Primärer Hyperparathyreoidismus (Kind): Diagnostik & OP

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: AWMF|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Ein primärer Hyperparathyreoidismus (pHPT) beruht auf einer chronischen Übersekretion von Parathormon (PTH). Die Erkrankung tritt im Kindes- und Jugendalter sporadisch, familiär oder im Rahmen einer multiplen endokrinen Neoplasie (MEN) auf.

Eine Sonderform stellt die familiäre hypocalciurische Hypercalcämie (FHH) dar, die durch inaktivierende Mutationen im Calcium-Sensing-Rezeptor-Gen (CaSR) verursacht wird. Eine seltene, aber lebensbedrohliche Variante ist der neonatale schwere primäre Hyperparathyreoidismus (NSHPT), der zu rascher Skelettdemineralisation, Thoraxdeformierungen und Ateminsuffizienz führt.

Klinisch äußert sich die Erkrankung häufig durch unspezifische Symptome wie Anorexie, Übelkeit, Muskelschwäche, Polyurie oder Knochenschmerzen. Nicht selten liegt jedoch lediglich eine asymptomatische Hyperkalzämie vor.

Klinischer Kontext

Der primäre Hyperparathyreoidismus (pHPT) ist eine der häufigsten endokrinen Erkrankungen und betrifft überwiegend Frauen in der Postmenopause. Die Prävalenz wird auf etwa ein bis vier Fälle pro tausend Personen geschätzt.

Ursächlich ist eine autonome Überproduktion von Parathormon durch die Nebenschilddrüsen, meist bedingt durch ein solitäres Adenom, seltener durch Hyperplasien oder Karzinome. Dies führt zu einer gesteigerten Kalziumfreisetzung aus dem Knochen, einer erhöhten renalen Kalziumrückresorption und einer gesteigerten intestinalen Resorption.

Klinisch präsentiert sich die Erkrankung heutzutage meist asymptomatisch im Rahmen von Routineblutentnahmen durch eine Hyperkalzämie. Langfristig können jedoch Komplikationen wie Osteoporose, Nephrolithiasis und eine eingeschränkte Nierenfunktion auftreten, weshalb eine frühzeitige Erkennung essenziell ist.

Die Diagnosestellung basiert auf dem laborchemischen Nachweis einer Hyperkalzämie bei gleichzeitig inadäquat erhöhtem oder nicht supprimiertem intaktem Parathormon. Zur Differenzialdiagnostik gehört unter anderem der Ausschluss einer familiären hypokalziurischen Hyperkalzämie durch die Bestimmung der Kalziumausscheidung im 24-Stunden-Sammelurin.

Wissenswertes

Die Diagnose eines primären Hyperparathyreoidismus wird durch den Nachweis einer Hyperkalzämie bei gleichzeitig erhöhtem oder inadäquat normalem Parathormon im Serum gestellt. Wichtig ist zudem der Ausschluss eines Vitamin-D-Mangels, der die Werte verfälschen kann.

Heutzutage verläuft die Erkrankung oft asymptomatisch und fällt nur durch Zufallsbefunde im Labor auf. Klassische, aber seltene Symptome umfassen Nierensteine, Knochenschmerzen, gastrointestinale Beschwerden und psychische Veränderungen.

Eine chirurgische Entfernung der betroffenen Nebenschilddrüse wird bei symptomatischen Patienten sowie bei Vorliegen bestimmter Risikofaktoren in Erwägung gezogen. Dazu zählen unter anderem ein deutlich erhöhtes Serumkalzium, eine reduzierte Knochendichte oder eine eingeschränkte Nierenfunktion.

Beim primären Hyperparathyreoidismus liegt die Ursache in der Nebenschilddrüse selbst, was zu einer Hyperkalzämie führt. Der sekundäre Hyperparathyreoidismus ist hingegen eine reaktive Überproduktion von Parathormon infolge eines chronischen Kalziummangels, etwa bei Niereninsuffizienz oder Vitamin-D-Mangel.

Bildgebende Verfahren wie der Ultraschall des Halses und die Sestamibi-Szintigrafie werden eingesetzt, um das überaktive Gewebe vor einem chirurgischen Eingriff zu lokalisieren. Sie dienen nicht der Diagnosestellung, sondern ausschließlich der Operationsplanung.

Bei asymptomatischen Patienten ohne Operationsindikation kann ein abwartendes Vorgehen mit regelmäßigen Kontrollen von Kalzium, Nierenfunktion und Knochendichte erfolgen. Begleitend sollte auf eine ausreichende Hydratation und die Vermeidung von kalziumsteigernden Medikamenten geachtet werden.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Ein wichtiger Hinweis der Leitlinie betrifft die Lokalisationsdiagnostik: Im Gegensatz zum Erwachsenenalter sind beim primären Hyperparathyreoidismus im Kindes- und Jugendalter mehrheitlich thorakale Adenome die Ursache. Daher wird empfohlen, bei der Schnittbildgebung (CT oder MRT) stets den thorakalen Bereich mitzuuntersuchen.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie gilt die Diagnose als gesichert, wenn im Serum gleichzeitig ein erhöhtes Calcium und eine erhöhte Parathormon-Konzentration (PTH) nachgewiesen werden.

Die Leitlinie stuft die Katheterisierung der Halsvenen, Arteriographien sowie Calcium- oder Glukokortikoidbelastungen als entbehrliche Diagnostik ein.

Es wird eine Akuttherapie bestehend aus NaCl-Infusionen, Bisphosphonaten (wie Pamidronat oder Neridronat), Furosemid und Steroiden empfohlen. Begleitend sollte eine calciumfreie Kost erfolgen.

Der NSHPT ist eine seltene, durch CaSR-Genmutationen bedingte Erkrankung bei Neugeborenen. Sie führt zu einer raschen Demineralisation des Skeletts mit Thoraxdeformierungen, Rippenfrakturen und konsekutiver Ateminsuffizienz.

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KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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