Reizdarmsyndrom (RDS): Diagnostik, Therapie, Ernährung

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: NICE (2024)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Das Reizdarmsyndrom (IBS) ist eine chronische, rezidivierende Erkrankung, die häufig lebenslang bestehen bleibt. Die Prävalenz in der Allgemeinbevölkerung wird auf 10 bis 20 Prozent geschätzt.

Am häufigsten sind Personen zwischen 20 und 30 Jahren betroffen, wobei Frauen doppelt so oft erkranken wie Männer. Die NICE-Leitlinie CG61 betont jedoch, dass auch bei älteren Menschen mit unerklärlichen abdominellen Symptomen an ein Reizdarmsyndrom gedacht werden sollte.

Die Symptomatik ist vielfältig und äußert sich meist durch abdominelle Schmerzen, Blähungen und veränderte Stuhlgewohnheiten. Es werden vorwiegend Diarrhö-dominante, Obstipations-dominante oder alternierende Symptomprofile unterschieden.

Empfehlungen

Diagnostik

Laut Leitlinie sollte eine Untersuchung auf ein Reizdarmsyndrom in Betracht gezogen werden, wenn seit mindestens 6 Monaten abdominelle Schmerzen, Blähungen oder Veränderungen der Stuhlgewohnheiten bestehen.

Eine Diagnose wird empfohlen, wenn Schmerzen oder Unwohlsein durch Defäkation gelindert werden oder mit einer veränderten Stuhlfrequenz oder -konsistenz einhergehen. Zusätzlich müssen mindestens zwei der folgenden Symptome vorliegen:

  • Veränderte Stuhlpassage (Pressen, imperativer Stuhldrang, unvollständige Entleerung)

  • Abdominelle Blähungen, Distension oder Verhärtung

  • Verschlechterung der Symptome durch Nahrungsaufnahme

  • Schleimabgang

Zum Ausschluss anderer Erkrankungen empfiehlt die Leitlinie zwingend die Bestimmung von großem Blutbild, Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) oder Plasmaviskosität, CRP sowie Antikörpern gegen Zöliakie (EMA oder TTG). Auf weitere Tests wie Ultraschall, Koloskopie oder Stuhluntersuchungen auf okkultes Blut sollte zur reinen Diagnosesicherung verzichtet werden.

Lebensstil und Ernährung

Es wird empfohlen, die körperliche Aktivität zu erfassen und bei niedrigem Aktivitätsniveau zu einer Steigerung zu raten. Bezüglich der Ernährung rät die Leitlinie zu regelmäßigen Mahlzeiten, einer ausreichenden Flüssigkeitszufuhr (mindestens 8 Tassen) und einer Beschränkung von Tee und Kaffee auf maximal 3 Tassen täglich.

Bei der Ballaststoffzufuhr wird Folgendes empfohlen:

  • Verzicht auf unlösliche Ballaststoffe wie Kleie

  • Bevorzugung von löslichen Ballaststoffen wie Flohsamenschalen (Ispaghula) oder Hafer

  • Reduktion von resistenter Stärke und Begrenzung von frischem Obst auf 3 Portionen (à 80 g) pro Tag

Bei anhaltenden Symptomen kann laut Leitlinie eine spezielle Diät, wie die Low-FODMAP-Diät, durch eine ernährungsmedizinische Fachkraft erwogen werden. Von der Anwendung von Aloe Vera wird explizit abgeraten.

Medikamentöse Therapie

Die medikamentöse Behandlung richtet sich nach den vorherrschenden Symptomen. Die Leitlinie empfiehlt den Einsatz von Spasmolytika nach Bedarf.

Bei Diarrhö gilt Loperamid als Mittel der ersten Wahl. Bei Obstipation sollten Laxanzien eingesetzt werden, wobei von der Gabe von Laktulose abgeraten wird. Die Dosierung von Laxanzien und Antidiarrhoika sollte so titriert werden, dass ein weicher, geformter Stuhl (Typ 4 der Bristol-Stuhlformen-Skala) erreicht wird.

Als Zweitlinientherapie bei unzureichendem Ansprechen auf Spasmolytika, Loperamid oder Laxanzien können trizyklische Antidepressiva (TCA) erwogen werden. Bei Wirkungslosigkeit von TCAs können selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) in Betracht gezogen werden.

Psychologische Interventionen

Wenn nach 12 Monaten keine Besserung durch pharmakologische Therapien eintritt und sich ein refraktäres Symptomprofil entwickelt, wird eine Überweisung zu psychologischen Interventionen empfohlen. Hierzu zählen kognitive Verhaltenstherapie (CBT), Hypnotherapie oder psychologische Therapie.

Von Akupunktur und Reflexzonenmassage zur Behandlung des Reizdarmsyndroms wird laut Leitlinie abgeraten.

Dosierung

Die Leitlinie nennt spezifische medikamentöse Ansätze für verschiedene Symptomprofile:

Wirkstoff / KlasseIndikationDosierung / Anwendungshinweise
LoperamidDiarrhö-dominantes IBSMittel der ersten Wahl, Titration nach Bristol-Stuhlformen-Skala (Ziel: Typ 4)
Laxanzien (außer Laktulose)Obstipations-dominantes IBSTitration nach Bristol-Stuhlformen-Skala (Ziel: Typ 4)
LinaclotidTherapierefraktäre ObstipationNur wenn maximale Dosen verschiedener Laxanzien über 12 Monate erfolglos waren
Trizyklische Antidepressiva (TCA)Zweitlinientherapie bei SchmerzenStart mit 5-10 mg (Amitriptylin-Äquivalent) zur Nacht, Steigerung bis max. 30 mg
SSRIZweitlinientherapie bei SchmerzenNur bei Unwirksamkeit von TCAs

Kontraindikationen

Die Leitlinie rät explizit von bestimmten Maßnahmen und Therapien ab:

  • Laktulose sollte bei der Behandlung von Verstopfung im Rahmen eines Reizdarmsyndroms nicht verwendet werden.

  • Unlösliche Ballaststoffe (wie Weizenkleie) sollten vermieden werden.

  • Von der Einnahme von Aloe Vera zur Behandlung wird abgeraten.

  • Akupunktur und Reflexzonenmassage werden nicht zur Therapie empfohlen.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Ein häufiger Fehler in der Praxis ist die ungerichtete apparative Diagnostik. Die Leitlinie betont, dass bei Erfüllung der klinischen Diagnosekriterien und Fehlen von Red Flags auf Untersuchungen wie Koloskopie, Ultraschall oder Stuhltests auf okkultes Blut verzichtet werden sollte. Stattdessen wird eine gezielte Basis-Labordiagnostik inklusive Zöliakie-Screening empfohlen.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie sollten ein großes Blutbild, Entzündungsparameter (BSG oder CRP) sowie Antikörper zum Ausschluss einer Zöliakie (EMA oder TTG) bestimmt werden. Weitere Tests sind bei typischer Symptomatik nicht routinemäßig erforderlich.

Es wird empfohlen, lösliche Ballaststoffe wie Flohsamenschalen (Ispaghula) oder Hafer zu verwenden. Unlösliche Ballaststoffe wie Kleie sollten hingegen gemieden werden, da sie die Symptome verschlechtern können.

Trizyklische Antidepressiva werden als Zweitlinientherapie in einer niedrigen Dosierung empfohlen. Die Leitlinie rät zu einem Start mit 5 bis 10 mg Amitriptylin-Äquivalent zur Nacht, mit einer maximalen Steigerung auf in der Regel 30 mg.

Eine Low-FODMAP-Diät sollte laut Leitlinie erst erwogen werden, wenn allgemeine Lebensstil- und Ernährungsanpassungen keine Besserung bringen. Sie sollte ausschließlich unter Anleitung einer ernährungsmedizinischen Fachkraft durchgeführt werden.

Als Mittel der ersten Wahl bei Diarrhö wird Loperamid empfohlen. Die Dosis sollte so angepasst werden, dass ein weicher, geformter Stuhl entsprechend Typ 4 der Bristol-Stuhlformen-Skala erreicht wird.

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Quelle: CG61: Irritable bowel syndrome in adults (NICE, 2024). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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