Pädiatrische Reanimation (PLS): Leitlinien-Empfehlung

Diese Leitlinie stammt aus 2021 und ist möglicherweise nicht mehr aktuell. Aktualität beim Herausgeber prüfen
KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: ERC (2021)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die ERC-Leitlinie 2021 zum Paediatric Life Support (PLS) adressiert die Versorgung kritisch kranker Säuglinge und Kinder vor, während und nach einem Herzstillstand. Die Empfehlungen basieren auf dem ILCOR-Konsensus von 2020.

Kritische Erkrankungen bei Kindern unterscheiden sich pathophysiologisch häufig von denen bei Erwachsenen. Die Leitlinie betont die Wichtigkeit einer frühzeitigen Erkennung von respiratorischem und zirkulatorischem Versagen.

Die Richtlinien gelten für alle Kinder von der Geburt (ausgenommen die Erstversorgung im Kreißsaal) bis zum 18. Lebensjahr. Bei Jugendlichen, die wie Erwachsene aussehen, können laut Leitlinie die Erwachsenen-Algorithmen angewendet werden.

Empfehlungen

Beurteilung und Basisversorgung

Die Leitlinie empfiehlt die Beurteilung kritisch kranker Kinder nach dem ABCDE-Schema. Es wird geraten, nach jeder Intervention eine erneute Evaluation durchzuführen.

Für die Sauerstofftherapie wird ein Zielwert der SpO2 von 94 bis 98 % empfohlen. Wenn eine Messung nicht möglich ist, sollte bei Zeichen eines Schocks oder Atemversagens hochdosierter Sauerstoff verabreicht werden.

Paediatric Basic Life Support (PBLS)

Bei fehlender oder abnormaler Atmung empfiehlt die Leitlinie den Beginn der Reanimation mit 5 initialen Beatmungen. Danach sollte ein Rhythmus von 15 Thoraxkompressionen zu 2 Beatmungen (15:2) erfolgen.

Für die Thoraxkompressionen werden folgende Kernaussagen definiert:

  • Frequenz von 100 bis 120 pro Minute

  • Kompressionstiefe von mindestens einem Drittel des Thoraxdurchmessers (maximal 6 cm)

  • Vollständige Entlastung des Thorax nach jeder Kompression

Paediatric Advanced Life Support (PALS)

Bei einem Herzstillstand wird die sofortige Rhythmusanalyse und bei schockbaren Rhythmen (VF/pVT) eine Defibrillation empfohlen. Die Leitlinie rät zu einer Standardenergie von 4 J/kg Körpergewicht.

Es wird empfohlen, Adrenalin bei nicht-schockbaren Rhythmen so früh wie möglich zu verabreichen. Bei schockbaren Rhythmen erfolgt die Gabe nach dem dritten Schock.

Die Leitlinie betont die aktive Suche und Behandlung reversibler Ursachen nach dem 4H4T-Schema. Dazu gehören Hypoxie, Hypovolämie, Hypo-/Hyperkaliämie/Hypoglykämie und Hypothermie sowie Herzbeuteltamponade, Toxine, Thrombose und Spannungspneumothorax.

Kreislaufversagen und Schock

Bei Kindern mit Schocksymptomatik wird eine frühzeitige Volumentherapie mit Boli von 10 ml/kg empfohlen. Es wird geraten, nach jedem Bolus auf Zeichen einer Volumenüberladung zu achten.

Bei ausbleibender Besserung empfiehlt die Leitlinie den frühzeitigen Einsatz vasoaktiver Substanzen wie Adrenalin oder Noradrenalin. Bei hämorrhagischem Schock sollten kristalloide Lösungen limitiert und frühzeitig Blutprodukte eingesetzt werden.

Dosierung

Intervention / MedikamentDosierungIndikation
Defibrillation4 J/kgSchockbarer Rhythmus (VF/pVT)
Adrenalin10 mcg/kg (max. 1 mg) IV/IOHerzstillstand
Amiodaron5 mg/kg (max. 300 mg) IV/IORefraktäres Kammerflimmern/pVT
Volumenbolus10 ml/kg (kristalloide Lösung)Kreislaufversagen/Schock
Adrenalin0,01 mg/kg IMAnaphylaxie
Magnesiumsulfat50 mg/kg IV (max. 2 g)Schweres Asthma / Torsade de pointes
Tranexamsäure15-20 mg/kg (max. 1 g) als BolusHämorrhagischer Schock / Trauma

Kontraindikationen

Die Leitlinie nennt folgende Warnhinweise und Kontraindikationen:

  • Eine Hyperventilation während der Reanimation ist zu vermeiden.

  • Bei der Volumentherapie wird vor einer Volumenüberladung gewarnt, weshalb nach jedem Bolus eine Reevaluation empfohlen wird.

  • Bei katecholaminerger polymorpher ventrikulärer Tachykardie (CPVT) wird von der Gabe von Adrenalin abgeraten.

  • Ein routinemäßiger Einsatz von Natriumbicarbonat bei einem Herzstillstand wird nicht empfohlen.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Die Leitlinie betont, dass bei einer Bradykardie (unter 60 Schlägen pro Minute) mit Zeichen einer unzureichenden Perfusion trotz adäquater Oxygenierung umgehend mit der Reanimation begonnen werden sollte. Es wird davon abgeraten, wertvolle Zeit mit der Suche nach einem Puls zu verlieren, da eine frühe Intervention das Outcome signifikant verbessert.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie wird eine Kompressionstiefe von mindestens einem Drittel des anterior-posterioren Thoraxdurchmessers empfohlen. Dies entspricht etwa 4 cm bei Säuglingen und 5 cm bei älteren Kindern, wobei die absolute Tiefe von 6 cm nicht überschritten werden sollte.

Bei nicht-schockbaren Rhythmen empfiehlt die Leitlinie die Adrenalingabe so früh wie möglich, idealerweise innerhalb der ersten 3 Minuten. Bei schockbaren Rhythmen erfolgt die erste Gabe nach dem dritten erfolglosen Schock.

Die Leitlinie empfiehlt einen initialen Flüssigkeitsbolus von 10 ml/kg Körpergewicht mit isotonen kristalloiden Lösungen. Nach jedem Bolus sollte eine klinische Reevaluation erfolgen, um eine Volumenüberladung zu vermeiden.

Es wird eine altersentsprechende Beatmungsfrequenz empfohlen, die sich an der unteren Grenze der Normalwerte orientiert. Dies entspricht laut Leitlinie etwa 25 Atemzügen pro Minute bei Säuglingen, 20 bei Kleinkindern und 10 bis 15 bei älteren Kindern.

Die Leitlinie fasst die potenziell reversiblen Ursachen eines Herzstillstands unter den 4H (Hypoxie, Hypovolämie, Hypo-/Hyperkaliämie/Hypoglykämie, Hypothermie) und 4T (Tamponade, Toxine, Thrombose, Spannungspneumothorax) zusammen. Diese sollten während der Reanimation aktiv gesucht und behandelt werden.

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KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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