeit, gemessen mit dem CHOP INTEND, zeigt sich ein statistisch signifikanter und relevanter Vorteil für Nusinersen plus BSC gegenüber der Scheinintervention. Der beobachtete Effekt wird im Studienverlauf größer.
Für den Endpunkt Hospitalisierungen ergibt sich laut Bewertung kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen.
Zusammenfassend wird für diese Gruppe folgender Zusatznutzen abgeleitet:
-
Hinweis auf einen erheblichen Zusatznutzen bei einer Krankheitsdauer von ≤ 12 Wochen.
-
Nicht quantifizierbarer Zusatznutzen bei einer Krankheitsdauer von > 12 Wochen.
SMA Typ 2 (Späterer Krankheitsbeginn)
Die Bewertung der Studie CHERISH zeigt bei krankheitsbezogenen Hospitalisierungen einen statistisch signifikanten Unterschied zugunsten von Nusinersen. Dieser Effekt ist maßgeblich auf schwerwiegende respiratorische Ereignisse zurückzuführen.
Bei spezifischen unerwünschten Ereignissen zeigt sich ein anderes Bild. Es wird ein statistisch signifikanter Unterschied zuungunsten von Nusinersen bei folgenden Endpunkten festgestellt:
-
Erbrechen
-
Kopfschmerzen
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Rückenschmerzen
Langzeitdaten (SHINE-CHERISH) deuten auf eine nachhaltige Verbesserung der Morbiditätsendpunkte (HFMSE, RULM) über etwa 3,5 Jahre hin. Insgesamt gilt der Zusatznutzen für SMA Typ 2 als nicht belegt, da die Umsetzung der BSC in der Studie nicht dem deutschen Versorgungsstandard entsprach.
Präsymptomatische Personen
Für Personen mit 3 SMN2-Genkopien ist laut Bericht eine Übertragung der Evidenz aus der CHERISH-Studie auf die NURTURE-Studie nicht möglich. Die Populationen unterscheiden sich zu stark im Alter bei Therapiebeginn (Median < 23 Tage vs. 4 Jahre).
Daher gilt der Zusatznutzen für präsymptomatische Personen mit 3 SMN2-Genkopien als nicht belegt. Für Personen mit 2 SMN2-Genkopien besteht weiterhin ein Anhaltspunkt für einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen.
Dosierung
Der Bericht weist auf Unterschiede zwischen dem Dosierungsschema der Fachinformation und dem in der Studie SHINE-CHERISH angewendeten Schema hin:
| Schema | Aufsättigungsdosen | Erhaltungsdosis |
|---|---|---|
| Fachinformation | Tag 0, 14, 28 und 63 | k.A. im Text |
| Studie SHINE-CHERISH | Tag 1, 29 und 85 | Alle 4 Monate |
💡Praxis-Tipp
Bei der Behandlung von Personen mit späterem Krankheitsbeginn (SMA Typ 2) wird empfohlen, auf spezifische unerwünschte Ereignisse zu achten. Der Bericht zeigt hier signifikante Nachteile unter Nusinersen bezüglich Erbrechen, Kopf- und Rückenschmerzen. Zudem wird betont, dass Wirksamkeitsdaten von älteren Kindern nicht pauschal auf präsymptomatische Neugeborene übertragen werden können.
Häufig gestellte Fragen
Der IQWiG-Bericht sieht einen Hinweis auf einen erheblichen Zusatznutzen bei einer Krankheitsdauer von bis zu 12 Wochen. Bei einer längeren Krankheitsdauer wird ein nicht quantifizierbarer Zusatznutzen abgeleitet.
Für präsymptomatische Personen mit 2 SMN2-Genkopien gibt es einen Anhaltspunkt für einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen. Für Personen mit 3 SMN2-Genkopien ist ein Zusatznutzen laut Bewertung nicht belegt, da die Studiendaten nicht übertragbar sind.
Die Auswertung zeigt einen statistisch signifikanten Unterschied zuungunsten von Nusinersen bei den Endpunkten Erbrechen, Kopfschmerzen und Rückenschmerzen.
Langzeitdaten aus der SHINE-CHERISH-Studie deuten darauf hin, dass die Verbesserung der motorischen Fähigkeiten über einen Zeitraum von etwa 3,5 Jahren nachhaltig ist. Aussagen über längere Zeiträume sind aufgrund geringer Fallzahlen derzeit nicht möglich.
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Quelle: IQWiG A21-43: Nusinersen (spinale Muskelatrophie) - Addendum zum Auftrag A20-114 (IQWiG, 2021). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.