Ovarialkarzinom: Diagnostik, RMI-Score und Therapie

KI-generierte Zusammenfassung|Quelle: NICE (2025)|Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung

Hintergrund

Die NICE-Leitlinie CG122 behandelt die Erkennung, Diagnostik und initiale Behandlung von Frauen ab 18 Jahren mit Verdacht auf oder gesichertem Ovarialkarzinom. Dies schließt epitheliale Ovarialkarzinome, Tubenkarzinome, primäre Peritonealkarzinome und Borderline-Tumoren ein.

Ziel ist es, eine frühere Erkennung der Erkrankung zu ermöglichen und die initiale Therapie zu optimieren. Da die Symptome oft unspezifisch sind, wird ein besonderer Fokus auf die Sensibilisierung für frühe Warnzeichen in der Primärversorgung gelegt.

Empfehlungen

Die NICE-Leitlinie CG122 formuliert folgende Kernempfehlungen:

Primärversorgung und Screening

Bei Feststellung von Aszites oder einer unklaren Becken- oder Bauchmasse wird eine sofortige Überweisung über einen Verdachtsweg für Krebserkrankungen empfohlen. Ausgenommen sind offensichtliche Uterusmyome.

Die Leitlinie empfiehlt eine weitere Abklärung, wenn Frauen (insbesondere ab 50 Jahren) mehr als zwölfmal pro Monat über folgende Symptome klagen:

  • Persistierende abdominelle Distension (Blähbauch)

  • Frühes Sättigungsgefühl oder Appetitlosigkeit

  • Becken- oder Bauchschmerzen

  • Erhöhter Harndrang oder erhöhte Miktionsfrequenz

Zudem wird eine Diagnostik bei Frauen ab 50 Jahren empfohlen, die innerhalb der letzten 12 Monate neu aufgetretene Symptome eines Reizdarmsyndroms (IBS) entwickeln. Ein IBS tritt in dieser Altersgruppe selten erstmals auf.

Diagnostik und Tumormarker

Als erster Test in der Primärversorgung wird die Bestimmung des Serum-CA125 empfohlen. Bei einem Wert von 35 IU/ml oder höher sollte eine Ultraschalluntersuchung des Abdomens und Beckens erfolgen.

Bei Frauen unter 40 Jahren wird zusätzlich zur CA125-Bestimmung die Messung von Alpha-Fetoprotein (AFP) und Beta-hCG empfohlen. Dies dient dem Ausschluss von nicht-epithelialen Tumoren.

Zur Risikostratifizierung in der Sekundärversorgung wird die Berechnung des Risk of Malignancy Index (RMI I) empfohlen. Bei einem Score von 250 oder höher sollte eine Überweisung an ein spezialisiertes multidisziplinäres Team erfolgen.

ParameterKriterienPunktwert
Ultraschall-Score (U)Multilokuläre Zysten, solide Areale, Metastasen, Aszites, bilaterale Läsionen0 (kein Merkmal), 1 (ein Merkmal), 3 (2-5 Merkmale)
Menopausenstatus (M)Prämenopausal / Postmenopausal1 (prämenopausal), 3 (postmenopausal)
CA125Serumwert in IU/mlAbsolutwert

Formel: RMI = U × M × CA125

Bildgebung und Gewebediagnostik

Wenn Ultraschall und CA125 auf ein Ovarialkarzinom hindeuten, wird eine CT-Untersuchung von Becken und Abdomen zur Ausbreitungsdiagnostik empfohlen. Eine routinemäßige MRT-Untersuchung wird nicht empfohlen.

Vor Beginn einer zytotoxischen Chemotherapie sollte in der Regel eine histologische Sicherung erfolgen. Eine perkutane bildgesteuerte Biopsie oder eine laparoskopische Biopsie werden hierfür bevorzugt.

Therapie bei frühem Ovarialkarzinom (Stadium 1)

Bei Verdacht auf ein auf die Ovarien beschränktes Karzinom wird ein optimales chirurgisches Staging inklusive retroperitonealer Lymphknotenbeurteilung empfohlen. Eine systematische retroperitoneale Lymphadenektomie (Blockdissektion) gehört jedoch nicht zur Standardbehandlung.

Die Indikation zur adjuvanten Chemotherapie richtet sich nach dem Risikoprofil:

  • Keine adjuvante Chemotherapie bei Niedrigrisiko-Stadium 1 (Grad 1 oder 2, Stadium 1a oder 1b)

  • Adjuvante Chemotherapie mit Carboplatin bei Hochrisiko-Stadium 1 (Grad 3 oder Stadium 1c)

Therapie bei fortgeschrittenem Ovarialkarzinom (Stadium 2-4)

Das primäre chirurgische Ziel bei fortgeschrittenem Ovarialkarzinom ist die vollständige Resektion aller makroskopischen Tumorherde. Dies gilt unabhängig davon, ob die Operation vor oder nach einer neoadjuvanten Chemotherapie stattfindet.

Als systemische Erstlinientherapie werden Paclitaxel in Kombination mit einem platinbasierten Wirkstoff oder eine platinbasierte Monotherapie empfohlen. Für die Erhaltungstherapie stehen je nach BRCA- und HRD-Status verschiedene PARP-Inhibitoren (z. B. Rucaparib, Olaparib, Niraparib) zur Verfügung.

Dosierung

Die Leitlinie nennt spezifische Dosierungsschemata für ausgewählte systemische Therapien:

MedikamentDosierung / SchemaIndikation
Carboplatin6 ZyklenAdjuvante Therapie bei Hochrisiko-Stadium 1 (Grad 3 oder Stadium 1c)
Bevacizumab7,5 mg/kg oder 15 mg/kgErstlinien-Induktionstherapie bei fortgeschrittenem Ovarialkarzinom (Stadium 3 und 4) in Kombination mit Paclitaxel und Carboplatin

Kontraindikationen

Die Leitlinie formuliert folgende explizite Warnhinweise und Kontraindikationen:

  • Eine routinemäßige MRT-Untersuchung zur Beurteilung von Frauen mit Verdacht auf Ovarialkarzinom wird nicht empfohlen.

  • Eine systematische retroperitoneale Lymphadenektomie (Blockdissektion) sollte bei Stadium-1-Erkrankungen nicht als Teil der Standardoperation durchgeführt werden.

  • Bei optimal gestagtem Niedrigrisiko-Ovarialkarzinom (Grad 1 oder 2, Stadium 1a oder 1b) wird von einer adjuvanten Chemotherapie abgeraten.

  • Eine intraperitoneale Chemotherapie wird außerhalb von klinischen Studien nicht empfohlen.

  • Topotecan wird nicht zur Behandlung von rezidiviertem platinresistentem oder platinrefraktärem Ovarialkarzinom empfohlen.

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Häufige Fragen dazu

💡Praxis-Tipp

Die Leitlinie warnt davor, ein neu aufgetretenes Reizdarmsyndrom (IBS) bei Frauen ab 50 Jahren ohne weitere Abklärung zu diagnostizieren. Da ein IBS in diesem Alter selten erstmals auftritt, wird bei entsprechenden Symptomen innerhalb der letzten 12 Monate eine gezielte Diagnostik auf ein Ovarialkarzinom empfohlen.

Häufig gestellte Fragen

Laut Leitlinie deuten persistierende Symptome wie abdominelle Distension (Blähbauch), frühes Sättigungsgefühl, Becken- oder Bauchschmerzen sowie vermehrter Harndrang auf ein Ovarialkarzinom hin. Eine Abklärung wird insbesondere empfohlen, wenn diese Beschwerden häufiger als zwölfmal pro Monat auftreten.

Als erster Test in der Primärversorgung wird die Bestimmung des Serum-CA125 empfohlen. Bei Werten von 35 IU/ml oder höher sollte eine Ultraschalluntersuchung des Abdomens und Beckens veranlasst werden.

Bei Frauen unter 40 Jahren mit Verdacht auf ein Ovarialkarzinom wird zusätzlich zu CA125 die Bestimmung von Alpha-Fetoprotein (AFP) und Beta-hCG empfohlen. Dies dient der Identifikation von Patientinnen, die möglicherweise kein epitheliales Karzinom haben.

Der RMI I berechnet sich aus dem Produkt von Ultraschall-Score, Menopausenstatus und dem CA125-Wert im Serum. Ab einem Score von 250 wird die Überweisung an ein spezialisiertes multidisziplinäres Team empfohlen.

Die Leitlinie rät vom routinemäßigen Einsatz der MRT zur Beurteilung von Frauen mit Verdacht auf Ovarialkarzinom ab. Stattdessen wird bei sonografischem Verdacht eine CT-Untersuchung von Becken und Abdomen zur Ausbreitungsdiagnostik empfohlen.

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Quelle: Ovarian cancer: recognition and initial management (NICE, 2025). Originaldokument ansehen

KI-generierte Zusammenfassung. Keine Diagnose- oder Therapieempfehlung. Die klinische Entscheidung trifft der behandelnde Arzt.

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