Elektrochemotherapie bei Prostatakarzinom (Radiol Oncol)
📋Auf einen Blick
- •Die Elektrochemotherapie (ECT) kombiniert reversible Elektroporation mit intravenösem Bleomycin zur gezielten Tumorablation.
- •In einer Kohorte von 144 Patienten zeigte sich nach 3 Monaten eine Komplettremissionsrate von 75 %.
- •Das 1-Jahres-PFS (progressionsfreies Überleben) lag in der Gesamtkohorte bei 88 %, bei T1/T2-Tumoren sogar bei 100 %.
- •Harnkontinenz und erektile Funktion blieben bei der überwiegenden Mehrheit der Patienten langfristig erhalten.
- •Die Therapie erwies sich auch bei lokal fortgeschrittenen Tumoren und unter laufender Immuntherapie als sicher.
Hintergrund
Das Prostatakarzinom (PCa) wird je nach Stadium unterschiedlich behandelt. Fokale Therapien bieten einen intermediären Ansatz, der eine geringere Toxizität als die radikale Prostatektomie aufweist und eine bessere Tumorkontrolle als Active Surveillance ermöglicht. Die Elektrochemotherapie (ECT) ist ein lokalisiertes, nicht-thermisches Verfahren, das die reversible Elektroporation von Tumorzellen mit einer niedrig dosierten intravenösen Chemotherapie (meist Bleomycin) kombiniert. Durch die Elektroporation kann das Bleomycin effektiv in die sich teilenden Krebszellen eindringen, während gesundes Gewebe geschont wird.
Patienten und Indikation
In der retrospektiven Kohortenstudie wurden 144 Männer behandelt, die für Standardtherapien nicht in Frage kamen oder diese ablehnten. Die Kohorte umfasste verschiedene Risikogruppen (nach D'Amico: 86 % Hochrisiko, 13 % intermediäres Risiko, 1 % Niedrigrisiko). 34 % der Patienten hatten bereits Vortherapien (z. B. IRE, radikale Prostatektomie, Radiotherapie) erhalten.
Durchführung der ECT
Der Eingriff erfolgt in Steinschnittlage unter Vollnarkose. Die durchschnittliche Dauer betrug 106 ± 26 Minuten.
| Schritt | Maßnahme | Bemerkung |
|---|---|---|
| 1. Vorbereitung | Katheterisierung (Charr. 16) | Kontinuierliche Blasenspülung |
| 2. Elektrodenplatzierung | 5-8 Elektroden transperineal | Ultraschallgesteuert, basierend auf präoperativen MRT-Bildern |
| 3. Chemotherapie | Bleomycin i.v. (Bolus) | Dosis: 29 ± 1 mg (körperoberflächenadaptiert) |
| 4. Elektroporation | 8-24 elektrische Impulse | Exakt 8 Minuten nach Bleomycin-Gabe (1000 V/cm) |
Klinische Wirksamkeit
Das kurzfristige Ansprechen wurde nach 3 Monaten mittels MRT (RECIST-Kriterien) und PSA-Wert evaluiert. Das Ansprechen korrelierte signifikant mit dem TNM-Stadium, dem Gleason-Score und dem prä-interventionellen PSA-Wert.
| Ansprechen (3 Monate) | Anteil der Patienten (n=117) |
|---|---|
| Komplettremission (CR) | 75 % |
| Partielle Remission (PR) | 18 % |
| Stable Disease (SD) | 5 % |
| Progressive Disease (PD) | 2 % |
Langzeitverlauf und Überleben
Das 1-Jahres-progressionsfreie Überleben (PFS) der Gesamtkohorte lag bei 88 %. Es zeigte sich eine starke Abhängigkeit vom Tumorstadium:
- T1/T2-Stadium: 100 % 1-Jahres-PFS
- T3/T4-Stadium: 83 % 1-Jahres-PFS
- Gleason 6-7a: 96 % 1-Jahres-PFS
Sicherheit und Lebensqualität
Die ECT erwies sich als äußerst sicher und gut verträglich. Unerwünschte Ereignisse waren mild und vorübergehend (z. B. intraprostatisches Ödem bei 14,5 %, Rektumwandreizung bei 3,4 %).
- Harnkontinenz: Bei Patienten, die vor der ECT voll kontinent waren, trat im Follow-up keine Inkontinenz auf. Vorbestehende schwere Inkontinenz bildete sich nach 12 Monaten komplett zurück (0 %).
- Erektile Funktion: Nur 9 Patienten (6 %) entwickelten nach der ECT eine schwere erektile Dysfunktion. Nach 12 Monaten bestand diese nur noch bei einem einzigen Patienten (0,7 %).
- Immuntherapie: Bei 10 Patienten, die parallel Pembrolizumab erhielten, zeigte sich keine erhöhte Toxizität.
💡Praxis-Tipp
Die Elektrochemotherapie (ECT) bietet sich als vielversprechende fokale Therapieoption für Patienten an, die radikale Standardtherapien ablehnen, da das Risiko für dauerhafte Inkontinenz und Impotenz im Vergleich zur Prostatektomie minimal ist.