Pertuzumab bei Mammakarzinom: Therapie und Indikation
Hintergrund
Der IQWiG-Bericht A22-103 bewertet den Zusatznutzen von Pertuzumab zur adjuvanten Behandlung des Mammakarzinoms. Die Bewertung bezieht sich auf erwachsene Personen mit HER2-positivem frühem Brustkrebs und hohem Rezidivrisiko.
Ein hohes Rezidivrisiko wird in diesem Kontext als nodalpositive oder hormonrezeptornegative Erkrankung definiert. Pertuzumab wird dabei ausschließlich in Kombination mit Trastuzumab und einer Chemotherapie verabreicht.
Als zweckmäßige Vergleichstherapie wurde ein Schema festgelegt, das Trastuzumab, ein Taxan und gegebenenfalls ein Anthrazyklin enthält. Die Bewertung basiert maßgeblich auf den Daten der randomisierten, doppelblinden APHINITY-Studie.
Empfehlungen
Die Nutzenbewertung formuliert basierend auf der APHINITY-Studie folgende zentrale Ergebnisse zum Zusatznutzen:
Überleben und Rezidive
Laut Bericht zeigt sich für das Gesamtüberleben ein Anhaltspunkt für einen geringen Zusatznutzen der Pertuzumab-Kombination.
Für den Endpunkt Rezidive (krankheitsfreies Überleben) ergibt sich ein Hinweis auf einen beträchtlichen Zusatznutzen im Vergleich zur alleinigen Gabe von Trastuzumab und Chemotherapie.
Nebenwirkungen und Lebensqualität
Die Bewertung identifiziert auch negative Effekte der erweiterten Blockade:
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Es gibt einen Hinweis auf einen höheren Schaden durch schwerwiegende unerwünschte Ereignisse (SUEs), insbesondere Herzinsuffizienz.
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Bei spezifischen schweren Nebenwirkungen wie Diarrhö, Stomatitis und Anämie zeigt sich ebenfalls ein höherer Schaden.
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Das Alter fungiert als Effektmodifikator: Bei Personen ab 65 Jahren zeigen sich stärkere Belastungen durch Symptome wie Übelkeit und Appetitlosigkeit.
Gesamtaussage zum Zusatznutzen
In der Gesamtschau überwiegen laut IQWiG die positiven Effekte durch das verbesserte Gesamtüberleben und die verringerte Rezidivrate.
Es wird ein Hinweis auf einen geringen Zusatznutzen für Pertuzumab in Kombination mit Trastuzumab und Chemotherapie gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie abgeleitet.
Dosierung
Die Dosierungen basieren auf den in der APHINITY-Studie angewendeten Therapieregimen. Die Anti-HER2-Behandlung erfolgte über 52 Wochen.
| Medikament | Dosierung Zyklus 1 | Dosierung ab Zyklus 2 | Applikationsintervall |
|---|---|---|---|
| Pertuzumab | 840 mg i.v. | 420 mg i.v. | alle 3 Wochen (q3w) |
| Trastuzumab | 8 mg/kg i.v. | 6 mg/kg i.v. | alle 3 Wochen (q3w) |
Die zielgerichtete Therapie wurde laut Bericht mit einer taxanhaltigen Chemotherapie (Docetaxel oder Paclitaxel) kombiniert. Eine vorausgehende anthrazyklinhaltige Chemotherapie war zulässig.
Kontraindikationen
Der Bericht weist auf das Risiko kardiotoxischer Nebenwirkungen hin.
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In die zugrundeliegende Studie wurden keine Personen mit schwerwiegenden kardiovaskulären Erkrankungen oder einer linksventrikulären Auswurffraktion (LVEF) unter 55 % eingeschlossen.
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Ein anhaltender Abfall der LVEF um mindestens 10 Prozentpunkte und unter 50 % führte im Studienprotokoll zum Abbruch der Behandlung.
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Es wird ein Hinweis auf einen höheren Schaden durch schwerwiegende Herzinsuffizienzen unter der Pertuzumab-Kombination beschrieben.
💡Praxis-Tipp
Der IQWiG-Bericht hebt hervor, dass unter der Kombinationstherapie mit Pertuzumab vermehrt schwerwiegende unerwünschte Ereignisse wie Herzinsuffizienz und schwere Diarrhöen auftreten. Es wird beschrieben, dass insbesondere bei Personen ab 65 Jahren eine stärkere Belastung durch die Therapie zu erwarten ist. Dies wird als relevanter Faktor für die individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung dargestellt.
Häufig gestellte Fragen
Der Bericht bewertet den Einsatz bei Erwachsenen mit HER2-positivem frühem Mammakarzinom. Voraussetzung ist ein hohes Rezidivrisiko, welches als nodalpositive oder hormonrezeptornegative Erkrankung definiert wird.
Das IQWiG leitet in der Gesamtschau einen Hinweis auf einen geringen Zusatznutzen ab. Dies begründet sich durch Vorteile beim Gesamtüberleben und der Rezidivrate, denen vermehrte Nebenwirkungen gegenüberstehen.
Laut Nutzenbewertung zeigt sich ein höherer Schaden unter anderem bei schweren Diarrhöen, Stomatitis und Anämie. Zudem wird auf ein erhöhtes Risiko für schwerwiegende Herzinsuffizienzen hingewiesen.
In der zugrundeliegenden APHINITY-Studie erfolgte die Anti-HER2-Behandlung mit Pertuzumab und Trastuzumab über einen Zeitraum von 52 Wochen. Die Therapie begann gleichzeitig mit der taxanhaltigen Chemotherapie.
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Quelle: IQWiG A22-103: Pertuzumab (Mammakarzinom) – Nutzenbewertung gemäß § 35a SGB V (IQWiG, 2023). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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