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Raucherentwöhnung: Leitlinie zur Tabakentwöhnung (RACGP)

KI-generierte Zusammenfassung · Basiert auf RACGP Leitlinie · Erstellt: April 2026 · Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

📋Auf einen Blick

  • Allen rauchenden Patienten sollte routinemäßig eine Kurzintervention zur Raucherentwöhnung angeboten werden.
  • Die Kombinationstherapie aus Nikotinpflaster und oralem Nikotinersatz ist wirksamer als eine Monotherapie.
  • Vareniclin ist die wirksamste medikamentöse Monotherapie zur Raucherentwöhnung.
  • Nikotinersatztherapie (NET) ist bei Patienten mit stabiler Herz-Kreislauf-Erkrankung sicher anwendbar.
  • Nikotinhaltige E-Zigaretten können als Zweitlinientherapie erwogen werden, wenn zugelassene Therapien versagt haben.
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Hintergrund

Tabakkonsum ist eine chronische Erkrankung und die führende Ursache für vermeidbare Krankheiten. Die RACGP-Leitlinie empfiehlt, allen rauchenden Patienten bei jeder Gelegenheit eine Entwöhnungsbehandlung anzubieten (Starke Empfehlung, hohe Evidenz). Eine Kombination aus Verhaltensunterstützung und Pharmakotherapie erzielt die höchsten Erfolgsquoten.

Interventionsstrategien

Die Leitlinie empfiehlt strukturierte Ansätze für den klinischen Alltag, um Patienten systematisch zu erfassen und zu unterstützen.

Umfassende Intervention (5A-Strategie)

SchrittMaßnahmeKlinische Umsetzung
AskErfassenRaucherstatus bei allen Patienten erfragen und dokumentieren.
AssessBeurteilenNikotinabhängigkeit prüfen (Zeit bis zur ersten Zigarette < 30 Min. = abhängig).
AdviseBeratenKlar, aber nicht konfrontativ zum Rauchstopp raten.
AssistUnterstützenQuit-Plan erstellen, Pharmakotherapie empfehlen, Verhaltensunterstützung anbieten.
ArrangeNachsorgeFollow-up innerhalb einer Woche nach dem Rauchstopp planen.

Medikamentöse Therapie

Eine Pharmakotherapie sollte allen nikotinabhängigen Rauchern in Kombination mit Verhaltensunterstützung empfohlen werden (Starke Empfehlung, hohe Evidenz).

WirkstoffWirksamkeitIndikation / BemerkungEvidenzgrad
VareniclinSehr hochWirksamste Monotherapie. Kombination mit NET möglich.Starke Empfehlung
Kombinations-NETSehr hochPflaster + orales Präparat. Wirksamer als NET-Monotherapie.Starke Empfehlung
NET-MonotherapieHochPflaster oder orales Präparat.Starke Empfehlung
BupropionHochWeniger wirksam als Vareniclin oder Kombi-NET.Starke Empfehlung
NortriptylinMittelNur als Zweitlinientherapie aufgrund des Nebenwirkungsprofils.Starke Empfehlung

Nikotinersatztherapie (NET) im Detail

  • Kombinationstherapie: Die Kombination aus Nikotinpflaster (für einen konstanten Basisspiegel) und einem schnell wirksamen oralen Präparat (Kaugummi, Spray für Durchbruch-Craving) wird für abhängige Raucher empfohlen (Starke Empfehlung, moderate Evidenz).
  • Dosierung: Bei starker Abhängigkeit sollten höher dosierte orale Präparate (z. B. 4 mg statt 2 mg Kaugummi) verwendet werden.
  • Verlängerte Gabe: Zur Rückfallprävention kann nach Abschluss der Standardtherapie eine zusätzliche NET-Kur erwogen werden (Bedingte Empfehlung, niedrige Evidenz).

Spezielle Patientengruppen

Herz-Kreislauf-Erkrankungen

  • NET ist bei stabiler kardiovaskulärer Erkrankung sicher anwendbar (Starke Empfehlung, hohe Evidenz).
  • Vorsicht ist geboten bei frischem Myokardinfarkt (innerhalb von 6 Wochen), instabiler Angina pectoris oder schweren Arrhythmien. Hier sollte NET nur unter medizinischer Überwachung eingesetzt werden, wenn die Alternative das Weiterrauchen ist (Starke Empfehlung, moderate Evidenz).

Schwangerschaft

  • Verhaltensunterstützung ist die Therapie der ersten Wahl.
  • NET kann erwogen werden, wenn ein Rauchstopp durch reine Verhaltensunterstützung nicht gelingt (Bedingte Empfehlung, niedrige Evidenz). Vareniclin und Bupropion sind in der Schwangerschaft kontraindiziert.

E-Zigaretten und Nikotin-Vaping-Produkte (NVPs)

Für Patienten, die mit zugelassenen Erstlinientherapien gescheitert sind und weiterhin motiviert sind aufzuhören, können NVPs als Zweitlinientherapie erwogen werden (Bedingte Empfehlung, niedrige Evidenz).

Praxisregeln für die Verschreibung von NVPs:

  • Geschlossene Systeme (Pods) bevorzugen, offene Systeme meiden (Vergiftungs- und Kontaminationsgefahr).
  • Keine Free-Base-Nikotinkonzentrationen über 20 mg/mL verschreiben.
  • Verschreibungsmenge auf maximal 3 Monate begrenzen.
  • Dual Use (gleichzeitiges Rauchen und Vapen) strikt vermeiden und die Langzeitnutzung minimieren.

💡Praxis-Tipp

Fragen Sie zur schnellen Einschätzung der Nikotinabhängigkeit nach der Zeit bis zur ersten Zigarette nach dem Aufwachen. Ein Konsum innerhalb der ersten 30 Minuten ist der zuverlässigste Indikator für eine starke Abhängigkeit und rechtfertigt den Einsatz von Kombinations-NET oder Vareniclin.

Häufig gestellte Fragen

Ja, bei stabiler Herz-Kreislauf-Erkrankung ist die NET sicher. Bei frischem Herzinfarkt oder instabiler Angina sollte sie jedoch nur unter medizinischer Überwachung eingesetzt werden.
Die Kombination aus beidem (Kombinations-NET) ist signifikant wirksamer als eine Monotherapie und wird als Standard für abhängige Raucher empfohlen.
Wenn ein Rauchstopp durch reine Verhaltensunterstützung nicht gelingt, kann eine NET nach ärztlicher Abwägung eingesetzt werden. Andere Medikamente wie Vareniclin sind kontraindiziert.
Nur als Zweitlinientherapie, wenn zugelassene Methoden (NET, Vareniclin) versagt haben. Es sollten geschlossene Systeme mit maximal 20 mg/mL Nikotin verschrieben werden.
Die Frage 'Wie bald nach dem Aufwachen rauchen Sie Ihre erste Zigarette?' ist der zuverlässigste Einzelindikator. Ein Konsum innerhalb von 30 Minuten spricht für eine Abhängigkeit.

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