Quizartinib bei AML: Indikation und Zusatznutzen
Hintergrund
Der IQWiG-Bericht aus dem Jahr 2024 bewertet den Zusatznutzen von Quizartinib bei erwachsenen Patientinnen und Patienten. Es geht um die Behandlung der neu diagnostizierten akuten myeloischen Leukämie (AML), die FLT3-ITD-positiv ist.
Der Wirkstoff wird in Kombination mit einer Standard-Induktions- und Konsolidierungschemotherapie eingesetzt. Daran schließt sich eine Erhaltungstherapie mit Quizartinib als Monotherapie an.
Das Institut vergleicht die vom pharmazeutischen Unternehmer eingereichten Daten mit der vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) festgelegten zweckmäßigen Vergleichstherapie. Diese sieht unter anderem den Einsatz von Midostaurin vor.
Empfehlungen
Der Bericht formuliert folgende Kernaussagen zur Evidenz und zum Zusatznutzen:
Eingereichte Evidenz
Der pharmazeutische Unternehmer reichte die randomisierte, doppelblinde Phase-3-Studie QuANTUM-First ein. Diese verglich Quizartinib in allen drei Therapiephasen mit Placebo.
Laut IQWiG ist diese Studie für die Nutzenbewertung nicht geeignet. Die vom G-BA festgelegte zweckmäßige Vergleichstherapie wurde nicht umgesetzt.
Fehlender direkter Vergleich
Das Institut bemängelt insbesondere das Fehlen des Therapiestandards Midostaurin im Vergleichsarm. Die Leitlinien empfehlen Midostaurin als Standard bei FLT3-mutierter AML.
In der Studie erhielten die Kontrollgruppen stattdessen:
-
Induktion: Chemotherapie ohne Midostaurin
-
Konsolidierung: Hochdosiertes Cytarabin ohne Midostaurin
-
Erhaltung: Placebo anstelle von zugelassenen oder empfohlenen Wirkstoffen wie Azacitidin, Midostaurin oder Sorafenib
Fazit zum Zusatznutzen
Aufgrund der ungeeigneten Studiendaten liegen keine verwertbaren Ergebnisse für den direkten Vergleich vor.
Das IQWiG stellt fest, dass ein Zusatznutzen von Quizartinib nicht belegt ist. Die abschließende Entscheidung über den Zusatznutzen obliegt dem G-BA.
Dosierung
Die Dosierung von Quizartinib erfolgt laut den im Bericht zitierten Fachinformationen phasenabhängig:
| Therapiephase | Dosierung | Dauer |
|---|---|---|
| Induktion | 35,4 mg (2x 17,7 mg) 1x täglich | 2 Wochen pro Zyklus |
| Konsolidierung | 35,4 mg 1x täglich | 2 Wochen pro Zyklus |
| Erhaltung (Start) | 26,5 mg 1x täglich | Tag 1 bis 14 des Zyklus |
| Erhaltung (Erhöhung) | 53 mg (2x 26,5 mg) 1x täglich | Ab Tag 15 (wenn QTcF ≤ 450 ms) |
Bei gleichzeitiger Gabe von starken CYP3A4-Inhibitoren ist eine Dosisreduktion auf 20 mg/Tag (Induktion/Konsolidierung) beziehungsweise 30 mg/Tag (Erhaltung) erforderlich.
Kontraindikationen
Der Bericht verweist auf folgende Warnhinweise und Kontraindikationen aus dem Risikomanagement-Plan:
-
QT-Verlängerung: Quizartinib ist kontraindiziert bei angeborenem Long-QT-Syndrom. Die Therapie darf bei einem QTcF-Intervall von über 450 ms nicht begonnen werden.
-
Kardiales Monitoring: Es sind regelmäßige EKG-Kontrollen durchzuführen, insbesondere bei Dosiserhöhungen oder Begleitmedikation, die das QT-Intervall verlängert.
-
Elektrolytstörungen: Vor und während der Therapie ist auf Hypokaliämie und Hypomagnesiämie zu achten und diese zu korrigieren.
-
Infektionsrisiko: Bei älteren Personen (über 65 Jahre) traten in der Anfangsphase häufiger tödliche Infektionen auf.
-
Teratogenität: Frauen im gebärfähigen Alter und männliche Personen mit Partnerinnen im gebärfähigen Alter müssen während und nach der Therapie wirksam verhüten.
💡Praxis-Tipp
Ein zentraler Aspekt bei der Anwendung von Quizartinib ist das strikte EKG-Monitoring aufgrund des Risikos für QT-Verlängerungen und Torsade de Pointes. Es wird darauf hingewiesen, dass die Erhaltungsdosis nach zwei Wochen nur dann von 26,5 mg auf 53 mg erhöht werden darf, wenn das korrigierte QT-Intervall (QTcF) 450 ms nicht überschreitet. Zudem erfordert die gleichzeitige Gabe starker CYP3A4-Inhibitoren zwingend eine Dosisreduktion.
Häufig gestellte Fragen
Der Wirkstoff wird bei erwachsenen Personen mit neu diagnostizierter akuter myeloischer Leukämie (AML) eingesetzt. Voraussetzung ist laut Bericht der Nachweis einer FLT3-ITD-Mutation.
Das Institut bemängelt, dass die eingereichte Zulassungsstudie QuANTUM-First den Wirkstoff nur mit Placebo vergleicht. Die vom G-BA geforderte zweckmäßige Vergleichstherapie, die Midostaurin beinhaltet, wurde nicht umgesetzt.
Die Erhaltungstherapie beginnt mit 26,5 mg einmal täglich. Wenn das QTcF-Intervall nach zwei Wochen bei maximal 450 ms liegt, wird die Dosis auf 53 mg täglich erhöht.
Das Medikament darf bei einem angeborenen Long-QT-Syndrom nicht angewendet werden. Auch bei einem Ausgangs-QTcF-Intervall von über 450 ms darf die Therapie nicht gestartet werden.
Ja, bei gleichzeitiger Anwendung von starken CYP3A4-Inhibitoren muss die Dosis reduziert werden. Dies liegt an der erhöhten Bioverfügbarkeit von Quizartinib unter dieser Komedikation.
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Quelle: IQWiG A24-16: Quizartinib (akute myeloische Leukämie) – Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2024). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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