Postoperative Wundinfektionen: Prävention und Therapie
Hintergrund
Postoperative Wundinfektionen (Surgical Site Infections, SSI) machen bis zu 20 Prozent aller nosokomialen Infektionen aus. Mindestens 5 Prozent der chirurgischen Patienten entwickeln eine solche Infektion.
Die meisten dieser Infektionen entstehen durch die Kontamination der Inzision mit patienteneigenen Mikroorganismen während der Operation. Sie führen zu einer erheblichen Morbidität, verlängerten Krankenhausaufenthalten und hohen Kosten für das Gesundheitssystem.
Die NICE-Leitlinie NG125 liefert evidenzbasierte Strategien zur Prävention und Behandlung. Die Empfehlungen decken die prä-, intra- und postoperative Phase ab, um das Infektionsrisiko systematisch zu minimieren.
Empfehlungen
Die NICE-Leitlinie NG125 formuliert folgende Kernempfehlungen zur Vermeidung und Behandlung von Wundinfektionen:
Präoperative Maßnahmen
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Duschen oder Baden mit Seife wird am Tag vor oder am Tag der Operation empfohlen.
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Eine routinemäßige Haarentfernung sollte laut Leitlinie vermieden werden. Falls erforderlich, wird die Nutzung elektrischer Haarschneider mit Einmalkopf am Operationstag empfohlen, da Rasierer das Infektionsrisiko erhöhen.
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Das Operationsteam sollte vor dem Eingriff jeglichen Handschmuck, künstliche Nägel und Nagellack entfernen.
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Eine mechanische Darmvorbereitung wird zur reinen Reduktion von Wundinfektionen nicht routinemäßig empfohlen.
Antibiotikaprophylaxe und Dekolonisation
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Eine intravenöse Antibiotikaprophylaxe wird bei sauberen Eingriffen mit Implantat, sauber-kontaminierten und kontaminierten Eingriffen empfohlen.
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Die Gabe sollte bei Einleitung der Anästhesie erfolgen, bei Verwendung einer Blutsperre entsprechend früher.
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Bei Eingriffen mit hohem Risiko für Staphylococcus aureus wird eine nasale Dekolonisation mit Mupirocin in Kombination mit einer Chlorhexidin-Körperwaschung empfohlen.
Intraoperative Hautantisepsis
Für die Hautantisepsis unmittelbar vor der Inzision definiert die Leitlinie klare Präferenzen in Abhängigkeit von der Lokalisation und möglichen Kontraindikationen.
| Situation | Wahl der Hautantisepsis |
|---|---|
| Erste Wahl (außer bei Kontraindikationen oder Schleimhautnähe) | Alkoholische Chlorhexidin-Lösung |
| Alternative bei Eingriffen in Schleimhautnähe | Wässrige Chlorhexidin-Lösung |
| Alternative bei Chlorhexidin-Kontraindikation | Alkoholische Povidon-Iod-Lösung |
| Wenn alkoholische Lösungen und Chlorhexidin ungeeignet sind | Wässrige Povidon-Iod-Lösung |
Intraoperatives Management und Wundverschluss
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Es wird empfohlen, die Körpertemperatur, eine optimale Oxygenierung (> 95 % Sättigung) und eine adäquate Perfusion aufrechtzuerhalten.
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Wundspülungen oder intrakavitäre Lavagen zur reinen Infektionsprävention werden nicht empfohlen.
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Bei der Verwendung von Nahtmaterial wird der Einsatz antimikrobieller, Triclosan-beschichteter Fäden erwogen, insbesondere in der Kinderchirurgie.
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Bei Kaiserschnitten wird empfohlen, für den Hautverschluss Nähte anstelle von Klammern zu verwenden, um oberflächliche Wunddehiszenzen zu reduzieren.
Postoperative Wundversorgung
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Für den Verbandswechsel wird eine aseptische Non-Touch-Technik empfohlen.
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Zur Wundreinigung in den ersten 48 Stunden nach der Operation sollte sterile Kochsalzlösung verwendet werden, danach ist Leitungswasser zulässig.
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Topische antimikrobielle Mittel werden bei primär heilenden Wunden nicht empfohlen.
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Bei Verdacht auf eine Wundinfektion (z. B. durch Zellulitis) wird eine systemische Antibiotikatherapie empfohlen, die die wahrscheinlichen Erreger abdeckt.
Kontraindikationen
Die Leitlinie warnt vor dem Einsatz von Chlorhexidin (sowohl alkoholisch als auch wässrig) bei Frühgeborenen, da ein Risiko für schwere chemische Verletzungen besteht.
Bei der Verwendung alkoholischer Antiseptika in Kombination mit Diathermie wird auf die Entflammbarkeit hingewiesen. Es wird empfohlen, die Lösungen vollständig verdunsten zu lassen und eine Pfützenbildung zu vermeiden.
Iodophor-imprägnierte Inzisionsfolien sind bei Patienten mit einer bekannten Iodallergie kontraindiziert.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie rät ausdrücklich von der routinemäßigen präoperativen Haarentfernung ab. Wenn eine Haarentfernung zwingend erforderlich ist, wird die Verwendung von elektrischen Haarschneidern (Clippern) am Operationstag empfohlen, da herkömmliche Rasierer Mikroläsionen verursachen und das Risiko für postoperative Wundinfektionen signifikant erhöhen.
Häufig gestellte Fragen
Laut Leitlinie können Patienten 48 Stunden nach dem chirurgischen Eingriff wieder sicher duschen. Für die Wundreinigung nach dieser Zeit kann normales Leitungswasser verwendet werden.
Die Leitlinie empfiehlt eine alkoholische Chlorhexidin-Lösung als erste Wahl für die Hautantisepsis. Ausnahmen gelten bei Kontraindikationen oder wenn das Operationsgebiet direkt an Schleimhäute angrenzt.
Nein, bei sauberen, unkomplizierten Eingriffen ohne Implantat wird routinemäßig keine Antibiotikaprophylaxe empfohlen. Sie ist primär für Eingriffe mit Implantaten sowie für sauber-kontaminierte und kontaminierte Operationen indiziert.
Es wird empfohlen, den Einsatz von antimikrobiellen, Triclosan-beschichteten Fäden zu erwägen. Dies gilt laut Leitlinie insbesondere für die pädiatrische Chirurgie.
Die Leitlinie empfiehlt, Antiseptika oder Antibiotika vor dem Wundverschluss nur im Rahmen von klinischen Studien in die Wunde einzubringen. Eine Ausnahme bildet die Erwägung von Gentamicin-Kollagen-Implantaten in der Herzchirurgie.
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Quelle: NG125: Skin conditions in acne (NICE, 2024). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
NICE Guideline on Surgical Site Infections
Global guidelines for the prevention of surgical site infection
StatPearls: Postoperative Wound Infections
StatPearls: Antibiotics in Mohs Micrographic Surgery: Strategies for Prophylaxis and Effective Utilization
WHO Guidelines for Safe Surgery
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