WHO2024

Rheumatisches Fieber: Diagnostik und Sekundärprophylaxe

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: WHO (2024)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Rheumatisches Fieber (RF) und die rheumatische Herzkrankheit (RHD) stellen weltweit ein erhebliches Gesundheitsproblem dar. Sie werden durch eine Autoimmunreaktion auf Infektionen mit Streptokokken der Gruppe A (GAS), insbesondere Pharyngitis und Hautinfektionen, ausgelöst.

Die erste Episode eines RF tritt am häufigsten bei Kindern zwischen 5 und 14 Jahren auf. Unbehandelt kann dies zu chronischen strukturellen und funktionellen Veränderungen des Herzens führen, die als RHD bezeichnet werden.

Die Prävention gliedert sich in die primäre Vermeidung von RF durch Behandlung von GAS-Infektionen und die sekundäre Prophylaxe zur Verhinderung von Rezidiven. Die WHO-Leitlinie fokussiert sich auf Populationen mit mittlerem bis hohem Risiko für RF/RHD.

Empfehlungen

Die WHO-Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen zur Prävention und Diagnostik:

Diagnostik und Therapie der GAS-Pharyngitis

Es wird empfohlen, Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit Halsschmerzen und einem positiven Test auf GAS-Pharyngitis mit Antibiotika zu behandeln (starke Empfehlung).

In Hochrisikopopulationen ohne Testmöglichkeiten sollte laut Leitlinie bei klinischem Verdacht auf eine GAS-Pharyngitis bei Kindern und Jugendlichen eine empirische Antibiotikatherapie erfolgen.

Als Erstlinientherapie wird Penicillin (intramuskulär oder oral) empfohlen (bedingte Empfehlung).

Diagnostik des rheumatischen Fiebers

Für die Diagnose eines RF bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen wird die Anwendung der revidierten Jones-Kriterien empfohlen (starke Empfehlung). Die Leitlinie rät von vereinfachten diagnostischen Algorithmen ab, da diese zu Über- oder Unterdiagnosen führen können.

Die Leitlinie verweist auf die folgenden revidierten Jones-Kriterien zur Diagnosestellung:

KriteriumNiedrigrisiko-PopulationenMittleres/Hohes Risiko
HauptkriterienKarditis, Polyarthritis, Chorea, Erythema marginatum, subkutane KnötchenKarditis, Arthritis (auch Monoarthritis/Polyarthralgie), Chorea, Erythema marginatum, subkutane Knötchen
NebenkriterienPolyarthralgie, Fieber (≥38,5 °C), BSG ≥60 mm/h oder CRP ≥3,0 mg/dL, verlängertes PR-IntervallMonoarthritis, Fieber (≥38,5 °C), BSG ≥30 mm/h oder CRP ≥3,0 mg/dL, verlängertes PR-Intervall

Echokardiographie

In Gebieten ohne Zugang zur Standard-Echokardiographie kann laut Leitlinie die Handheld-Echokardiographie (HHE) zur Diagnose von RF-Karditis und RHD eingesetzt werden.

Es wird ein echokardiographisches Screening für Kinder und Jugendliche (5 bis 19 Jahre) in Populationen mit mittlerer bis hoher RHD-Prävalenz empfohlen (starke Empfehlung).

Sekundärprophylaxe

Die Leitlinie empfiehlt eine antibiotische Prophylaxe für alle Personen mit diagnostiziertem RF oder RHD, um Rezidive zu verhindern (starke Empfehlung).

  • Als Mittel der ersten Wahl wird intramuskuläres Benzathin-Benzylpenicillin (BPG) empfohlen.

  • Bei Bedarf kann laut Leitlinie orales Penicillin als Alternative eingesetzt werden.

  • Zur Schmerzreduktion bei der intramuskulären Injektion kann dem Präparat ein Lokalanästhetikum beigemischt werden.

Kontraindikationen

Die Leitlinie rät von routinemäßigen Penicillin-Allergietests bei Personen ohne bekannte Allergieanamnese ab, die intramuskuläres Benzathin-Benzylpenicillin zur Sekundärprävention erhalten.

Bei einer Anamnese für leichte Penicillin-Allergien (ohne Anaphylaxie, Angioödem, Stevens-Johnson-Syndrom oder toxische epidermale Nekrolyse) kann laut Leitlinie eine orale Testdosis vor der intramuskulären Gabe erwogen werden.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Die Leitlinie warnt davor, routinemäßige Penicillin-Allergietests bei Personen ohne entsprechende Anamnese durchzuführen. Ein einzelner negativer Test kann eine falsche Sicherheit vermitteln, da allergische Reaktionen jederzeit auftreten können. Stattdessen wird empfohlen, bei der intramuskulären Gabe von Benzathin-Benzylpenicillin stets Notfallmedikamente zur Behandlung einer Anaphylaxie bereitzuhalten.

Häufig gestellte Fragen

Die Leitlinie empfiehlt eine Antibiotikatherapie bei einem positiven Test auf Streptokokken der Gruppe A. In Hochrisikogebieten ohne Testmöglichkeit wird bei Kindern und Jugendlichen auch bei rein klinischem Verdacht eine Behandlung empfohlen.

Zur Primär- und Sekundärprävention wird Penicillin als Erstlinientherapie empfohlen. Für die Langzeitprophylaxe wird intramuskuläres Benzathin-Benzylpenicillin (BPG) bevorzugt.

Laut Leitlinie erfolgt die Diagnose anhand der revidierten Jones-Kriterien. Diese erfordern den Nachweis einer vorangegangenen Streptokokken-Infektion in Kombination mit spezifischen Haupt- und Nebenkriterien.

In Populationen mit mittlerem bis hohem Risiko wird ein Screening für Kinder und Jugendliche zwischen 5 und 19 Jahren empfohlen. Hierbei kann laut Leitlinie auch die Handheld-Echokardiographie (HHE) eingesetzt werden.

Die Leitlinie spricht keine Empfehlung für oder gegen den Einsatz von entzündungshemmenden Medikamenten wie Kortikosteroiden oder NSAR aus. Es gibt keine ausreichende Evidenz, dass diese das Fortschreiten zu einer rheumatischen Herzkrankheit verhindern.

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Quelle: WHO guideline on the prevention and diagnosis of rheumatic fever and rheumatic heart disease (WHO, 2024). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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