Polyneuropathie: Diagnostik und Leitlinien-Empfehlung
Hintergrund
Polyneuropathien (PNP) sind generalisierte Erkrankungen des peripheren Nervensystems. Sie umfassen motorische, sensible und autonome Nervenfasern und können vielfältige Ursachen haben.
Die häufigste Manifestation ist eine distal symmetrische, längenabhängige axonale Schädigung. Daneben existieren Polyradikuloneuropathien mit proximalem und distalem Befall sowie asymmetrische Formen wie die Mononeuropathia multiplex.
Die AWMF-Leitlinie bietet einen systematischen Ansatz zur ätiologischen Einordnung. Ziel ist es, behandelbare Ursachen wie immunvermittelte, toxische oder metabolische Neuropathien frühzeitig zu identifizieren.
💡Praxis-Tipp
Die Leitlinie weist darauf hin, dass die Diagnose einer chronischen inflammatorischen demyelinisierenden Polyneuropathie (CIDP) sehr häufig fehlerhaft gestellt wird. Es wird betont, dass bei einer vermeintlichen CIDP, die nicht auf die immunmodulatorische Standardtherapie anspricht, differenzialdiagnostisch an eine hereditäre Transthyretin-Amyloidose (hATTR) oder an autoimmune Nodopathien gedacht werden sollte.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt als Standardlabor unter anderem Nüchternblutzucker, HbA1c, TSH, Vitamin B12, BSG, CRP, Leber- und Nierenwerte sowie eine Immunfixation. Diese Parameter dienen der Identifikation häufiger und behandelbarer Ursachen.
Eine genetische Abklärung wird laut Leitlinie bei positivem familiärem Auftreten, jungem Erkrankungsalter oder typischen Skelettdeformitäten wie Hohlfuß empfohlen. Auch bei ätiologisch unklaren chronischen axonalen Polyneuropathien (CIAP) wird eine genetische Testung, beispielsweise auf eine RFC1-Repeatexpansion, angeraten.
Bei Verdacht auf eine SFN empfiehlt die Leitlinie zunächst eine klinische Testung der Wärme-, Kälte- und Schmerzempfindung. Zur weiteren Diagnosesicherung wird eine Hautbiopsie zur Quantifizierung der intraepidermalen Nervenfaserdichte als hochsensitives Verfahren beschrieben.
Der hochauflösende Nervenultraschall kann laut Leitlinie morphologische Veränderungen wie fokal oder generalisiert vergrößerte Nervenquerschnitte detektieren. Dies wird besonders bei der Diagnostik von immunvermittelten und erblichen demyelinisierenden Neuropathien als hilfreich bewertet.
Eine bioptische Abklärung ist gemäß Leitlinie nur bei Verdacht auf eine behandelbare Polyneuropathie indiziert, die anders nicht gesichert werden kann, wie beispielsweise bei einer Vaskulitis. Es wird betont, dass solche Eingriffe ausschließlich in spezialisierten Zentren erfolgen sollten.
War diese Zusammenfassung hilfreich?
Quelle: Diagnostik bei Polyneuropathien (AWMF). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
Verwandte Leitlinien
Differentialdiagnose der hereditären und erworbenen Neuropathien im Kindes- und Jugendalter
DDG: PE_Diabetische_Neuropathie_2025.pdf pdf
Therapie akuter und chronischer immunvermittelter Neuropathien und Neuritiden
Diagnostik von Myopathien
Diagnostik und Differenzialdiagnose bei Myalgien
ClariMed durchsucht alle medizinischen Leitlinien
AWMF, NVL, NICE, WHO, ESC, KDIGO - Quellenzitiert, kostenlos. Speichern Sie Ihren Verlauf auf allen Geräten mit einem kostenlosen Konto.
Kostenloses Konto erstellen