Psychose & Schizophrenie: Diagnostik und Therapie
Hintergrund
Die NICE-Leitlinie CG178 behandelt die Prävention und das Management von Psychosen und Schizophrenie bei Erwachsenen. Sie fokussiert sich auf die Früherkennung, die Behandlung akuter Episoden und die langfristige Genesung der Betroffenen.
Schizophrenie und andere psychotische Störungen sind durch positive Symptome wie Halluzinationen und Wahnvorstellungen sowie negative Symptome wie emotionale Apathie gekennzeichnet. Oft geht einer ersten Episode eine Prodromalphase voraus, in der sich erste funktionelle Einschränkungen zeigen.
Neben der psychiatrischen Behandlung betont das Dokument die hohe Relevanz der körperlichen Gesundheit. Menschen mit Schizophrenie haben ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre und metabolische Begleiterkrankungen, weshalb ein strukturiertes Monitoring essenziell ist.
Empfehlungen
Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für den klinischen Alltag:
Prävention und Früherkennung
Bei Personen mit einem erhöhten Risiko für die Entwicklung einer Psychose wird eine individuelle kognitive Verhaltenstherapie (CBT) empfohlen. Dies gilt insbesondere bei transienten psychotischen Symptomen oder einer positiven Familienanamnese.
Die Leitlinie rät ausdrücklich davon ab, antipsychotische Medikamente zur Prävention einer Psychose einzusetzen.
Diagnostik und Assessment
Vor dem Start einer antipsychotischen Therapie müssen laut Leitlinie zwingend Basisuntersuchungen erfolgen. Dazu gehören die Erfassung von Gewicht, Taillenumfang, Puls, Blutdruck, Nüchternblutzucker (oder HbA1c) sowie des Blutlipidprofils.
Ein EKG vor Therapiebeginn wird in folgenden Fällen empfohlen:
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Wenn es in der Fachinformation (SPC) des Medikaments gefordert wird
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Bei identifizierten kardiovaskulären Risiken in der körperlichen Untersuchung
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Bei einer persönlichen Anamnese von Herz-Kreislauf-Erkrankungen
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Bei einer stationären Aufnahme
Pharmakologische Therapie
Bei einer Erstepisode oder einer akuten Exazerbation wird die Gabe eines oralen Antipsychotikums in Kombination mit psychologischen Interventionen empfohlen. Die Behandlung sollte als individueller therapeutischer Versuch betrachtet werden.
Die Dosis sollte am unteren Ende des zugelassenen Bereichs begonnen und langsam titriert werden. Bei unzureichendem Ansprechen auf mindestens zwei verschiedene Antipsychotika in adäquater Dosis wird der Einsatz von Clozapin empfohlen. Eines der zuvor eingesetzten Medikamente muss ein Nicht-Clozapin-Antipsychotikum der zweiten Generation sein.
Psychologische Interventionen
Die Leitlinie empfiehlt für alle Betroffenen eine Kombination aus medikamentöser und psychologischer Therapie. Folgende Interventionen sollten angeboten werden:
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Kognitive Verhaltenstherapie (CBT) mit mindestens 16 geplanten Sitzungen
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Familieninterventionen über 3 bis 12 Monate mit mindestens 10 Sitzungen
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Kunsttherapien, insbesondere zur Linderung von negativen Symptomen
Monitoring und Nachsorge
Das körperliche Monitoring unter einer Antipsychotika-Therapie ist essenziell, um metabolische und kardiovaskuläre Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen. Die Leitlinie gibt folgende Kontrollintervalle vor:
| Parameter | Häufigkeit |
|---|---|
| Gewicht | Wöchentlich (Woche 1-6), dann Woche 12, 1 Jahr, jährlich |
| Taillenumfang | Jährlich |
| Puls & Blutdruck | Woche 12, 1 Jahr, jährlich |
| Nüchternblutzucker / HbA1c & Lipide | Woche 12, 1 Jahr, jährlich |
Kontraindikationen
Die Leitlinie formuliert folgende Kontraindikationen und Warnhinweise:
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Bupropion: Darf Personen mit Psychose nicht zur Raucherentwöhnung angeboten werden.
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Vareniclin und Bupropion: Es wird vor einem erhöhten Risiko für unerwünschte neuropsychiatrische Symptome gewarnt. Eine regelmäßige Überwachung in den ersten 2 bis 3 Wochen ist erforderlich.
-
Kombinationstherapie: Eine reguläre Kombination verschiedener Antipsychotika sollte nicht initiiert werden (Ausnahme: kurzzeitige Überlappung bei einer Medikamentenumstellung).
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Rapid Neuroleptisation: Eine Aufsättigungsdosis (Loading Dose) von Antipsychotika wird nicht empfohlen.
💡Praxis-Tipp
Ein häufiger Fehler in der Primärversorgung ist der voreilige Einsatz von Antipsychotika. Die Leitlinie betont, dass bei einer Erstepisode einer Psychose keine antipsychotische Medikation in der Hausarztpraxis begonnen werden sollte, ohne vorher einen Facharzt für Psychiatrie zu konsultieren. Zudem wird ausdrücklich davor gewarnt, Antipsychotika zur reinen Prävention bei Personen mit erhöhtem Psychoserisiko einzusetzen.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie wird ein EKG empfohlen, wenn dies in der Fachinformation gefordert wird oder eine körperliche Untersuchung spezifische kardiovaskuläre Risiken zeigt. Auch bei einer stationären Aufnahme oder einer persönlichen Anamnese von Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist ein EKG indiziert.
Es wird eine kognitive Verhaltenstherapie (CBT) mit mindestens 16 Sitzungen sowie eine Familienintervention empfohlen. Zusätzlich kann eine Kunsttherapie erwogen werden, um insbesondere negative Symptome zu lindern.
Die Leitlinie empfiehlt Clozapin, wenn die Erkrankung auf die sequenzielle Gabe von mindestens zwei verschiedenen Antipsychotika in adäquater Dosis nicht ausreichend angesprochen hat. Eines dieser Medikamente muss ein Nicht-Clozapin-Antipsychotikum der zweiten Generation sein.
Es wird empfohlen, das Gewicht in den ersten 6 Wochen wöchentlich zu kontrollieren. Danach sollte eine Messung nach 12 Wochen, nach einem Jahr und anschließend jährlich erfolgen.
Nein, die Leitlinie rät strikt davon ab, antipsychotische Medikamente zur Prävention einer Psychose bei Risikopatienten einzusetzen. Stattdessen wird eine kognitive Verhaltenstherapie empfohlen.
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Quelle: CG178: Psychosis and schizophrenia in adults (NICE, 2024). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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