Postnatale Versorgung: Nachsorge und Stillberatung

Diese Leitlinie stammt aus 2021 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: NICE (2021)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die NICE-Leitlinie NG194 befasst sich mit der routinemäßigen postnatalen Versorgung von Frauen und ihren Neugeborenen in den ersten acht Wochen nach der Geburt. Ein zentraler Fokus liegt auf der frühzeitigen Erkennung von physischen und psychischen Komplikationen im Wochenbett.

Zudem betont das Dokument die Notwendigkeit einer individualisierten Betreuung. Es wird darauf hingewiesen, dass Frauen und Neugeborene aus bestimmten ethnischen Minderheiten oder sozial benachteiligten Gebieten ein signifikant erhöhtes Mortalitätsrisiko aufweisen.

Eine strukturierte Kommunikation bei der Übergabe zwischen verschiedenen Sektoren des Gesundheitssystems wird als essenziell für eine kontinuierliche und sichere Versorgung eingestuft.

Empfehlungen

Die Leitlinie formuliert folgende Kernempfehlungen für die postnatale Phase:

Organisation und Übergabe

Vor der Verlegung in die ambulante Betreuung wird empfohlen, die Gesundheit von Mutter und Kind umfassend zu beurteilen. Dazu gehört laut Leitlinie auch die Messung des ersten Urinvolumens der Mutter nach der Geburt, um die Blasenfunktion zu überprüfen.

Es wird empfohlen, den ersten postnatalen Hausbesuch durch eine Hebamme innerhalb von 36 Stunden nach der Verlegung durchzuführen. Ein weiterer Besuch durch eine Gesundheitsfachkraft sollte idealerweise zwischen dem 7. und 14. Tag stattfinden.

Beurteilung der Mutter

Bei jedem Kontakt sollte das physische und psychische Wohlbefinden der Mutter evaluiert werden. Die Leitlinie empfiehlt eine gezielte Anamnese bezüglich:

  • Symptomen einer postnatalen Depression oder Angststörung

  • Anzeichen für Infektionen, Thromboembolien oder Präeklampsie

  • Wundheilung nach vaginaler Geburt (Perineum) oder Sectio

  • Blasen- und Darmentleerungsstörungen

Bei anhaltenden oder sich verschlechternden perinealen Schmerzen wird eine sofortige ärztliche Untersuchung empfohlen. Bei einer Wunddehiszenz am Damm ist eine dringliche Überweisung am selben Tag indiziert.

Beurteilung des Neugeborenen

Eine vollständige körperliche Untersuchung des Neugeborenen wird innerhalb der ersten 72 Stunden sowie nach 6 bis 8 Wochen empfohlen. Wenn das Kind innerhalb der ersten 24 Stunden kein Mekonium abgesetzt hat, muss laut Leitlinie zwingend ärztlicher Rat eingeholt werden.

Zur Beurteilung von Krankheitszeichen bei Säuglingen listet die Leitlinie spezifische Red Flags auf. Bei Vorliegen dieser Warnzeichen wird eine sofortige notfallmedizinische Vorstellung empfohlen:

KategorieRed Flag Symptome
AllgemeinzustandBlass, aschfahl, marmoriert, Zyanose, fehlende Ansprechbarkeit
AtmungStöhnen, Atemfrequenz >60/min, thorakale Einziehungen
NeurologieVorwölbende Fontanelle, Nackensteifigkeit, Krampfanfälle, schrilles Schreien
GastrointestinalGalliges (grünes) Erbrechen, schwallartiges Erbrechen, Diarrhö mit Dehydratation
Temperatur≥ 38 °C oder < 36 °C

Zudem wird dringend davon abgeraten, das Bett mit dem Säugling zu teilen, wenn das Kind ein niedriges Geburtsgewicht hatte. Gleiches gilt, wenn die Eltern rauchen, Alkohol konsumiert haben oder sedierende Medikamente einnehmen.

Säuglingsernährung und Stillen

Die Leitlinie empfiehlt, Frauen bereits pränatal und kontinuierlich im Wochenbett über die Vorteile des Stillens aufzuklären. Es wird geraten, frühmöglichen Haut-zu-Haut-Kontakt zu fördern, um den Stillbeginn zu erleichtern.

Bei der Beurteilung des Stillens sollte innerhalb der ersten 24 Stunden sowie mindestens ein weiteres Mal in der ersten Woche eine vollständige Stillmahlzeit beobachtet werden.

Wenn sich Eltern für Säuglingsanfangsnahrung (Formula-Nahrung) entscheiden, wird eine wertfreie und unterstützende Beratung empfohlen. Dabei sollte die sichere Zubereitung demonstriert und auf die Gefahr der Überfütterung hingewiesen werden.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Die Leitlinie warnt davor, anhaltende oder sich verschlechternde perineale Schmerzen im Wochenbett als normalen Heilungsprozess abzutun. Es wird darauf hingewiesen, dass solche Schmerzen mit Wundinfektionen, Dehiszenzen oder depressiven Symptomen assoziiert sein können und eine proaktive Untersuchung erfordern.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie wird empfohlen, den ersten postnatalen Hausbesuch durch eine Hebamme innerhalb von 36 Stunden nach der Verlegung in die häusliche Umgebung durchzuführen. Dieser Kontakt sollte idealerweise persönlich und im häuslichen Umfeld stattfinden.

Es wird eine sofortige notfallmedizinische Abklärung empfohlen, wenn Red Flags wie Zyanose, eine Atemfrequenz über 60 pro Minute, galliges Erbrechen oder eine Körpertemperatur von unter 36 °C beziehungsweise ab 38 °C auftreten. Auch eine vorgewölbte Fontanelle oder Krampfanfälle gelten als absolute Warnzeichen.

Die Leitlinie weist darauf hin, dass ein fehlender Mekoniumabgang innerhalb der ersten 24 Stunden nach der Geburt auf eine ernsthafte Störung hindeuten kann. In diesem Fall wird empfohlen, umgehend ärztlichen Rat einzuholen.

Bei Schmerzen am Perineum, die nicht abklingen oder sich verschlimmern, wird eine zeitnahe körperliche Untersuchung durch eine Hebamme oder einen Arzt empfohlen. Bei einer Wunddehiszenz ist laut Leitlinie eine dringliche Überweisung an eine spezialisierte Einrichtung am selben Tag indiziert.

Es wird dringend davon abgeraten, das Bett mit dem Säugling zu teilen, wenn das Kind ein niedriges Geburtsgewicht hatte. Ebenso wird vom Bed-Sharing abgeraten, wenn die Eltern rauchen, Alkohol getrunken haben oder sedierende Substanzen einnehmen.

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Quelle: NICE Guideline on Postnatal Care (NICE, 2021). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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