Perioperative Antibiotikaprophylaxe: PAP-Dosierung
Hintergrund
Die AWMF-Leitlinie befasst sich mit der perioperativen und periinterventionellen Antibiotikaprophylaxe (PAP). Postoperative Wundinfektionen (SSI) gehören zu den häufigsten nosokomialen Infektionen und führen zu erhöhter Morbidität, Letalität sowie verlängerten Krankenhausaufenthalten.
Ziel der PAP ist es in erster Linie, dem Auftreten einer postoperativen Infektion lokal im Operationsfeld vorzubeugen. Die Leitlinie betont, dass die PAP bewährte Hygienemaßnahmen und eine aseptische chirurgische Technik nicht ersetzen, sondern nur ergänzen kann.
Ein wesentliches Problem im klinischen Alltag ist die nicht leitliniengerechte Durchführung der PAP. Häufig wird die Antibiotikagabe ohne nachweisbaren Nutzen über den Operationstag hinaus verlängert, was die Resistenzentwicklung fördert und das Risiko für unerwünschte Arzneimittelwirkungen erhöht.
💡Praxis-Tipp
Laut Leitlinie ist die routinemäßige Verlängerung der perioperativen Antibiotikaprophylaxe über das Ende der Operation hinaus ein häufiger Fehler, der keinen zusätzlichen Infektionsschutz bietet, aber das Risiko für Clostridioides-difficile-Infektionen und Resistenzentwicklungen signifikant erhöht. Es wird stattdessen betont, dass eine rechtzeitige Einmalgabe (30 bis 60 Minuten vor Schnitt) in Kombination mit einer konsequenten intraoperativen Nachdosierung bei langen Eingriffen oder hohem Blutverlust den besten Schutz vor Wundinfektionen darstellt.
Häufig gestellte Fragen
Die Leitlinie empfiehlt eine intraoperative Wiederholungsdosis, wenn die Operationsdauer die doppelte Halbwertszeit des verwendeten Antibiotikums überschreitet. Zudem wird eine Nachdosierung bei einem intraoperativen Blutverlust von mehr als 1,5 Litern empfohlen.
Es wird empfohlen, die Standarddosis von 2 g Cefazolin bei Personen mit einem Körpergewicht von über 100 bis 120 kg auf 3 g zu erhöhen. Dies stellt sicher, dass ausreichende Gewebespiegel für die Prophylaxe erreicht werden.
Gemäß der Leitlinie soll die Prophylaxe in der Regel mit dem Ende der Operation beendet werden und als Einzeldosis (Single-Shot) erfolgen. Ausnahmen mit einer Verlängerung bis maximal 24 oder 72 Stunden gelten nur für spezifische Eingriffe wie in der Herzchirurgie oder bei offenen Frakturen.
Bei einer bestätigten Allergie mit Kreuzreaktion wird der Einsatz von Vancomycin oder Clindamycin empfohlen. Die Leitlinie warnt jedoch vor hohen Clindamycin-Resistenzraten, weshalb bei unbekannter Resistenzlage Vancomycin bevorzugt werden sollte.
Ja, die Leitlinie spricht eine starke Empfehlung für die perioperative Antibiotikaprophylaxe bei der laparoskopischen Cholezystektomie aus. Hierdurch kann das Risiko für postoperative Wundinfektionen signifikant gesenkt werden.
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Quelle: Perioperative und Periinterventionelle Antibiotikaprophylaxe (AWMF). Originaldokument ansehen
KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.
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